Am Misereor-Sonntag gab es auch in der Seelsorgeeinheit Maria in der Tanne wieder eine Veranstaltung. Der Eine-Welt-Kreis Effata und die Musikgruppe Kairos luden ins Pfarrzentrum Schonach ein. Im Foyer bot der Eine-Welt-Kreis erneut verschiedene fair gehandelte Lebensmittel und Kunsthandwerk aus Asien, Afrika und Lateinamerika an. Derweil werkelte die Gruppe Kairos schon kräftig in der Küche. Denn zum Mittagessen sollte es ein vielfältiges Buffet mit türkischen Spezialitäten geben.

Bevor es jedoch soweit war, gab es von der Amnesty International (AI), Gruppe 1061 Furtwangen, zum hochaktuellen Thema Türkei einen Vortrag. Zur Einleitung stellte Katrin Kimmig die Gruppe aus Furtwangen vor, die aus aktuell zehn Aktiven besteht und 1972 gegründet wurde, und Hans Kienzler erklärte die Hintergründe der 1961 gegründeten NGO (Non Government Organisation).

Die Referenten der AI-Gruppe Furtwangen (von links): Hans Kienzler, Katrin Kimmig, Gerhard Mengesdorf.
Die Referenten der AI-Gruppe Furtwangen (von links): Hans Kienzler, Katrin Kimmig, Gerhard Mengesdorf. | Bild: Claudius Eberl

Gerhard Mengesdorf ging auf das eigentliche Vortragsthema ein, die aktuelle Situation in der Türkei. Mitte 2016 versuchten Teile des Militärs die Regierung zu stürzen, der Putsch scheiterte, zog aber weitreichende Folgen nach sich. Der Putsch lasse viele Fragen offen, so Mengesdorf: Wer putschte denn da eigentlich, wurde der Putsch verraten, wusste die Regierung schon vorher von den Plänen? Bis heute lehnt die türkische Regierung unter Recep Erdogan eine Untersuchung der Vorgänge ab.

Amnesty International, so betonte Mengesdorf, verurteilte den Umsturzversuch, bei dem knapp 250 Menschen ums Leben kamen, mahnte aber auch eine rechtsstaatliche Untersuchung der Vorgänge an. Die blieb aus, die Folgen des Putsches aber waren massiv. Der Ausnahmezustand wurde verhängt und ist bis heute gültig, die europäische Menschenrechtskonvention ist außer Kraft, 130 000 Personen wurden aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Mengensdorf ging hier auf einige Beispiele ein, etwa des türkischen AI-Chefs Tanner Kilic, verschiedener Journalisten, Rechtsanwälte, Schriftsteller, Oppositionspolitiker, aber auch kleiner Leute aus dem Volk. Er wies auch darauf hin, dass man Gäste aus der Türkei habe, Menschen, darunter auch zwei Ärzte, die vor den Repressalien fliehen mussten.

Die türkischen Gäste wollten allerdings nicht namentlich genannt werden, da sie selbst hier in Deutschland Angst vor möglichen Folgen öffentlicher Auftritte haben. Mengesdorf erklärte, dass die türkischen Gäste aber gerne auch für Gespräche bereitstünden. Nach dem rund einstündigen Vortrag der Furtwanger AI-Gruppe dankte Daniela Schneider vom Eine-Welt-Kreis Effata ihnen für den Besuch und die umfangreichen Informationen. Sie informierte zudem die knapp 40 Zuhörer, dass die Spenden für das Mittagessen – die Zutaten hatte wieder die Kirchengemeinde gesponsert – komplett an Amnesty International gehen würden.

Dann war es Zeit für die türkischen Spezialitäten: Rote-Linsen-Suppe, Kichererbsensalat, Bulgurklößchen, panierten Sellerie, knusprige Auberginen und als Dessert Apfel-Zimt-Hörnchen oder saftigen Griesskuchen und natürlich türkischen Kaffee.