Ein „Signal an den Ländlichen Raum, wie er ist“ wolle sie setzen, sagte Martina Braun zu ihrer Intention, Bürgerstammtische zu veranstalten. Im Vesperstüble des Reinertonishofs in Schönwald traf sie auf über ein Dutzend diskussionsbereiter Bürger, Bürgermeister Christian Wörpel, die Gemeinderäte Marianne Kätsch-Jung und Hans-Peter Schwer sowie ihren langjährigen Wegbegleiter im Kreistag, Lukas Duffner.

Seit zwei Jahren sitze sie nun als direkt gewählte Abgeordnete im Landtag, wo sie agrarpolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist. Das stuft sie als großen Vertrauensbeweis ein – „neue Kräfte werden mit solchen Aufgaben eher nicht betraut“, stellte Braun fest.

Während der Veranstaltung gab sie einen tiefen Einblick in die Themen, denen sie sich im Landtag widmet. Diese wurden dann auch rege am Stammtisch diskutiert.

  • Ökologischer Landbau: Leider stünden dem Minister für den Ländlichen Raum nur 1,1 Prozent des Gesamtetats zur Verfügung. Dennoch habe er ein Biodiversitätsprogramm über 36 Millionen Euro eingeleitet, um dem Artenschwund Einhalt zu gebieten. Dabei sei auch das „Straßen-Begleitgrün“ wichtig. Als Auftrag sehe sie die Pestizid-Reduktion, dafür gebe es attraktive Programme, sagte Braun. Im Schwarzwald liege der Anteil des ökologischen Landbaus bereits recht hoch, wo der Einsatz ohnehin nicht infrage komme.
  • Förderung: Das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) sieht vor, 50 Prozent der Gelder in den Wohnungsbau zu investieren. „Damit sind wir Spitze im Land“, betonte Braun weiter. Aber auch ökologische Entwicklungen wie das Nahwärmenetz in Schönwald würden bezuschusst, in der Kurgemeinde seien es 200 000 Euro gewesen. „Hut ab vor dem ehrgeizigen Projekt, ich denke es wird Leuchtturmcharakter haben“, räumte sie ein.
  • Bio-Muster-Regionen: Die Landesregierung habe derzeit vier Bio-Muster-Regionen eingerichtet, neun sollen es werden. Sie hoffe darauf, dass dann auch der Landkreis dabei sein werde. Am Tag nach dem Stammtisch besuchte sie in Berlin ein Netzwerktreffen. In zwei Jahren werde es die neue EU-Richtlinie geben. Es sei wichtig, dass dabei die kleinen Betriebe nicht durchs Raster fallen.
  • Daseinsvorsorge: Problematisch sei im ländlichen Raum beispielsweise die Daseinsvorsorge. Das betreffe die medizinische und die Nahversorgung. Schönwald sei dahingehend recht gut aufgestellt. Neue Ideen brauche es aber auch für die Mobilität – Bus und Schiene reichten da nicht immer. In Sachen schnelles Internet sei man im Kreis auf gutem Weg. Sehr different wurde das Thema der fehlenden Landärzte diskutiert. Auch hier seien kreative Ideen gesucht, die schnell helfen, denn mit den Ärzten seien auch die Apotheken betroffen. Ebenfalls beschäftige den Bürger die Kinderbetreuung – und den Kommunen liefen die Kosten davon.
  • Landwirtschaft: In der Pflicht sieht Braun die Landwirte, was die Umsetzung der FFH-Richtlinie betrifft. „Zugegeben, bei der Erfassung hätte es etwas mehr Offenheit gebraucht“, räumte sie ein. Ein FFH-Gebiet entstehe nur durch die extensive Bewirtschaftung. „Wer weitermacht wie zuvor, erhält seine Wiesen im richtigen Zustand“, zeigte sie auf. Gerade in Schönwald sei das auf hohe Widerstände gestoßen, wusste sie. „Ich mache der Landwirtschaft da einfach Mut, nach den bisher angewendeten Standards weiter zu machen; gegen klimatische Veränderungen sind wir einfach machtlos“, argumentierte Braun. Das Augenmerk einiger Gesprächsteilnehmer galt nun den Kleinbetrieben. Und auch Martina Braun hat diese im Blick und rät: „Wir bemühen uns, den Schwarzwald und die Schwäbische Alb ins Bewusstsein der Entscheider zu rücken.“
  • Tourismus: Lukas Duffner warb für ein Landesprogramm für Ferienwohnungen, die in die Jahre gekommen seien, wie das Bayern tat. Der Bürgermeister wies darauf hin, dass er bereits einen Versuch dazu mit dem Landessanierungsprogramm unternommen hatte – ohne Resonanz. „Wir brauchen keine Wölfe“, warf Lukas Duffner, der „Rote Bur“, ferner in die Diskussion ein.
  • Forstwirtschaft: Letztes Thema war die steigende Bürokratisierung, die laut Braun wohl auch den Forst künftig treffe. Zwar sei das Kartellverfahren doch noch zugunsten des Forstes Baden-Württemberg ausgegangen, doch das bisherige Forstamt sei nicht mehr zulässig. Sie sei aber zuversichtlich, dass eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden werde, denn der Wald erfülle sehr viele Funktionen und sei immens wichtig.