Christof Kammerer präsentiert das Häs.
Christof Kammerer präsentiert das Häs. | Bild: Simona Ciubotaru

Und sie werden zusammen durch das Dorf ziehen, Kälte und die Dunkelheit vertreiben: Mit dem Weiß der Hirtenbubenhemdchen, mit den darauf bemalten grünen Zweigen, die an das saftige Grün der Wiesen im Schwarzwald erinnern. Mit den schweren Kuhglocken, durch deren Klang Böses verscheucht und die schlafende Natur geweckt werden sollte, erklärt der Vorstand der Schönwälder Narrenzunft, Christof Kammerer.

Er ist an diesem Abend in der Ketterer-Halle, um den aktiven Mitgliedern des Vereins, die das Kostüm ausleihen möchten, die in der Anschaffung sehr teure Verkleidung mitzugeben. Mit schalkhaftem Lächeln grüßt manch alt-gediente Narr mit würdevoller Miene und sehr ernst probiert ein Junge derweil die Hosen an. Die Schätze des 1972 gegründeten Vereins werden aus den Truhen geholt. Die Kuhglocken klingen sonor, Holzschuhe klappern auf dem Steinboden. Musik, Witze, Lachen. Vorfreude fühlt sich so an.

Am 6. Januar wird auch der Hoogeschdäge verliehen. Das ist ein kurzer Stock, eine symbolische Auszeichnung des Vereins, die ein verdientes Mitglied für das laufende Jahr erhält. Der Auserwählte muss schwören, den Brauch zu pflegen, dem Verein treu zu dienen und seinen Stock bei dem Narrentreiben bei sich zu haben. Sollte er ihn mal vergessen, muss er den anderen Vereinsmitgliedern ein Getränk spendieren.

Uralte Traditionen sind das, die man bei allen Völkern Europas in verschiedenen Formen immer noch vorfindet. Sie entstammen aus der bäuerlichen Welt, derer Leben eng mit den Naturzyklen verbunden war und ist. Ihre entscheidende Prägung und Sinngebung erhielt die Fasnacht aber durch das Kirchenjahr der katholischen Kirche. Die Narrenzeit spielte eine wichtige Rolle als Ventil für die Gesellschaft vor dem vierzigtägigen Fastenperiode vor Ostern, die am Aschenmittwoch beginnt.

Bis ins 14. Jahrhundert duldete die katholische Kirche das Narrentreiben mit seinen alten Formen. Ab dem 15. Jahrhundert, um 1400 herum, begann durch die theologischen Veränderungen im Katholizismus eine geradezu Diabolisierung des Brauchtums. „Das Spiel hat der Tüfel (Teufel) erdacht“, steht in manchen Schriften des späten Mittelalters. Die Figur des Narren wurde mit dem Bösen und mit dem Tod verknüpft, bekam andere Bedeutungen, stark von der Kirche instrumentalisiert.

In der Barockzeit, zusammen mit dem Kampf zwischen dem Katholizismus und der aufgehenden evangelischen Kirche, ging in weiten Regionen Deutschlands der Brauch zugrunde. Er verschwand einfach, um erst im 19. Jahrhundert wieder mit alten Formen und Bedeutungen aufzuerstehen.