Als Letzte der bei der Kommunalwahl antretenden Listen hatten die Christdemokraten eingeladen, um die Kandidaten für den Schönwälder Gemeinderat einer breiteren Bevölkerung vorzustellen. Rund 20 Interessierte hatten sich im Nebenzimmer der Gaststätte Holzfäller eingefunden.

Keine Spitzenkandidaten

Adalbert Oehler, der Vorsitzende des Ortsvereins, stellte den Grund für die alphabetisch geordnete Liste vor: So gebe es keine Spitzenkandidaten, tatsächlich werde nur der Mensch, die Person, gewählt. In dieser Reihenfolge stellten sich die Kandidaten mit ihren persönlichen Zielsetzungen und ihren Spezialgebieten den Anwesenden vor.

Danach gab Clemens Herrmann, der Vorsitzende der Gemeinderatsfraktion, einen Rückblick auf die zurückliegenden Jahre, in denen viel bewegt worden sei. Hubert Waldvogel nannte zudem seine Intentionen, sich noch einmal um ein Mandat für den Kreistag zu bewerben.

Sorgen um Tourismus-Zukunft

Bei der Fragerunde fielen auch kritische Worte. So wurde der Tourismus angesprochen. „Was macht ihr eigentlich dafür, dass die Übernachtungszahlen wieder besser werden? Und der angestrebte Anschluss an die Hochschwarzwald Tourismus GmbH, was versprecht ihr euch davon, das ist für die Vermieter doch richtig teuer?“, warf Nikolaus Dold ein.

Wechsel zur HTG als Fortschritt

Oehler empfand den Schritt zur Hochschwarzwald Tourismus (HTG) als einen Fortschritt, vor allem, was die Vermarktung betreffe. Die HTG sei ein Dienstleister und man müsse nicht ein Gesamtpaket kaufen, sondern habe die Möglichkeit, Bausteine einzukaufen – was auch Clemens Herrmann sowie Wolfgang Storz als Vorstandsmitglied des Ferienlands bestätigten. Vor allem die Vertretung auf den großen Messen mache dabei wirklich Sinn.

„HTG ist ein Granatenfehler“

„Die HTG ist ein Granatenfehler, wir müssen uns auf unsere Raumschaft und unser Ferienland konzentrieren“, waren sich einige Besucher einig.

Das Potenzial für die Vermieter sei der Gast – und der wolle heute schon ein wenig mehr Luxus. Da gehe es nicht mehr, Wohnungen zu vermieten, die den Charme der 1970er Jahre versprühten und so klein seien, dass der Gast neben dem Kühlschrank schlafe.

Verschiedene Ansichten über die Ansprüche der Touristen

Auseinander gingen jedoch die Ansichten, was der Besucher vom Ferienort Schönwald erwartet. Die einen meinten Ruhe und Erholung, bei den anderen war es Action. Angekreidet wurden „100 Kilometer perfekt gespurte Loipe“, dafür fehlende Winterwanderwege. Das Langlaufen sei in den vergangenen Jahren um fast die Hälfte zurückgegangen, Winterwandern sei derzeit in.

Man könne doch wenigstens neben der Loipe noch einen Wanderweg walzen, dann gäbe es auch keinen Zoff mehr mit den Langläufern, die sowieso nichts für den Service bezahlen. „Anderswo wird von den Langläufern ein Kostenbeitrag verlangt“, wusste ein Besucher der Veranstaltung.

Kritik am Ortsbild und am Straßenzustand

Zudem wurde der Zustand der Straßen moniert. „Das Ortsbild leidet erheblich durch dem miserablen Zustand der Straßen“, mahnten mehrere Besucher. „Wir haben eine Prioritätenliste und haben angefangen, sie abzuarbeiten“, betonten die aktuellen Ratsmitglieder. Allerdings sei man tatsächlich aus finanziellen Gründen spät dran, da es praktisch keine Zuschüsse gebe. Daher müsse man hier kleine Schritte machen. „Einfach etwas Asphalt draufziehen und den Untergrund nicht untersuchen macht keinen Sinn“, wusste Herrmann.

Rügen für die Gemeinde

Eine weitere Besucherin machte darauf aufmerksam, dass es im Ort lange Zeit richtig schmutzig sei. „Da liegt an Ostern noch der Dreck von Fastnacht herum, da muss man halt die Kehrmaschine mal vorher durchfahren lassen“, verlangte sie. Ein Problem sei auch das Hallenbad, das wegen der veralteten Technik oft geschlossen sei, manchmal bis zu drei Monate im Jahr. Dennoch sei die Gemeinde nicht bereit, die Jahreskarte deswegen zu verlängern, kein Wunder, dass die Zahlen rückläufig seien.

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Ein Bürger mahnte die Schneekanone am Dobellift an, man müsse sie zumindest höher hinauf stellen, Schnee bergab zu schieben sei nunmal leichter als bergauf. Dann könne man auch zeitig einen Rodelhang schaffen. Und „alle Baustellen müssen sich an Ruhezeiten halten, nur wenn die Gemeinde etwas macht, braucht es das nicht“, wusste er.

Weitere strittige Themen waren die Aufstellung des Blitzers. Auf den Platz habe die Gemeinde allerdings keinen Einfluss, so Oehler, oder das Neubaugebiet, das angesichts vieler leerstehender Häuser und Wohnungen nur landwirtschaftlich genutzte Flächen verbrauche.

Fantasiepreise für alte Immobilien

Dem widersprach Oehler: Die Leerstände seien kaum veräußerbar, zumal viele Eigentümer Fantasiepreise verlangten für abgewirtschaftete Immobilien. Es gebe viele weitere Themen, so ein Besucher, doch angesichts der fortgeschrittenen Stunde wolle er auf diese verzichten.

Als Fazit nahmen die Bewerber um Sitze in Gemeinderat und Kreistag etliche Anregungen mit, die es in der nächsten Wahlperiode anzugehen gelte. Oehler machte zudem auf eine weitere Wahlveranstaltung am Freitag, 24. Mai, ab 20 Uhr in „Ludwigs Scheune auf dem Gabrielenhof“ aufmerksam.