Wieder einmal im Mittelpunkt steht das Schindelhaus im Weißenbach in Schönwald, das direkt an der Skirollerstrecke liegt. In den nächsten Wochen verbringen immer wieder Schulklassen einige Tage im Waldcamp, um der Natur so nahe zu kommen wie sie es vielleicht noch nie waren.

Vor allem städtisch geprägte Schulen nehmen gerne das Angebot des Forstes an, beim Schindelhaus mit ihren Lehrern zu campieren und ein unvergessliches Walderlebnis zu genießen. Seit Jahren gehören zu den regelmäßigen Gästen Schüler und Lehrer der Julius-Leber-Schule aus Breisach, eine Gemeinschaftsschule mit rund 600 Kinder und Jugendlichen.

Derzeit sind es mehr als 50 Fünftklässler aus drei Klassen, die den Wald um das Schindelhaus unsicher machen. Stefan Schultis, Förster im Vorbereitungsdienst, betreut den Nachwuchs. Hilfe bekommt er von seiner jüngeren Kollegin Marisa Schwenninger, die erst seit wenigen Tagen direkt von der Hochschule in den Forstbetrieb des Schwarzwald-Baar-Kreises kam, und einer weiteren jungen Försterin, Anna-Lena Grieb. Es gelte, den Kindern neben Spaß am Leben in und mit der Natur so ganz nebenbei auch etwas Wissen und Können zu vermitteln.

Doch alleine sind die Förster nicht, auch die Schule hat Lehrer abgestellt. „Das Leben in und mit der Natur ist nicht immer einfach“, stellen sie im Gespräch fest. Dennoch mache es auch mal Spaß, grenzwertige Erfahrungen zu sammeln – und selbst Lehrer könnten in der Natur noch lernen. So stand unter anderem auch die schon obligatorische Baumfäll­aktion auf dem Programm, zu der neben etwa 25 Schülern auch Forstwirtschaftsmeister Jürgen Lehmann vom Ausbildungsstützpunkt in Königsfeld mit einigen Azubis und dem benötigten Werkzeug samt Sicherheitsausrüstung dazu stieß.

Ganz genau zeigt Jungförster Stefan Schultis (mit Helm), wie das mit dem Baumfällen läuft – schließlich soll es ja keine Unfälle geben beim Waldcamp.
Ganz genau zeigt Jungförster Stefan Schultis (mit Helm), wie das mit dem Baumfällen läuft – schließlich soll es ja keine Unfälle geben beim Waldcamp. | Bild: Hans-Jürgen Kommert

Schultis zeigte den Schülern die Arbeit ganz genau, beginnend bei der Auswahl der Werkzeuge, unter denen keine Motorsägen, sondern Axt, Säge und Schäleisen zu finden sind, bis hin zur richtigen Fallrichtung. Die anderen Schüler blieben unterdessen nicht im Zelt, sie mussten sich mit dem Schwarzwälder Fünfkampf stellen. Für diese Hälfte der Schülergruppe galt es, fünf Natur-Disziplinen zu absolvieren.

Wenn er es nicht schafft, dann schafft es keiner: Siegfried Kaltenbach, eigentlich längst pensioniert, zeigt den Schülerinnen, wie man mit einem Lasergewehr schießt
Wenn er es nicht schafft, dann schafft es keiner: Siegfried Kaltenbach, eigentlich längst pensioniert, zeigt den Schülerinnen, wie man mit einem Lasergewehr schießt | Bild: Hans-Jürgen Kommert

Die erste Disziplin, das Schießen mit dem Lasergewehr, ging unter Aufsicht des pensionierten Försters Siegfried Kaltenbach am Biathlon-Schießstand über die Bühne. Der erfahrene Sportler erklärte den Schülern das Vorgehen ganz genau. Dann ging es ums Schätzen: Die Höhe und Dicke von zwei Bäumen galt es zu erraten und nebenbei möglichst genau ein 500 Gramm schweres Stück Holz aus einem Baum zu sägen. Mit einem Becher auf dem Kopf mussten die Schüler über einen Balkenparcours balancieren, danach hieß es Punkte sammeln beim Fichtenzapfenbasketball.

Bild: Hans-Jürgen Kommert

Geschwindigkeit war beim vierten Spiel gefragt: Vorher festgelegte Gegenstände mussten in der Natur gefunden und hergebracht werden. Und das letzte Spiel befasste sich mit der Wahrnehmung und dem Tastsinn, denn die Kinder mussten blind Gegenstände erfühlen und erraten.

Die Lage des Camps am Schindelhaus sei hervorragend, urteilten die Lehrer. Man habe den Zeltplatz und das Schindelhaus zur Verfügung. Bei Sturm oder Gewitter bestehe die Möglichkeit, die Zelte zu verlassen und sich unter ein sicheres Dach zu begeben. Zudem gebe es Sanitäranlagen, Strom, fließend Wasser und einen großen Aufenthaltsraum, der auch als Speisekammer und Mensa genutzt werden könne.

Die Kinder machen das Brennholz für den Grill selbst und übernehmen in Dienstgruppen einzelne Aufgaben im Tagesablauf eines Waldcamps. Betreut werden die Schulklassen normalerweise durch Johannes von Stemm. Für dieses Jahr hat er die Organisation für einige Wochen an Schultis übertragen. „Waldpädagogik ist auch Teil meines Vorbereitungsdienstes für die Forstbeamtenlaufbahn am Forstamt“, erzählte der junge Förster.