Bis zum Jahr 2025 will die Gemeinde Schönwald eine ganze Reihe von maroden Straßen sanieren, soweit es die Haushaltslage zulässt. Das hat der Gemeinderat beschlossen. Festgelegt wurde einstimmig, auch für die Straßensanierung (ab Haushaltsplanung 2019) künftig mehr Mittel zur Verfügung zu stellen – wobei der vorgelegte Zeitplan flexibel ist. Bei der Straßenunterhaltung soll der Sachverstand eines Ingenieurbüros eingeholt und die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen durch Fachfirmen erfolgen, die auch alternative Verfahren anwenden könnten.

Zuvor erfuhren die Mitglieder des Schönwälder Gemeinderats in der Sitzung, dass eine Straße im Durchschnitt je nach Unterbau rund 40 bis 50 Jahre halte. Dazu gebe es mehr oder weniger kosmetische Maßnahmen, um die mögliche Nutzungsdauer zu erhöhen.

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Es gebe viele Gründe, warum der Asphalt-Belag geöffnet werden müsse und dieser daher anfällig für Schlaglöcher werde. Beispiele für den Grund der Straßenschäden sind das Verlegen neuer Infrastruktur wie Gas oder Breitband, aber auch die Winter, sagte Bürgermeister Christian Wörpel.

Er und seine Verwaltung hatten – mangels einer eigenen Abteilung Bauwesen im Rathaus – die Greiner Ingenieure mit Sitz in Donaueschingen beauftragt, die wichtigsten schlechten Straßen zu untersuchen und Maßnahmen anzuregen.

Viel zu wenig investiert

In der Sitzung war der Leiter der Abteilung Tiefbau des Ingenieurbüros anwesend. Volker Röhl hatte sich die wohl schlechtesten Straßen der Gemeinde näher angeschaut und zeigte auf, was man tun könnte, um diesem Zustand entgegenzuwirken.

„Die Gemeinde hat aufgrund fehlender Mittel in den letzten Jahren viel zu wenig Geld in den Erhalt der Straßen gesteckt“, stellte Wörpel fest – er selbst nehme sich nicht aus. Man habe lediglich die Löcher des Winters geflickt, um Geld zu sparen.

Damit solle es jetzt vorbei sein – und bereits im Haushaltsentwurf 2019 solle eine größere Summe für die Verbesserung der Infrastruktur eingestellt werden, versprach der Schultes.

„Sportlicher Zeitplan“

Um hierbei mehr Professionalität zu erreichen, setze die Gemeindeverwaltung auf den Einsatz von Fachfirmen, was auch den Bauhof entlaste. „Wir haben einen zugegebenermaßen sportlichen Zeitplan entwickelt. Ob dieser so umgesetzt werden kann, muss im Rahmen der jährlichen Haushaltsplanungen geprüft und beschlossen werden“, betonte Wörpel.

Röhl zeigte den Mitgliedern des Gemeinderats am Beispiel der Anton-Bruckner-, der Franz-Schubert-, der Bourg-Achard-, der Ludwig-van-Beethoven-, der Matthias-Grünewald-, der Johann-Sebastian-Bach-, der Franz-Schubert- und Wolfgang-Amadeus-Mozart-Straße sowie des Johannes-Kepler-Wegs den jeweiligen Straßenzustand auf.

Weil das Büro auch Bohrproben und Kanalbefahrungen durchgeführt hatte, konnte Röhl auch auf den Zustand des Unterbaues sowie der Kanalisation und – nach Rücksprache mit der aquavilla – auch der Wasserleitungen reflektieren.

Probleme mit Frostsicherheit

Bei den angesprochenen Straßen sei vor allem der Unterbau zum Teil kaum frostbeständig und die Straßenentwässerung oder Schieber lägen manchmal zu hoch, vor allem aber sehr tief. „Wenn sich auf den meist schmalen Straßen zwei Fahrzeuge begegnen, rumpelt immer mindestens einer durch die tief liegenden Dohlen“, so der Fachmann.

Viel Geld könne man vergraben, wenn man die Sanierungen (Beispiel Grünewald-Straße als längste der genannten Straßen mit mehr als 500  000 Euro) komplett durchführe. Dagegen könne man durch eine reine Oberflächensanierung die Kosten bei dieser Straße auf unter 100  000 Euro drücken. Dann würde aber nur die Deckschicht durch eine DSK-Decke saniert, also eine dünne Asphaltdeckschicht in Kaltbauweise.

Clemens Herrmann (CDU) hakte dazu ein: „Bleiben beim DSK-Verfahren die Straßenabläufe gleich hoch?“, wollte er wissen. Röhl erklärte ihm, dass bei dieser „lebenserhaltenden Maßnahme“ die Erhöhung der Abläufe oder Schieber einberechnet ist. Der Bürgermeister zeigte auf, dass die Straßen teils so alt seien, dass eine solche Maßnahme nicht ideal sei.

Fraktionskollege Adalbert Oehler hatte am Beispiel „Bux“, wo er zugesehen hatte, festgestellt, dass der Kanalsanierung und der Erneuerung der Wasserversorgung Priorität eingeräumt werden müsse – und da die in den genannten Straßen zumeist ebenfalls marode sei, müsse man sowieso aufmachen. „Kann man so etwas auch teilerneuern und kommen auf die Bürger womöglich erneut Anliegerbeiträge zu“, so seine nächsten Fragen. Die Antworten lauteten: Ja, eine Teilerneuerung sei möglich. Und Nein, die Anlieger bräuchten nichts zu fürchten.

„Sünden der Vergangenheit“

Markus Fehrenbach von der CDU sah es pragmatisch: „Die Sünden der Vergangenheit holen uns jetzt ein“. Er sehe die genannten kosmetischen Verfahren wie DSK oder Oberflächensanierung als geeignete Maßnahmen für jüngere Straßen an – maximale Werterhaltung mit begrenzten Mitteln.

Auch Johannes Göppert (FWV) erkannte die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte, sah aber ebenfalls nur eine Komplettsanierung als realistisch an. Schritt für Schritt müsse sinnvoll investiert werden. „Das Dünnschichtverfahren ist so etwas wie Walt Disney, schöner Schein“, bescheinigte er dem Gemeinderat.

Auf die Frage von Gerhard Dessecker (FWV) nach Zuschüssen wurde diesem beschieden, dass es zwar gewisse Möglichkeiten gebe, diese würden aber zumeist anderweitig benötigt.

Anders sei das bei Wasser und Abwasser. Da komme das Geld aus den Eigenbetrieben. Fraktionskollegin Marianne Kätsch-Jung mahnte die Barrierefreiheit bei allen genannten Maßnahmen an.