Sehr gut angenommen wurde der beliebte Heimatabend auf dem Reinertonishof. In der Scheuer des wieder aufgebauten Hofs zeigte der Heimatverein Schönwald den rund 40 Gästen Trachten, Tänze und Handwerkskünste vergangener Zeiten. „Barbara spinnt“ – dieser kurze Satz des Vorsitzenden Alexander Zimmermann sorgte für Heiterkeit. Dabei war es völlig richtig, denn Barbara Gehring saß am Spinnrad und spann tatsächlich, nämlich Wolle zu Fäden. Gezeigt wurde aber nicht nur das Spinnen selbst, sondern auch die vielen Nebentätigkeiten. Denn so einfach wird aus einem Vlies kein Faden, der zum Stricken Verwendung findet.

Arbeitsreiches Leben

Dass auch das Strohflechten – vormals eine Verdienstmöglichkeit für Familien in der Raumschaft, die vom Vertreter der vorderösterreichischen Obrigkeit per Dekret eingeführt wurde – nicht einfach nur bedeutet, dass man Stroh in die Hand nimmt und zu flechten beginnt, wurde den vielen Besuchern ebenfalls nahegebracht.

Gradmesser für Wohlstand

„Der Strohzylinder wie auch der Rest der Tracht zeigen viele Dinge an“, klärte Christine Zimmermann auf. Zum einen den mehr oder weniger großen Wohlstand des Ehemanns, aber auch die Religionszugehörigkeit – die katholische Tracht ist farbenfroher – oder den Familienstand. Letzteres findet sich heute noch in der Redewendung „die Frau ist unter der Haube“ wieder. Was sie nicht anzeige, sei eine Schwangerschaft. „Der Rock ist sehr weit und wird durch eine Schleife gehalten, kann also wachsendem Leibesumfang angepasst werden“, erklärte Agnes Biesemann, die zudem die kleinen Unterschiede zur Furtwanger Tracht herausstellte. Eine wichtige Tätigkeit der frühen Hausfrau war das Buttern – auch dies wurde von Agnes Biesemann vorgeführt. Sehr zur Freude der Besucher, die am Ende der Veranstaltung ein Butterbrot mit dieser frischen Süßrahm-Butter verkosten durften.

Unterschiedliche Schäppel

Was es mit dem Kopfschmuck Schäppel, wohl abgeleitet von Chapeau, dem französischen Wort für Hut, auf sich hat, wurde ebenso erwähnt. Die Anwesenden betonten, dass die Herstellung eine schwierige und langwierige Arbeit ist, die rund 150 Stunden umfasse. Der katholische Schäppel sei der Brautkrone Mariens nachempfunden und wurde bis zur Hochzeit von den jungen Mädchen an Sonn- und Feiertagen getragen. Bei den evangelischen Trachten war der teils riesige Schäppel nur Brautkrone.

Dreifach gedeckt, soll ein Schindeldach rund 30 Jahre halten, erklärt Karlheinz Wintermantel.
Dreifach gedeckt, soll ein Schindeldach rund 30 Jahre halten, erklärt Karlheinz Wintermantel. | Bild: Hans-Jürgen Kommert

Karlheinz Wintermantel bewies, dass es früher keine Kleinigkeit war, ein Dach zu decken. Viele schweißtreibende Stunden verbrachte man mit dem Anfertigen der Holzschindeln, die zunächst vom Holzklotz abgeschlagen wurden und am Schindelbock mit dem Ziehmesser zurecht gezogen wurden. Und da ein Dach lange halten sollte, wurde zumeist dreilagig gedeckt. Man brauchte also große Mengen für das Dach eines Schwarzwaldhofs.

Donnernder Applaus

Es wurde auch gesungen und getanzt. Verschiedene Tänze, wie die „Lange Reihe“ oder den Sterntanz, führten die Tänzer vor, die von Ursula Haberstroh und Karin Wintermantel in der Tanzkunst unterrichtet werden. Das Ende markierte ein Tanz zum „Schwarzwaldmädel“. Donnernder Applaus entlohnte die Mitglieder des Vereins.