Die Geschichte der Schönwälder Schuhmacher-Familie begann im 19. Jahrhundert. Bereits in den 1880er Jahren hatte Schuhmachermeister Richard Neininger in der Hauptstraße 13 in Schönwald Schuhe hergestellt und verkauft. Die Witwe Fridoline heiratete nach seinem Tod Cornel Hettich, den Großvater des jetzigen Seniorchefs. Der stammte aus Schonach und war ebenfalls Schuhmacher. So konnte das Geschäft weiter betrieben werden. Doch auch Cornel Hettich verstarb früh.

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Fridoline Hettich musste ab Juli l893 allein für sich und ihre drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn, sorgen. Ihren Lebensunterhalt bestritt sie mit einem kleinen Schuhhandel und betrieb noch etwas Landwirtschaft. Dies war die eigentliche Geburtsstunde des Schuhhauses. Sohn August Hettich übernahm nach seinem Dienst im Ersten Weltkrieg das Anwesen mit Schuhmacherwerkstatt und Schuhverkauf. Als Verkaufsraum diente zu dieser Zeit die große Wohnstube der Familie.

Cornel wird zur Marke

Im Jahr 1937 baute August Hettich einen kleinen Laden mit zwei Schaufenstern, den er neben seiner gut frequentierten Schuhmacherwerkstatt mit seiner Frau Lea betrieb. Aus dieser Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor, der wie der Großvater den Namen Cornel erhielt, da das Geschäft mit Werkstatt unter dem Namen „s‘Cornelis“ bereits bestens bekannt war und bis heute geblieben ist. Cornel Hettich legte 1953 die Meisterprüfung ab und übernahm das elterliche Geschäft. 1954 schloss er die Ehe mit Brunhilde Haas aus Schonach. Gemeinsam wurde das erfolgreiche elterliche Geschäft nun weitergeführt.

Anbau und Sanierung

Da der Verkauf immer mehr in den Vordergrund trat, die Auswahl größer wurde und somit die Räumlichkeiten bald zu klein waren, entschloss sich das Ehepaar Hettich 1960 einen Ladenanbau vorzunehmen. Dieser trug wesentlich zur Entwicklung des Schuhfachgeschäfts bei. Da das ursprüngliche Haus schon über 300 Jahre alt und eine weitere Vergrößerung schlecht möglich war, entschloss sich Cornel Hettich im Jahre 1978/1979, das Gebäude grundlegend zu sanieren und ein modernes Schuhgeschäft nebst Wohnungen zu bauen.

Das Schönwälder Stammhaus bleibt den Kunden noch etwas länger erhalten.
Das Schönwälder Stammhaus bleibt den Kunden noch etwas länger erhalten. | Bild: Christel Börsig-Kienzler

Nachdem sich Tochter Gudrun und Schwiegersohn Manfred Fehrenbach entschieden hatten, das Geschäft weiterzuführen, eröffnete das in Schönwald alteingesessene Schuhhaus Hettich im Jahr 1987 eine Filiale in den Räumen des ehemaligen Lebensmittelgeschäfts Strobel in der Hauptstraße 5 in Schonach. Die Eheleute Hettich und Fehrenbach wurden in den Anfangsjahren tatkräftig von Ella Haist unterstützt, später von Renate Hund, die sicher vielen Kunden noch in Erinnerung ist. Vor annähernd 20 Jahren hat diese Aufgabe Margot Kienzler übernommen.

Wehmut und Dankbarkeit

Nach 33 ereignisreichen Jahren schließt das Schuhhaus Hettich nun seine Filiale in Schonach. Inhaber Manfred Fehrenbach (69) und seine Frau Gudrun (65) sind eigentlich längst im Rentenalter und planen sukzessiv ihren Ruhestand. „Rückblickend ist die Schließung des Geschäfts in Schonach auch mit Wehmut und Dankbarkeit gegenüber der treuen Kundschaft verbunden“, empfinden sie. Sie wollen den Laden in Schönwald „noch einige Zeit weiterführen“, solange es ihre Gesundheit zulässt.

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Fehrenbachs freuen sich, wie sie betonen, ihre langjährigen Schonacher Kunden im Stammhaus weiterhin beraten und bedienen zu können. Da allerdings keiner ihrer drei Söhne Interesse an einer Geschäftsübernahme hat und die Suche nach einem externen Nachfolger ebenfalls erfolglos blieb, dürfte das traditionsreiche Schuhgeschäft der Gemeinde Schönwald auch nicht mehr allzu lange erhalten bleiben.