Was für ein aufregender Tag für die junge Kombiniererin Anna Jäkle vom Skiteam Schonach-Rohrhardsberg. Am Dienstag startete sie beim Test­ der Nordischen Kombination der Frauen bei der Junioren-Weltmeisterschaft (JWM) im schweizerischen Kandersteg und wurde Zweite. Die Reise zur JWM begann für Anna mit einer knapp vierstündigen Anfahrt schon am Samstag. Nach einer Verschnaufpause am Sonntag absolvierte sie ihre ersten Sprünge auf der Schanze (HS74) am Montagmittag. „Meine Probesprünge waren richtig gut“, analysierte die 14-Jährige. Im Anschluss ging es zum offiziellen Training auf die Loipe, die in unmittelbarer Nähe zur Schanze lag. „Die Strecke ist unglaublich hart und hat viele anspruchsvolle Abfahrten“, stellte sie nach ihren ersten Laufkilometern fest.

Am selben Abend um 18 Uhr wurde die JWM der Nordischen Kombination durch die Eröffnungsfeier offiziell gestartet. Anna Jäkle war dort mit ihren deutschen Teamkameradinnen Jenny Nowak (SC Sohland), Marie Nähring (SK Winterberg) und Sophia Maurus (TSV Buchenberg). Am Dienstag war es soweit: Der Test der Nordischen Kombination stand auf dem Programm. Zur Unterstützung ist extra eine Delegation aus Schonach angereist, um Anna Jäkle bei dieser Premiere zur Seite zu stehen. Marius Kaiser, Benita Hansmann, Heidi Spitz und die Eltern Martina und Hansjörg Jäkle konnten miterleben, was es heißt bei einer JWM starten zu dürfen. Vor allem Papa Hansjörg Jäkle, der frühere Spezialspringer und Olympiasieger im Team 1994, gab seiner Tochter letzte Tipps vor dem Wettkampf.

Von Rang vier auf zwei: Anna Jäkle vom Skiteam Schonach-Rohrhardsberg. <sup></sup><em>Bild: Romina Eggert</em>
Von Rang vier auf zwei: Anna Jäkle vom Skiteam Schonach-Rohrhardsberg. Bild: Romina Eggert

Um 12 Uhr startete die Premiere mit einem Probedurchgang, der für Anna noch durchwachsen lief. Mit ihren 59 Metern landete sie nur im Mittelfeld, was aber kein Problem war, denn der Wertungsdurchgang stand noch bevor. Das 35-köpfige internationale Starterfeld zeigte anschauliche Sprünge. Aber auch Jäkle, die mit ihrem Geburtsjahrgang 2003 zu den jüngsten im Feld gehörte, zeigte einen hervorragenden Sprung. Im Gegensatz zum Probesprung steigerte sie sich vor den Augen der Schonacher Delegation um 10,5 Meter auf 69,5 Meter. Dies bedeutete zwischenzeitlich für sie: Rang eins und ein Platz in der Leadersbox, wo die ersten Fotografen auf sie warteten. Nur die sprungstarken Ayane Miyazaki (Japan), Lisa Hirner (Österreich) und Jenny Nowak aus dem eigenen Lager zeigten einen noch weiteren Satz als Anna Jäkle.

„Unglaublich, wo sie diesen Sprung wieder hergeholt hat. Ich weiß gar nicht, wie sie das immer macht“, staunt Mama Martina Jäkle. Mit 38 Sekunden auf die Spitze und vier Sekunden auf Platz drei startete die junge Kombiniererin auf die 1,66 Kilometer Loipe, die sie dreimal zu bewältigen hatte. Schon in der ersten Runde verkürzte sie den Abstand auf Platz zwei und drei. Durch ihre ausgezeichneten alpinen Fähigkeiten meisterte Jäkle die rasanten Abfahren so gut, dass sie ihre vorderen Konkurrentinnen aus Japan und Österreich einholen und in einer engen Kurve sogar überholen konnte. Zwischenzeitlich Rang zwei. Nur noch ihre Kolleginnen aus dem eigenen Lager wurden für Anna Jäkle gefährlich. Marie Nähring stürmte von Startplatz neun in der letzten Runde an Jäkle vorbei. Doch kurz vor dem Ziel bog Nähring falsch ab und wurde disqualifiziert. Die Bahn war frei für Anna Jäkle, die sich nur der 15-jährigen Jenny Nowak geschlagen geben musste. Die Sächsin landete einen Start-Ziel-Sieg in Kandersteg.

„Damit hätte ich gar nicht gerechnet, dass ich Zweite werde“, sagt Anna und schaut fassungslos zu ihren stolzen Eltern. Direkt nach dem Rennen, gab die Neuntklässlerin ein Interview in sehr gutem Englisch für das Fernsehen. Es muss ein ungewohntes Gefühl für die Schonacherin gewesen sein, eine solch große mediale Aufmerksamkeit zu bekommen. Im Anschluss gab es im Zielbereich die Flower-Ceremony – umjubelt von der Schonacher Delegation. „Nach einem tollen Sprung hat Anna einen super Lauf hingelegt. Das war einfach stark. Der zweite Platz war schon eine Überraschung“, lobte der baden-württembergische Landestrainer Thomas Krause, der auch vor Ort war.

Zur Unterstützung von Anna Jäkle aus ihrer Heimat angereist sind (von links): Benita Hansmann, Vater Hansjörg und Mutter Martina sowie Marius Kaiser. Nicht im Bild Heidi Spitz. <sup></sup><em>Bild: Skiteam</em>
Zur Unterstützung von Anna Jäkle aus ihrer Heimat angereist sind (von links): Benita Hansmann, Vater Hansjörg und Mutter Martina sowie Marius Kaiser. Nicht im Bild Heidi Spitz. Bild: Skiteam

Über die Facebook-Seite des Skiteams gab es durchweg positive Reaktionen und Glückwünsche. Schonachs Team-Olympiasieger in der Nordische Kombination 1988 Hans-Peter Pohl, geht sogar schon einen Schritt weiter. Er schrieb: „Bravo Anna. Olympia 2022!“. Das scheint gar nicht so abwegig zu sein. „Die Mädels haben sich super präsentiert. Das IOC überlegt sich sogar, diese Wettkampfform bei Olympia aufzunehmen“, so der Vorsitzende des Exekutivkomitees Nordische Kombination der FIS, Horst Hüttel. Hoch erfreut verkündete zudem Bürgermeister Jörg Frey die Nachricht vom zweiten Platz von Anna Jäkle bei der JWM in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Er gratulierte der jungen Schonacherin und ihren Eltern zum grandiosen Erfolg bei der Weltpremiere.

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