Obwohl Irmgard Dold ihr ganzes Leben lang in Schonach wohnte, trauern nicht nur ihre beiden Kinder und die vier Enkelsöhne um sie, sondern auch die ganze Region ringsum. Denn sie arbeitete nicht nur als freie Hebamme in Schonach, Rohrhardsberg und Rensberg, sondern sie war später auch viele Jahre in den Krankenhäusern von Triberg und Furtwangen tätig.

Hebamme war ihr absoluter Traumberuf

Insgesamt hat sie rund 4000 Mal Müttern bei der Entbindung ihrer Kinder geholfen. Obwohl die Geburtshilfe in früheren Jahren mit sehr viel Einsatz und Arbeit verbunden war, ist Hebamme ihr absoluter Traumberuf geworden, wie sie selbst immer wieder versicherte.

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Hartes Leben für ein kleines Mädchen

Als Irmgard Dold 1931 geboren wurde, ging das kleine Mädchen einer schwierigen Zeit entgegen. Als es zwei Jahre alt war, starb seine Mutter, und der Vater heiratete wieder. Ab dem zehnten Lebensjahr wurde Irmgard Dold nacheinander auf verschiedenen Bauernhöfen als Hirtenmädchen untergebracht, wie das damals üblich war. Denn bei den Bauern mussten die Kinder in den Kriegsjahren wenigstens nicht hungern.

Mit 14 Jahren zur Arbeit in die Fabrik geschickt

Nach der Volksschule fing die Vierzehnjährige an, in der Fabrik zu arbeiten. Eine Lehre oder eine Ausbildung war für Mädchen damals ausgeschlossen.

Nach der Heirat zunächst keine eigene Wohnung

Später lernte die junge Frau in der Firma den „Emil vom Dominihof“ kennen. Er war aber nicht mit ihr verwandt, obwohl er den gleichen Familiennamen trug. Erst 1949 war der junge Soldat krank und geschwächt aus der russischen Kriegsgefangenschaft nach Hause gekommen. Im Jahre 1954 heiratete das Liebespaar, obwohl die beiden keine Wohnung bekamen. Daher wohnten sie zunächst in der Hirtenbubenkammer vom Dominihof auf der Mittleren Grub.

Nach der Geburt ihrer Kinder wurde sie Hebamme

Das Ehepaar bekam zwei Kinder. Als Tochter Johanna und Sohn Christoph etwas größer waren, ließ sich die Mutter zur Hebamme ausbilden. Sie wurde dann auch berufstätig und war viele Jahre die einzige Hebamme im Dorf ohne jede Vertretung.

Immer da für die Schwangeren und Gebärenden

Bei Wind und Wetter und auch bei Nacht und Nebel fuhr sie mit dem Fahrrad oder mit den Skiern auf die einsamen Höfe, wo sie oft 20 Stunden oder länger warten musste, bis die Entbindung vorbei war.

43 Mark Lohn pro Geburt

Für jede Geburt, die mit vielen Vorsorgebesuchen und zwei Wochen Nachsorge verbunden war, konnte die freie Hebamme bei der Krankenkasse 43 Mark (rund 21,50 Euro) in bar abholen. Erst in den 1980er Jahren gab es bessere Arbeitsbedingungen und auch Lohnerhöhungen. Mit 72 Jahren ging die eifrige Hebamme nach 45 Berufsjahren in den Ruhestand.

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Vor sechs Jahren konnte sie mit ihrem Ehemann noch die diamantene Hochzeit feiern, doch ein Jahr später wurde sie bereits Witwe. Seit einiger Zeit war sie schon ein wenig gebrechlich, wie von ihrer Tochter Johanna Burger zu erfahren ist. Nach kurzer Krankheit ist sie nun am 9. Februar verstorben. Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbestattung ist am Mittwoch, 19. Februar, um 14 Uhr auf dem Bergfriedhof.