Bei guter Gesundheit konnte Willi Schneider kürzlich seinen 95. Geburtstag feiern. Als er am 10. September 1923 geboren wurde, sah die Welt noch ganz anders aus als heute.

Begeistert erzählt der Senior-Chef der Turmuhren-Fabrik aus seiner Kindheit, als es noch keine Durchgangsstraße von Triberg nach Schonach gab. Der Weg, der am damaligen Gasthaus "Ochsen" vorbei führte, wurde jeden Tag mehrmals von den Pferden der Gaststätte überquert, die auf der anderen Straßenseite ihren Durst am Brunnen stillten. Passieren konnte dabei nichts, denn es gab in Schonach damals nur drei Autos, wie er versichert. „Der Ochsen-Wirt holte die Gäste am Bahnhof in Triberg mit der Pferdekutsche ab, Busse und Taxis gab es auch noch nicht“, erzählt der Jubilar.

Sehr stolz ist er auf seinen Urgroßvater Benedikt, der 1828 geboren wurde und in Schonach 1862 die berühmte Turmuhren-Fabrik Schneider und Söhne gründete. Der gebürtige Triberger, der 1853 die Schonacherin Kreszentia Kammerer geheiratet hatte, fing zunächst mit einem kleinen Betrieb in der Friedensstraße an. Er stellte Turmuhren für Kirchen und Hauptuhren zur Steuerung von Nebenuhren her sowie Signalgeräte für Schulen und Bahnhöfe. Dabei verwendete er eine neue Methode, die er selbst erfunden hatte und die bahnbrechend wurde. Durch seine Erfindungen wurde Benedikt Schneider sogar Großherzoglicher Hoflieferant. Nach dem Tod des Firmengründers im Jahre 1892 führten seine Söhne und später die Enkel den Betrieb im heutigen Gebäude an der Triberger Straße weiter. „Sie konnten dadurch auch die Wasserkraft des Mühleweihers nutzen“, freut sich Willi Schneider.

Gerlernter Werkzeugmacher

Willi Schneider wuchs im Kreis von fünf Kindern auf und lernte nach der Schulzeit zunächst Werkzeugmacher in der benachbarten Firma Burger. Danach durfte er die Ingenieurschule in Konstanz besuchen. Sein Vater Wilhelm Schneider starb schon 1931. Mit 18 Jahren musste der Jugendliche in den Krieg ziehen, doch vom Kampf bekam er nicht viel mit. „Ich war der studierte Ingenieur und deshalb zuerst in Berlin und dann in Cannes stationiert, um Landkarten zu zeichnen und eine Seilbahn nach Bozen zu planen“, berichtet der Jubilar.

Als der Krieg zu Ende war, übernahm er mit seinem Bruder Bruno die Familienfirma Schneider Turmuhren und Glockentechnik. Bald lernte der junge Fabrikant die Schonacherin Mafalda Herr kennen und lieben. Am 21. Juni 1950 läuteten vom Turm der Pfarrkirche die Hochzeitsglocken für das Brautpaar. Eine Tochter und zwei Söhne gingen aus der Ehe hervor. Zum 95. Geburtstag konnten ihm auch noch vier Enkel und drei Urenkel gratulieren. Doch seine Ehefrau Mafalda ist vor vier Jahren gestorben.

Beruflich hat der Firmenchef sehr viel erreicht. Mit originellen Erfindungen trat er in die Fußstapfen seines genialen Urgroßvaters. „Im Jahre 1975 habe ich die planetarische Weltzeituhr erfunden“, verrät Willi Schneider stolz. Er habe dafür das Patent bekommen, und bis nach Saudi-Arabien wurde die Weltzeituhr geliefert. Sein Erstlingswerk steht heute in St. Georgen im Forum am Bahnhof, wo das technische Wunderwerk von den Besuchern bestaunt werden kann.

Die planetarische Weltzeituhr ist ein hervorragend gelungenes Demonstrations-Objekt, das auf anschauliche Weise die sich ständig verändernde Position der Erde zur Sonne darstellt. Die Bewegung des Globus und seine Bestrahlung durch die Sonne wird in jeder Minute naturgetreu simuliert. Dieses technische Meisterwerk erregte zum ersten Mal großes Aufsehen im Jahre 1975 auf der Bundesgartenschau in Mannheim.