Nachdem in Schönwald vor rund drei Jahren letztmals das Thema Nahwärme durch Jörg Dürr-Pucher, Geschäftsführer des Beratungs- und Koordinationsbüros Clean Energy aus Radolfzell besprochen wurde, war es lange Zeit still um das Projekt geworden. Nun aber geht es Schlag auf Schlag.

Das Planungsbüro Zelsius aus Donaueschingen, das sich auf innovative Energiesysteme spezialisiert, war durch Geschäftsführer Klaus-Dieter Müller und Außendienstberater Lukas Dannhardt in der jüngsten Schönwälder Gemeinderatssitzung, um konkrete Planungen vorzustellen. Sie hatten genaue Vorstellungen.

Günstiger Wärmepreis und Preisstabilität, Unabhängigkeit von Öl, Gas und Energieversorgungsunternehmen, eine langfristige ökologische und regenerative Energieversorgung sollen eine Wertsteigerung der angeschlossenen Häuser in Sachen Energieeinsparverordnung (EnEV)bewirken. Dabei stehe eine Vorbildfunktion der Gemeinde im Fokus, die auf regionale Wertschöpfung setzt. Funktionieren soll das Ganze mit Blockheizkraftwerken in öffentlichen Gebäuden und einem Holzhackschnitzel-Kessel am Ortsrand. Ausgehend vom Rathaus und der Uhrmacher-Ketterer-Halle soll der erste Bauabschnitt in Richtung Dorf führen und alle Gebäude der Gemeinde einschließlich des Hallenbads einbinden.

34 Energieabnehmer nötig

Bei 34 Energieabnehmern sei die Wirtschaftlichkeit gegeben, betonten die beiden Fachleute. Dabei habe Dannhardt bereits Kontakt zu vielen Betroffenen aufgenommen. Bei den meisten Privathaushalten, die seinerzeit Interesse äußerten, sei er allerdings abgeblitzt, da bis auf drei alle ihre alten Anlagen ersetzt hatten, da doch einige Zeit ins Land gegangen sei. Allerdings sei er vor allem bei Großabnehmern auf Interesse gestoßen.

So sei man beim derzeit im Bau befindlichen Seniorenzentrum auf offene Ohren gestoßen, auch die beiden Kirchen hätten sich interessiert gezeigt, allerdings wolle man da den Gemeinderatsbeschluss abwarten.

Rund 154  700 Euro koste der Heizungsumbau der gemeindeeigenen Gebäude, also Rathaus, Uhrmacher-Ketterer-Halle, Richard-Dorer-Schule, Kindergarten, Dobelstüble und Hallenbad. Dazu kämen für den ersten Versorgungsabschnitt mit einer Streckenlänge von 1430 Metern Kosten für Tiefbau und Leitungen von 672  000 Euro, von denen nach einem Jahr aus Zuschüssen wieder 143  000 Euro zurückkommen sollen. Dabei seien für den reinen Tiefbau je Laufmeter rund 150 Euro berechnet.

Für einen weiteren Ausbau in Richtung Triberg stünden derzeit zu wenig Interessenten bereit, unter anderem auch deshalb, weil der Impuls durch die Gemeinde bis dato gefehlt habe. Daher plädiere man dafür, die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren und neue Informationsveranstaltungen zu machen.

Gerhard Dessecker (FWV) meinte, den Kunden interessiere vor allem die Betriebs­sicherheit. Hier konnte ihm Müller versichern, dass diese durch Redundanzsysteme ­gewährleistet sei. Für den Tiefbau gebe es Synergieeffekte mit der Breitbandver­sorgung, war sich auch ­Bürgermeister Christian Wörpel sicher. Zudem werde man sicher auch das neue Baugebiet einbeziehen.

Zunächst gelte es nun, einen Eigenbetrieb Nahwärme zu gründen, der auch vorsteuerabzugsberechtigt sei, wie Johannes Göppert (FWV) auf dessen Nachfrage bestätigt wurde. Eine Erweiterung könne jederzeit erfolgen, wenn sie sich über die Pacht trägt, stellte Wörpel fest. Das Projekt Nahwärme traf bei den Ratsmitgliedern auf einhellige Zustimmung.

Nachdem die beiden Spezialisten gegangen waren, gab es allerdings schwere Schelte aus dem Zuhörerraum. Ein Bürger mit Erfahrung im Tiefbau warf dem Gremium Blauäugigkeit vor, denn der Tiefbau koste ganz sicher deutlich mehr, die Berechnungen des Planungsbüros seien geschönt.