Hermann Börsig kennt sich aus mit den ehemaligen Hirtebuebe und Hirtemaidli. Im Eschle, dem Sitz des Sozialen und Kulturellen Treffpunks (SKT) in Schönwald, erzählte der Gast aus der Nachbargemeinde Schonach von früheren Zeiten. Das Interesse an seinem Vortrag war groß.

Ende der 1950er-Jahre setzte der Siegeszug des Elektrozaunes ein. Damit verbunden war der Niedergang der Hirtebuebe. Bis dahin war es Gang und Gäbe, dass sich die Bauern der Hilfe der Jungen und Mädchen ärmerer und kinderreicher Familien beim Viehhüten versicherten.

Jugendamt muss einschreiten

Dass mit deren Verpflichtung nicht immer alles mit rechten Dingen zuging, wurde im Verlauf des Nachmittags deutlich. Eine Verordnung des Jugendamtes im damaligen Landkreis Villingen verdeutlichte, dass die Verpflichtung der Hütekinder ab zwölf Jahren erlaubt war, dass sie versichert werden sollten und der Verpflichter für „ausreichend Essen und Schlaf“ sowie saubere, trockene Kleidung zu sorgen hatte.

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Viele dieser Forderungen wurden eher nicht erfüllt – und so manches „Hütekind“ war sogar deutlich jünger als zwölf Jahre. Wie Hermann Börsig versicherte, begann die Verpflichtung in der Regel nach der Erstkommunion, also eher mit zehn Jahren.

Ab Mai mussten die Tiere in aller Herrgottsfrühe zum Weidberg getrieben und dort gehütet werden – ab acht Uhr begann dann die Schule. Am Nachmittag ging es für die Kinder mit vielerlei Arbeit weiter. Gehütet wurde von Anfang Mai bis zur Kilwi, also Kirchweih im Oktober, wo es manchmal schon empfindlich kalt war.

Auf Fahrrad gespart

Nicht jedem dieser Kinder ging es dabei wirklich gut. So erzählte einer der Besucher, er wisse sicher, dass beim Hüten des Viehs im späten Herbst so mancher Hirtebue seine nackten Füße in frischen Kuhfladen wärmen musste. Börsig berichtete über 40 Mark, die er verdiente. Das Geld sparte er über vier Jahre, von 1948 bis 1952, für ein Fahrrad ohne Schaltung an.

Auch ein Hirtemaidli erzählte: Monika Schwarz aus Gütenbach, aus Schönenbach stammend, sei als Hirtin bei einem Hiislibur, einem Kleinbauern, beschäftigt gewesen. Drei Kühe musste sie, egal wo geweidet wurde, stets über eine Straße führen. Oftmals stellte die Bäuerin fest, dass Monika nicht immer gut auf die Kühe aufpasste – damals gab es noch die Bregtal-Bahn, was sehr gefährlich war.

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Zudem las sie einige Auszüge aus dem Buch von Karl Fehrenbach vor, der ebenfalls, noch vor dem Krieg, als Hirtebue tätig war. „Mein langer Weg nach Hause“ werde durch den Geschichtsverein Furtwangen in diesem Jahr neu aufgelegt.

Der Farnbauernhof hatte offensichtlich viele Hütebuben – auch Emilian Kienzler selbst hatte dort seine Hirtebuebe-Zeit, ging in die Weißenbachschule. Und das schönste sei gewesen, wenn er das Ross führen durfte – beim Pflügen oder beim Holzschleifen. Danach sei er auch viele Jahre im Forst tätig gewesen.

Widerwärtige Geißen

Auch Ludwig Dieterle, der eigentlich kein Hirtebue mehr gewesen sei, berichtete, dass er als Junge das eigene Vieh habe hüten müssen – aber Not habe er selbst nie erlebt. Kühe und Schafe, so wusste er, seien recht einfach zu hüten gewesen, aber „Geißen waren ein widerwärtiges Volk“. Er war es auch, der den Schlusspunkt setzte – wieder einmal durch eines seiner berühmten Lumpeliädle.