Schonach – Die neunte Klasse der Dom-Clemente-Schule hat in den vergangenen drei Jahren nicht nur an ihrem Abschluss gearbeitet. Sie hat auch eine Erfahrung gemacht, an der alle Beteiligten gewachsen sind, und wurde dafür mit dem Sonderpreis der Schonacher Industrie ausgezeichnet.

Zum Beginn ihres siebten Schuljahres erhielt die Klasse Zuwachs. Frederick Mutz aus Unterkirnach, der bis dahin eine schwierig geprägte Schulzeit hinter sich hatte, stieß zur Gruppe von Klassenlehrerin Vera von Stemm. Bei Frederick wurde in der dritten Klasse Autismus diagnostiziert, er muss mit dem Asperger-Syndrom zurecht kommen. Heute braucht Frederick keinen Kapuzenpulli, keine Sonnenbrille und keine Ohrstöpsel mehr, um sich abzuschotten. Seine Mitschüler ließen sich davon nicht irritieren und nahmen ihn in die kleine Klassengemeinschaft auf.

„Klar war das manchmal anstrengend“, meinte Klassensprecher Denis Zolnai, „aber das waren andere auch.“ Selbstverständlichkeit und Verständnis trugen maßgeblich zum Erfolg bei. „Für Frederick sind alle Situationen ständig neu“, erklärte Schulsozialarbeiterin Lisa Bader, die die Schulbegleitung in der Nachfolge von Sonja Storz für Frederick leistete. Seine veränderte Wahrnehmung, die Schwierigkeit, das Wichtige aus einer Geräuschkulisse herauszufiltern, und sein Problem, Emotionen, Gesten und Mimik zu interpretieren, gelten als ein seelisches Handycap und beeinträchtigen seinen Alltag. Lisa Bader gab Hilfestellung beim richtigen Einordnen der Signale und übersetzte für ihn. „Es ist keine Inklusion“, betonte sie, Frederick lernte selbstständig nach dem regulären Bildungsplan, wie seine Mitschüler.

Er selbst sieht die großen Fortschritte, die er in den vergangenen drei Schuljahren gemacht hat und findet, dass er die Grundemotionen nun ganz gut einschätzen kann. Natürlich führte die Beeinträchtigung durch das Asperger-Syndrom zu Missverständnissen und Verzögerungen, aber offenbar fanden Lehrer, Schulbegleitung und die Mitschüler einen Weg, damit ganz selbstverständlich umzugehen.

„Es war aufwendig, aber es hat sich gelohnt“, kommentierte Vera von Stemm. Sie selbst investierte viel Freizeit in Gespräche und Termine, die zusätzlich erforderlich waren. Die positive Entwicklung jedoch bestärkte alle Beteiligten. Schulische Veranstaltungen in der Aula mied Frederick anfangs komplett. Zuletzt allerdings, schaffte er es mit dem gewaltigen Lärmpegel in der Aula umzugehen, nannte Vera von Stemm ein Beispiel. Und auch bei der Abschlussfeier bewegte sich Frederick souverän durchs Getümmel und genoss den Abend.

Für seine Eltern Anja und Gunnar Mutz ging ein Wunsch in Erfüllung, der Hauptschulabschluss des Sohnes. Nachdem die Familie in der Grundschulzeit in Nordrhein-Westfalen Ausgrenzung erleben musste und auch der erste Anlauf in Baden-Württemberg mit Mobbing endete, sind sie restlos glücklich, an der Dom-Clemente-Schule individuelle Hilfe erfahren zu haben und in einem ganzen Netzwerk gut aufgehoben zu sein.

Mit diesem Schritt an die Öffentlichkeit wollen Anja und Gunnar Mutz anderen betroffenen Eltern Mut machen, Wege zu suchen, damit sich die Kinder innerhalb der Gesellschaft entwickeln können. Frederick wird ab Herbst im Bildungswerk Adolf Aich in Ravensburg seine beruflichen Talente und Interessen ausloten. „Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft so etwas nicht mit Medikamenten unterdrückt, sondern sich damit auseinandersetzt“, erklärte Frederick Mutz im Gespräch mit unserer Zeitung.