Denn schon in früheren Jahrzehnten, vor den Weltkriegen, habe man oberhalb des Hotels „Ochsen“ mit einer Kanone das neue Jahr begrüßt. Die alte Kanone aber sei in den Kriegswirren verlorengegangen und niemals wieder aufgetaucht.

Seither laden die Böllerschützen jeden ans Schönwälder Wirtehäusle ein, der sich von einer oft kurzen Nacht mehr oder weniger erholt hat. Von Beginn des Schießens an stand das Wetter nicht unbedingt auf der Seite der Veranstalter – es war empfindlich kühl und richtig neblig. Dennoch – mehr als 250 Besucher hatten sich um Jagertee, Glühwein, Hefe- und Nusszopf sowie weitere Leckereien versammelt, die die Frauen der Schützen anboten.

Neben dem Vorsitzenden des Schützenvereins, Rudi Schätzle, begrüßte auch Bürgermeister-Stellvertreter Hans-Peter Schwer die vielen Besucher und wünschte ihnen ein gesegnetes Jahr 2019.

Sieben Salven in verschiedenen Taktungen lässt Schussmeister Dietmar Kuner abfeuern – ganz schön anstrengend mit dem schweren Schaftböller, leichter haben es die Männer an den kleinen Kanonen.
Sieben Salven in verschiedenen Taktungen lässt Schussmeister Dietmar Kuner abfeuern – ganz schön anstrengend mit dem schweren Schaftböller, leichter haben es die Männer an den kleinen Kanonen. Bilder: Hans-Jürgen Kommert | Bild: Hans-Jürgen Kommert

Bevor es aber richtig laut wurde, lösten sich zunächst fünf Männer aus den Reihen der Schützen und holten etwas ganz anders hervor: Alphörner. Bruno Baier, der auch für große Teile der Schaftböller zuständig zeichnet, führt nämlich die Gruppe der Alphornbläser, die zum Auftakt ein ausgiebiges Ständchen spielten.

Für all diejenigen, die sich für diese Art des Schießens näher interessierten, war eine kleine Ausstellung vorbereitet, bei der die „Pranger-Stutzen“ oder Schaftböller sowie die Kanonen vorgestellt wurden, die von den Böllerschützen in Eigenarbeit hergestellt werden.

Diese, mit einem Kaliber von 14 bis zu 30 Millimeter ausgestattet, werden alle manuell hergestellt, der Schaft ist reich verziert. „Jeder Schaftböller ist ein Einzelstück, das Gewicht beträgt zwischen 25 und 30 Kilogramm“, war von den Schützen zu erfahren. Selbstverständlich besitzen alle ein Unbedenklichkeitszertifikat, alle paar Jahre müssen diese erneuert werden.

Mit sieben Schaft- und Handböllern sowie vier Kanonen ging es dann in den Landschaftsgarten – die Böllerkameraden voraus, die Zuschauer begeistert hinterher. Auf der feuchten Wiese angekommen, wurde das neue Jahr überaus zünftig begrüßt. Ob nun langsames Einzelböllern oder der Salut zu Ehren des neuen Jahres – alle Gäste waren mehr als nur begeistert – wider Erwarten passierte es eher selten, dass der eine oder andere Schuss nicht fallen wollte.

Die Gäste konnten das Spektakel aus sicherer Entfernung erleben und erfreuten sich an den unglaublich lauten Donnerschlägen, die den Ort und die Umgebung erbeben ließen.

In unterschiedlichen Varianten – unterschiedlicher Reihenfolge der Schussabgabe und variablen Geschwindigkeiten – begrüßten die Schützen das neue Jahr. „Wegen ein- oder zweimal Schießen fangen wir gar nicht an“, begründete der Schussmeister diese Vorgehensweise.

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