Zu einer Info-Vorführung hatten die Stuttgarter Architekten Anja Kluge und Ingolf Gössel zum Kienzlerhansenhof, dem einstigen „Gmeishof“, eingeladen. Knapp zwei Dutzend Schönwälder wie auch Gäste von außerhalb des Dorfs hatten sich eingefunden, um sich die gelungene Restaurierung des Hofs anzusehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Geschaffenes zeigen, über das Tun als Neu-Landwirte berichten und zugleich einen Blick in Gegenwart und Zukunft des Hofs zu geben, war das Anliegen der Hofeigentümer. Gekommen waren auch zwei junge Frauen, die laut eigener Aussage in Abwesenheit der Hofeigentümer in Absprache das Vieh versorgen. Viel Lob und Preise habe es für die Restaurierung gegeben, die auch mit Handwerkern aus dem Ort gelungen sei. So erwähnte Gössel den Zimmereibetrieb Holzbau Göppert, der als Spezialist für die Wiederherstellung historischer Gebäude gelte.

Kühe, Schafe und Ziegen werden gehalten

Im Vertrag, den das Architektenpaar damals unterzeichnete, habe ausdrücklich die weitere landwirtschaftliche Nutzung gestanden, was durch die Haltung einer Mutterkuhherde mit acht Hinterwälder Kühen und einem Deckbullen gewährleistet sei. Dazu gebe es eine kleine Schafherde sowie vier Ziegen.

Gleichgewicht zwischen Kultur und Natur als Ziel

Die Wiesenflächen würden nicht gedüngt, lediglich der Festmist werde nach der Heuernte ausgebracht. Der sogenannte „Sommerberg“, der eigentlich aufgrund der vielen Findlinge nicht gemäht werden kann, diene dabei nur als Weidefläche, so Kluge. Die Flächen hätten sich aufgrund der höchst extensiven Nutzung schon sehr gut erholt, seltene Pflanzen hätten sich mittlerweile wieder etabliert. „Wir wollen ein Gleichgewicht haben zwischen Kultur und Natur“, so Gössel.

Es geht um knapp 20 Hektar

Umso mehr habe man sich gewundert, dass die Flächen des Hofs, die dringend zum Erhalt der Landwirtschaft benötigt werden, im Frühjahr plötzlich seitens der Gemeinde zur Verpachtung ausgeschrieben wurden. Dies betrifft eine Fläche von knapp 20 Hektar. Nachdem die Gemeinde vor zwei Jahren das Gelände im Zuge eines Geländetauschs für das Baugebiet an der Sprungschanze noch um etwa fünf Hektar vergleichsweise gut mähbares Land verkleinert habe, benötige man diese Flächen.

Sind Zuschüsse der Grund?

Laut einem Spezialisten aus dem Zuchtverband könnte es möglich sein, dass zwei Nachbarn im Zuge von Baumaßnahmen für Stallneubauten mehr Flächen ausweisen müssten, um dazu Zuschüsse zu erhalten. „Es kann einfach nicht sein, dass die, die viel haben, noch mehr bekommen, und Kleinere dabei platt gemacht werden“, ärgern sich die Hofeigentümer.

Besucher sollten Hof-Eigentümer unterstützen

Im Zuge der Führung baten sie denn auch darum, dass die Besucher kleine Karten ausfüllen sollten, in denen diese Bürgermeister und Gemeinderat aufs Dringlichste ersuchen, von einer anderweitigen Verpachtung des Geländes abzusehen, um den Hof als Kulturgut zu erhalten – was diese zumindest in großer Zahl auch taten.

Das könnte Sie auch interessieren

Stets nur befristet verpachtet

Seitens der Gemeinde gab Bürgermeister Christian Wörpel auf Nachfrage eine Stellungnahme ab: „Zunächst möchte die Gemeinde nochmals positiv anerkennen, wie der verkaufte Hof saniert wurde. Als der Hof durch die Verwaltung zum Verkauf angeboten wurde, wurde deutlich kommuniziert, dass die dazugehörigen landwirtschaftlichen Flächen nicht mit verkauft werden. Im Kaufvertrag ist daher auch nichts dazu vereinbart. Stattdessen wurden die landwirtschaftlichen Flächen stets befristet verpachtet.“

Pachtvertrag läuft zum Ende des Jahres aus

Weiter heißt es: „Die Gemeinde Schönwald bestätigt, dass der Pachtvertrag mit Frau Kluge, wohnhaft in Stuttgart, nicht erneut verlängert wird und damit zum Ende des Jahres definitiv ausläuft. Ab dem kommenden Jahr werden diese gemeindeeigenen Flächen an mehrere, andere örtlich verwurzelte landwirtschaftliche Betriebe verpachtet.“

Gemeinde ist „nicht einverstanden mit der Betriebsführung“

„Die Entscheidung der Nichtverlängerung an die bisherige Pächterin resultiert aus diversen Vorfällen und Ereignissen. Die Gemeinde Schönwald zeigt sich nicht einverstanden mit der Betriebsführung und dem allgemeinen Umgang der Pächterin respektive des Betriebs“, so Wörpel.

„Sehr irritierend“ und „untragbar“

„Die öffentliche Darstellung des Betriebs nach außen ist für die Gemeinde Schönwald sehr irritierend. Denn die Art und Weise des Verhaltens, welches Frau Kluge und Herr Gössel auch gegenüber der Gemeinde als Eigentümerin der Flächen an den Tag legen, ist untragbar. Aufgrund der schwerwiegenden Vorkommnisse sieht die Gemeinde keine andere Möglichkeit“, äußert sich Bürgermeister Christian Wörpel.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €