Betreutes Wohnen, Tagespflege und vollstationäre Pflegeeinrichtungen bieten Senioren optimale Wohnformen für individuellen Unterstützungsbedarf. In Schönwald wird mit dem Haus „Belle Flair“ jetzt eine Einrichtung eröffnet, die diese unterschiedlichen, sich ergänzenden Wohn- und Pflegekonzepte unter einem Dach vereint. Betrieben wird das Haus künftig von zwei Pflegeeinrichtungen aus der Region.

Der erste Eindruck, wenn man sich dem Areal in der Anton-Bruckner-Straße nähert, ist, dass der Name nicht treffender hätte gewählt werden können. Die vierstöckige Architektur fügt sich in die bestehende Wohnbebauung ein. Die teilweise mit Holzelementen versehene Fassade ist einladend, insgesamt erinnert das Erscheinungsbild eher an ein Hotel als an ein Pflegeheim. Der Eindruck setzt sich im Innern fort. Modernes Wohlfühlambiente im rustikal angehauchten Landhausstil statt nüchternem Pflegeheimstandard zieht sich durch alle Gemeinschafts- und Wohnbereiche.

Im zweiten Obergeschoss und im Dachgeschoss sind 15 2,5- bis 4,5-Zimmer-Eigentumswohnungen zwischen 70 und 100 Quadratmetern Wohnfläche mit Zukunftsperspektive entstanden. Hinter der Bezeichnung Service-Wohnen verbirgt sich die Möglichkeit, bei Veränderung des Gesundheitszustands individuell zubuchbare Service- und Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können, beispielsweise Wäscheservice, Essenlieferung oder Haushaltsunterstützung bis hin zu ambulanten Pflegeleistungen in den eigenen vier Wänden. Ein Hausmeisterservice kümmert sich um die Pflege und Reinigung der Immobilie und der Außenanlagen.

Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sind 30 vollstationäre Pflegeplätze entstanden. Die geräumigen Appartements mit ausschließlich Einzelbelegung haben jeweils ein eigenes Badezimmer mit bodentiefer Dusche und Handtuchheizkörper. Außergewöhnlich ist, dass ein Teil der Pflegeappartements sogar eine eigene kleine Terrasse hat. Den künftigen Bewohnern steht nicht nur auf jeder Etage ein Gemeinschaftsbereich mit kleiner Küche zur Verfügung. Im Tagescafé „Dobelblick“ können sich die Bewohner auch mit ihren Gästen zum gemütlichen Kaffee und Kuchen treffen.

Ebenfalls im Erdgeschoss ist die Tagespflege eingerichtet. Bis zu zwölf Personen können hier tagsüber betreut werden. Das Ambiente wurde im modern-rustikalen Landhaustil eingerichtet, inklusive Fußboden in Echtholzoptik.

Betrieben wird „Belle Flair“ im Bereich betreutes Wohnen und stationäre Pflege von der Evangelischen Altenhilfe St. Georgen. Der Bereich Tagespflege wird von der Sozialstation St. Marien Triberg und Raumschaft übernommen. Anders als die Evangelische Altenhilfe, die einen Pachtvertrag über einen Zeitraum von 25 Jahren abgeschlossen hat, ist die Sozialstation St. Marien Eigentümerin des Bereichs Tagespflege.

Das Projekt Belle Flair ist in mehrfacher Hinsicht ein herausragendes Projekt. Wie der Geschäftsführer der Evangelischen Altenhilfe St. Georgen, Markus Schrieder, sagt, gebe es in der weiteren Region kein vergleichbares Konzept, das die unterschiedlichen Wohnformen unter einem Dach vereint. Ulrich Bolg, Geschäftsführer der ausführenden Firma für Planung und Bau, ergänzte, dass so ein Projekt für eine Gemeinde von der Größe Schönwald nicht selbstverständlich sei. Die meisten Bauträger würden so ein Projekt erst in Gemeinden ab 10¦000 Einwohnern realisieren. Bolg ist jedoch zuversichtlich, dass die Nachfrage auch hier groß sein wird. Der Großteil der Eigentumswohnungen sei inzwischen verkauft und für die Plätze zur Vollzeitpflege gebe es bereits Nachfragen, auch aus der Raumschaft.

Wie Schrieder betont, bestehe bei der Belegung kein Zeitdruck. „Wir werden zu Beginn mit sechs bis sieben Bewohnern starten und das Haus dann langsam füllen.“ Solch ein Projekt sei auch für die evangelische Altenhilfe, die in St. Georgen zwei Pflegeeinrichtungen und eine Sozialstation betreibt, Neuland. (spr)

Projekt mit langer Geschichte

Das Haus „Belle Flair“ von außen. Die teilweise mit Holzelementen versehene Fassade sieht einladend aus und erinnert eher an ein Hotel als an ein Pflegeheim. <em>Bild: <br />Bolg Architekten</em>
Das Haus „Belle Flair“ von außen. Die teilweise mit Holzelementen versehene Fassade sieht einladend aus und erinnert eher an ein Hotel als an ein Pflegeheim. Bild:
Bolg Architekten

Das Pflegeprojekt „Belle Flair“ hat eine lange Entstehungsgeschichte. Bereits 2007 gab es Pläne des französischen Investors Korian, einer der Marktführer im Betrieb von Alten- und Pflegeheimen, das ehemalige Hotel „Bäuerle“ in der Anton-Bruckner-Straße, das von 1993 bis 2006 von der Arbeiterwohlfahrt als Mutter-Kind-Reha-Klinik für krebskranke Kinder genutzt wurde, zu einem Pflegeheim umzubauen.

Zunächst sollte der vordere Teil des Hauses erhalten bleiben. Das Projekt geriet mehrfach ins Stocken. Ab 2014 nahm das Projekt mit dem neuen Investor Ulrich Bolg aus Neckarsulm neue Fahrt auf. Anstelle der zunächst beabsichtigten teilweisen Nutzung des bestehenden Gebäudes wurde aufgrund der maroden Bausubstanz ein kompletter Neubau geplant.

Der Gemeinderat billigte das Vorhaben im Jahr 2015, auch weil Schönwald bis dato in der Seniorenbetreuung mit barrierefreien Wohnangeboten und im Pflegebereich unterversorgt war. Das Vorhaben stieß bei der Schönwälder Bevölkerung zunächst aber auf Gegenwehr, unter anderem auch deshalb, weil für das Vorhaben Wald abgeholzt werden musste, um den Abstand zu dem neuen und größeren Gebäude einhalten zu können. Auch die Park- und Anfahrsituation des am Hang gelegenen Baus sorgte in der Anfangsphase für einige Bedenken.

2016 wurde schließlich mit dem Bau begonnen. Aus der geplanten Fertigstellung im Sommer 2020 wurde nichts, unter anderem wegen eines Baustopps nach dem Wechsel des Rohbauunternehmens. Erst im September 2019 konnte Richtfest gefeiert werden. Zuletzt verzögerten auch noch die Corona-Pandemie und zwei lange und strenge Winter die Fertigstellung.

Umso erleichterter und erfreuter sind Investor, Bürgermeister Wörpel und nicht zuletzt natürlich auch die künftigen Betreiber, die Evangelische Altenhilfe St. Georgen für die stationäre Pflege und das betreute Wohnen und die Sozialstation St. Marien Triberg für den Bereich Tagespflege, dass in Kürze die ersten Bewohner für das betreute Wohnen und die stationäre Pflege einziehen und die Tagespflege ihren Betrieb aufnehmen und das Haus somit mit Leben füllen werden. (spr)