Klaus und Ursula Kienzler, die Senioren des Schonacher Backhäusles, feierten in der Schönwälder St. Antonius-Kirche ihre goldene Hochzeit. Schon zwei Tage zuvor war Bürgermeister Jörg Frey zum Gratulieren im Schonacher Untertal, da die standesamtliche Trauung früher war.

Von Schönwald nach Triberg

Mit Schönwald ist Ursula Kienzler, geborene Bohnet, zeitlebens verbunden. „Hier wurde ich am 14. Juli 1946 geboren, in der Pfarrkirche getauft, hier erlebte ich die Erstkommunion und die Firmung – und seit einem Dutzend Jahren arbeite ich als hauptamtliche Mesnerin“, erzählt sie. In der direkten Nachbarschaft, in der heute das Rathaus steht, ging sie zur Volksschule und danach in die Hauswirtschaftliche Kochschule. Von dort ging es nach Triberg. In der Wasserfallstadt arbeitete Ursula Kienzler von Anfang an als Bäckereiverkäuferin – ohne die Lehre, die sie eigentlich gerne machen wollte.

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Mit 16 Jahren besuchte sie ein großes Musikfest in Schönwald, bei dem auch Klaus Kienzler zu Gast war. „Wir haben uns gesehen und es hat gepasst“, schildert sie. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen.

Hirtebue vom Pauliberg

Klaus Kienzler wurde am 23. August 1943 am Schonacher Pauliberg geboren, beim Wallfahrts-Bur, wie er erzählt. Bis zum Weißen Sonntag, den er mit acht Jahren feierte, besuchte er die Volksschule, danach wurde er Hirtebue auf dem Schänzle-Hof am Rohrhardsberg. Daher ging er bis zur achten Klasse in die Hirtebuebe-Schuel in Rohrhardsberg.

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Im Januar 1957 kehrte er heim zu den Eltern, ein halbes Jahr später begann er seine Lehre bei der Bäckerei Fleig in seinem Heimatdorf. 1961 wurde er Geselle und arbeitete zunächst einige Zeit in Freiburg, danach in Villingen in einer Bäckerei.

Bundeswehr, Bäckerei, Abendschule

Dann rief der Staat: Grundwehrdienst. Nach der Bundeswehr arbeitete er bis 1971 als Bäcker in Villingen in der Bäckerei Waldkircher, bevor er zu seiner Frau zur Bäckerei Geist in Triberg stieß. Denn 1968 machte er in der Abendschule seinen Meister, im Juni 1969 heiratete er seine Ursula, nachdem sie bereits vier Jahre zusammen gewesen waren und zwei Jahre Verlobungszeit erlebt hatten.

Im Juni 1972 übernahmen sie die Bäckerei Geist, zwei Kinder waren da bereits geboren, bis 1974 zwei weitere dazu kommen sollten. Zu den zwei Mädchen und zwei Jungen gesellte sich 1986 ein weiterer Sohn. Bis 1983 führte das Paar im Pachtverhältnis erfolgreich die Bäckerei in Triberg – dann verkauften die Erben das Haus.

Aus dem ersten Urlaub wird nichts

„Wir sind zu den Eltern gezogen, die mittlerweile im Untertal daheim waren. Im Sommer 1984 wollten wir eigentlich unseren allerersten Urlaub machen, auf den sich vor allem die Kinder sehr freuten“, erzählt das Paar. Doch es sollte anders kommen. Am Tag vor der Abfahrt nach Österreich machte Klaus eine Spritztour mit seinem geliebten Motorrad. Er hatte ein schwerer Unfall, an dem er lange Monate laborierte und der ihn beinahe ein Bein gekostet hätte.

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Kaum genesen, baute das Paar einen Schopf zu einer Bäckerei um, obwohl ihn die Eltern für verrückt erklärten. Im Juni 1985 eröffnete das Paar das Backhäusle, das seit 1994 vom ältesten Sohn Alexander mit dessen Frau Sibylle geführt wird. „Wir helfen aus, wenn wir gebraucht werden, ansonsten machen die Kinder das sehr gut, sie haben dasselbe Qualitätsbewusstsein wie wir“, freut sich Klaus Kienzler.

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Mittlerweile frönen sie lieber den Hobbys, fahren gemeinsam im Porsche – „der einzige Luxus“, den sie sich gönnen. Klaus Kienzler spielt zudem Akkordeon, ist leidenschaftlicher Cego-Spieler und betreut gerne seine sieben Hektar Wald. Ursula spielt gerne mit ihm Karten, Minigolf oder geht gemeinsam mit ihrem Mann spazieren.

Mit vielen Gästen, ihren Kindern und zehn Enkeln ­haben sie ihre Goldene ­Hochzeit auf dem Reinertonishof in Schönwald gefeiert. „Für eine so lange Ehe braucht es Beständigkeit, gegenseitiges Vertrauen und die Bereitschaft, zu vergeben. Und natürlich in erster Linie auch Liebe“, gibt das Jubelpaar anderen Ehepaaren als Rat mit auf den Weg.