Er kommt aus Triberg, sie ist Ur-Schonacherin – und dennoch hatte die Liebe Jürgen und Isolde Zinapold schon vor mehr als 50 Jahren zusammengeführt, in einer Zeit, als die beiden Gemeinden noch sehr auf das Trennende setzten.

Begeisterter Skifahrer

Speziell für Triberger Jungs war es damals nicht immer ungefährlich, sich einem Schonacher Mädel zu nähern. Heute, am Gründonnerstag, feiern die Zinapolds ihre Goldene Hochzeit. „Am Skilift hat’s gefunkt“, erzählt die Ehefrau. Er sei als begeisterter Skifahrer an den Schonacher Winterberg gekommen – „ich hatte da eher Nachholbedarf“, schmunzelte sie.

Heirat auch als Weg zur eigenen Wohnung

Richtig ernst sei es allerdings erst nach einem gemeinsamen Kinobesuch im „Schwanen“ geworden, das sei rund ein Jahr danach gewesen. Es folgte die Verlobung, dann – als Jürgen Zinapold eingezogen wurde – die Heirat auf dem Standesamt. „Da hat die Bundeswehr einiges dafür bezahlt und mehr Geld gab es dann auch“, erzählt der Ehejubilar. Die Heirat sei vor allem deshalb wichtig gewesen, damit man die Chance auf eine Wohnung hatte – vor 50 Jahren hätte ein lediges Paar ganz sicher keine bekommen.

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Stolz auf Enkelinnen

Da das nötige Alter fehlte, mussten sie die Einwilligung der Eltern holen, die Volljährigkeit lag damals noch bei 21 Jahren. Erst im Oktober folgte in der Pfarrkirche St. Urban die kirchliche Heirat. Der erste Sohn, Oliver, kam 1970 zur Welt, 1978 folgte Mike. Drei Enkelinnen, heute alle im Teenie-Alter, sind der Stolz der Großeltern.

Arbeiten beim Fotografen

Nach der Volksschule in Schonach arbeitete Isolde Zinapold, geborene Maier, zunächst zwei Jahre bei der ehemaligen Firma Franz Grießhaber in Schonach, danach drei Jahre beim Fotografen Heinrich Schmieder. „Dann kam das erste Kind, und ich wurde Hausfrau“, schilderte sie ihre ersten Jahre nach der Schule. Eine Ausbildung hielten ihre Eltern damals für unnötig.

"Wahnsinnig gerne" gearbeitet

Nachdem die beiden Kinder „aus dem Gröbsten raus waren“ ging sie wieder ins Fotogeschäft in Schonach, das seinerzeit von Norbert Kessler (Foto Carle) aus Triberg übernommen worden war. Isolde Zinapold fing dann bei Burger Industriewerk an, wo sie bis zur Rente im Jahr 2015 arbeitete. „Ich habe dort wahnsinnig gerne gearbeitet“, plauderte sie.

Von der Lehre bis zur Rente bei der Firma Becker

Jürgen Zinapold lernte nach der Volksschule bei der Firma Becker in Triberg Werkzeugmacher. Bis zu seiner krankheitsbedingten Verrentung im Jahr 2012 war er dort tätig, zuletzt leitete er lange Jahre die Stanzerei. Er hätte gerne bis zum „normalen“ Renteneintrittsalter gearbeitet, allein sein damaliger Gesundheitszustand ließ das nicht zu. „Es war dann nicht ganz einfach, wir hatten erst 2006 unser Haus hier am Mühleberg gekauft“, zeigte er auf.

Noch immer gemeinsame Interessen

Gemeinsames Wandern und die Liebe zum Schonacher Freibad verbinden sie noch immer, dazu fährt Jürgen Zinapold noch immer gerne Ski. Dann hat sie Zeit zum Stricken – seit vielen Jahren strickt sie Socken für die Amsel-Gruppe.

"Klein angefangen"

Heute sind solche Ehejubiläen keine Selbstverständlichkeit mehr, manchmal führen Kleinigkeiten zur frühen Scheidung. „Wir haben klein angefangen und haben uns gemeinsam alles aufgebaut. Wenn irgendetwas war, wurde das im Kreis der Familie besprochen."

Ihr Rezept für eine glückliche Ehe

"Die Familie ist uns heilig und unsere Enkelinnen sind uns sehr wichtig“, betonen beide, wenn sie nach dem Rezept für eine glückliche Ehe gefragt werden. Dabei gebe es sicher nicht nur eitel Sonnenschein, manchmal habe man sich auch gefetzt – aber immer wieder versöhnt. Und das sei das Wichtigste, einen Streit auch begraben zu können.

Für den heutigen Gründonnerstag hat sich Bürgermeister Jörg Frey angekündigt, danach geht es im engsten Familienkreis zum Essen, erzählen die Ehejubilare abschließend.