Auch an der Gemeinde Schonach gehen die finanziellen Auswirkungen durch die Corona-Krise nicht spurlos vorbei. Ganz im Gegenteil. Die Gewerbesteuereinnahmen verzeichneten einen historischen Einbruch. Allein die Vorauszahlungen seien seit Mitte März um rund 1,1 Millionen Euro gekürzt worden, wie Kämmerer Steffen Dold in der Gemeinderatssitzung im Haus des Gastes berichtete.

Statt der angesetzten Einnahmen von rund 1,7 Millionen Euro würden am Jahresende wohl nur noch 726  000 Euro in der Kasse der Gemeinde landen. Doch nicht nur das, auch die Gebühreneinnahmen aus dem Kindergarten würden stark zurückgehen, ebenso wie die Einnahmen aus Kurtaxe und Bettengeld.

Insgesamt habe sich der Haushaltsplan nach aktuellen Zahlen um rund 1,021 Millionen Euro verschlechtert. Zwar dürfte es bis Jahresende noch einige Änderungen geben, aber man müsse mit einer Verschlechterung von rund einer Million Euro rechnen. Damit dürfte das Defizit im Ergebnishaushalt auf rund 1,6 Millionen Euro steigen.

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Der geforderte Haushaltsausgleich werde damit um die gleiche Summe verfehlt. Das kassenwirksame Defizit, also das Minus ohne Berücksichtigung der Abschreibungen, werde bei rund 875  000 Euro liegen, erläuterte Dold. Ergo würden die laufenden Einnahmen die Ausgaben bei weitem nicht decken.

Zwischenfinanzierung über Kassenkredite

Man werde die laufenden Ausgaben langfristig über Kassenkredite zwischenfinanzieren müssen. Dies dürfte, sollte sich die Lage nicht gravierend verbessern, bis ins Jahr 2021, wenn nicht sogar bis 2022 nötig sein. Das werde sich zudem dann auch im Schuldenstand der Gemeinde niederschlagen, informierte Dold.

Wachsende Schulden

Sofern alle geplanten Investitionen umgesetzt werden sollten, würde sich bis zum Jahresende ein rechnerischer Schuldenstand von rund sechs Millionen Euro ergeben, der liege dann wieder in einer Größenordnung wie in den 1970er und 1980er Jahren, wobei der Höchststand 1986 erreicht wurde.

Um dem entgegenzuwirken, habe sich die Gemeindeverwaltung zu Einsparungen Gedanken gemacht. Wie bereits zum Teil berichtet lauten die Vorschläge für Sparmaßnahmen bei den laufenden Ausgaben:

  • Freibad: Um die Kosten für eine Vertretung des Bademeisters einzusparen, rund 10  000 Euro pro Jahr, schlug man vor, die Öffnungszeiten zu kürzen.
  • Skilift Winterberg: Auch hier könnte eine Kürzung der Öffnungszeiten Geld einsparen. Würde man die Beschneiung einstellen, brächte auch das rund 4000 Euro.
  • Unterhaltkosten/Bewirtschaftungskosten: Diese Kosten sollen auf ein Mindestmaß eingeschränkt werden. Die Verwaltung, so Dold, werde sämtliche Kosten dieser Art auf Dringlichkeit prüfen. Was nicht zwingend erforderlich sei, werde nicht umgesetzt. Außerdem sollten die Haushalts-Ansätze für Straßen- und Kanal-Unterhalt von jeweils 50  000 Euro möglichst sparsam eingesetzt werden.
  • Planung Sanierung Bachmauer Turntalstraße: Die Planung zur Sanierung der Bachmauer am Turntalbach in Höhe von 20  000 Euro sollte vorerst gestrichen werden.
  • Im Finanzhaushalt: Die Verlegung des Skilifts am Winterberg sollte verschoben werden. Hier sind rund 300  000 Euro im Haushalt vorgesehen, von der aber Teilleistungen bereits erbracht wurden. Außerdem sei zu überlegen, ob man einen privaten Betreiber oder einen Verein für den Betrieb des Skiliftes gewinnen könnte, um somit Unterhaltskosten zu sparen.
  • Wohnungssanierung Jahnstraße: Die Sanierung der Wohnung Dachgeschoss Jahnstraße mit einem Volumen von 55  000 Euro sollte verschoben werden.
  • Sanierung Dach Kindergarten: Die Arbeiten mit einem Volumen in Höhe von 42  000 Euro sollte verschoben werden.

Es sei eine bescheidene Situation, stellte Bürgermeister Jörg Frey fest. Aber das gehe schließlich nahezu jeder Kommune und jedem Unternehmer so. „Wir sollten Achtung vor der Situation haben, aber jetzt nicht in hektischen Aktionismus verfallen.“

Radikale Kürzungen als falscher Weg

Radikal zu kürzen, sei der falsche Weg. Aufgabe der Kommunen sei es schließlich auch, antizyklisch zu investieren. An großen Projekten stünden aktuell die Schul-Sanierung, die Kanalsanierung in der Triberger Straße und die Umgestaltung des Ortseinganges beim Mühlenweiher an.

„Stechen in ein Wespennest“

Die vorgeschlagenen Sparmaßnahmen seien angebracht, unpopulär seien sicher die Streichungen bei Skilift und Schwimmbad. „Da müssen wir vorsichtig sein, da stechen wir in ein Wespennest“, warnte Frey.

Zum Schwimmbad führte er aus, dass man noch gar nicht wisse, ob und wann das Freibad öffnen dürfe. „Und wenn, dann sicherlich nur mit ­Hygiene-Konzept – da müssen wir schauen, ob wir das überhaupt umsetzen können.“

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