Schonach – Seit zehn Jahren hatten sich die ehemaligen Schüler vom Rohrhardsberg nicht mehr getroffen. Nun ergriffen Martin Hettich von der „Rausle“ (Ramselhof) und Alex Schuler vom „Krällili“ (Korallenhäusle) die Initiative. Sie luden ihre Schulkameraden zu einem Ausflug ein.

„Wir haben die Geburtsjahrgänge von 1950 bis 1963 angeschrieben und 29 von 63 Schülern sind gekommen“, berichtete Alex Schuler.

Bei einer Andacht in der Schonacher Kirche wurde der neun verstorbenen Mitschüler gedacht. Danach ging es zum Haus des Gastes in Birgits Bistro. Dort wurden bei Kaffee und Kuchen alte Erinnerungen aus der Jugendzeit ausgetauscht.

Daran beteiligte sich auch der Lehrer, den die Schüler in der Schlussphase hatten. „Wir laden ihn immer zu unseren Treffen ein“, sagten die Schulfreunde. Rolf Günter, der jetzt in Staufen seinen Ruhestand verbringt, gilt als der netteste Lehrer, den die Rohrhardsberger Kinder je hatten. „Bei ihm gab es keine Tatzen und er hat uns sehr gefördert“, ist von den Ex-Schülern zu erfahren. Darin sind sie sich einig.

In einem einzigen Raum wurden damals acht Volksschulklassen nacheinander unterrichtet. Wenn eine Klasse gerade Unterricht hatte, befassten sich die anderen mit Stillarbeit. Insgesamt lernten auf diese Weise jeweils zwischen 25 und 30 Rohrhardsberger Schüler den ganzen Vormittag über ihre Lektionen.

Aufregend wurde es in der Schule, als 1969 Bürgermeister und Gemeinderat zum Schulstreik aufriefen. Durch die Gemeindereform sollten nicht nur die stolzen Rohrhardsberger ihre Selbstständigkeit verlieren und in Zukunft zu Schonach gehören. Auch ihre Volksschule sollte aufgelöst werden. Das ging sogar den Elternvertretern zu weit und alle unterstützten den einwöchigen Schulstreik, der ausgerufen wurde, um die kleine Schule zu retten.

Beim gemütlichen Abschluss des Ausflugs in der Vesperstube auf dem Schanzenberg schwelgten die Schulkameraden weiter in Erinnerungen an frühere Zeiten. Fast alle hatten den Streik, der wohl einmalig in der Geschichte des Landes ist, mitgemacht.

Bürgermeister Emil Schuler und Gemeinderatsmitglied Max Kuner sowie einige Eltern fuhren nach Stuttgart ins Kultusministerium, um für den Erhalt der Dorfschule zu kämpfen. Doch sogar mit dem Streik im Hintergrund hatten sie keinen Erfolg, wie aus den Erzählungen zu erfahren war.