Seit dem Schuljahr 2010/2011 gibt es am Rottweiler Leibniz-Gymnasium einen regionalen Hochbegabtenzug. Hier werden Schüler unterrichtet, die einen Intelligenzquotienten von mindestens 130 haben – die Durchschnittsbegabung laut dieser Maßzahl für die allgemeine intellektuelle Leistungsfähigkeit liegt bei 100. Eigene Klassen für solche Hochbegabten bringen Vorteile: Die Schüler langweilen sich nicht, wenn sie den Stoff schneller begreifen als ihre Klassenkameraden, denn hier kommen alle schneller mit, daher wird gerafft unterrichtet und es bleibt Zeit für zusätzlichen Unterrichtsstoff oder interessante Ausflüge.

Doch gibt es seit sechs Jahren keine eigene Klasse mehr für Hochbegabte. Das liegt daran, dass sich nicht genügend Schüler dafür angemeldet haben. Mindestens 16 müssen es sein, damit die Klasse eingerichtet werden kann. Die bislang letzte reine Hochbegabtenklasse, die in Rottweil zur Schule geht, macht nächstes Jahr Abitur. Die hochbegabten Schüler der nachfolgenden Jahrgänge wieder in normalen Klassen unterrichtet, allerdings werden sie in Projekten extra gefördert.

Für das nächste Schuljahr habe man bereits Interessenten, aber ob es dieses Mal für eine eigene Klasse reiche, sei unklar, sagt Konrektorin Beatrice Schmidberger. Sie würde sich wünschen, wenn es so käme, „die Schüler fanden es immer total schön, in einer eigenen Klasse zu sein.“ Denn als Hochbegabter hat man es nicht immer leicht. Das große Interesse an bestimmten Themen, besondere sprachliche oder andere Fähigkeiten können auch zu Ausgrenzung führen. Nicht immer stoßen diese Kinder auf Verständnis, manchmal sogar auf das Gegenteil. Werden sie nicht gefördert, kann es auch zu weiteren Problemen führen.

So kommt es vor, dass sich solche Kinder langweilen und schließlich die Mitarbeit in der Schule komplett verweigern. Hochbegabte Kinder fallen oft auch dadurch auf, dass sie im Unterricht stören, um Aufmerksamkeit zu bekommen, dass sie sich unverstanden fühlen oder als Streber gelten. Auch zeigen sie oft kein Interesse an alterstypischen Aktivitäten, sind individualistisch und suchen sich deutlich ältere Freunde.

„Ich bin immer zuversichtlich“, sagt Almut Kammerer, die für die Hochbegabten zuständig ist. Ein Problem ist das riesige Einzugsgebiet. Die nächsten Gymnasien mit Hochbegabtenzug sind in Konstanz, Ravensburg, Lahr und Tübingen. Die Schüler haben zum Teil eine sehr lange Anfahrt, und da manche noch sehr jung sind, da sie beispielsweise schon eine Klasse übersprungen haben, wollen die Eltern ihnen das nicht zumuten. Oft werde zudem die Begabung einfach nicht erkannt, sagt Almut Kammerer. Das finde sie schade. Immer wieder habe sie von Eltern und früheren Schülern die Rückmeldung bekommen, dass es toll gewesen sei, in einer Klasse nur mit hochbegabten Schülern zu lernen. „Manche sagen, sie hätten sonst das Abi nicht geschafft.“

 

Hochbegabtenklasse

  • Hochbegabung: Um herauszufinden, ob ein Kind hochbegabt ist, wird an der Schulpsychologischen Beratungsstelle ein Test gemacht, um den Intelligenzquotienten des Kindes zu ermitteln. Anschließend findet ein Aufnahmegespräch am Leibniz-Gymnasium selbst statt, dann folgt ein Kennenlerntag mit Probeunterricht. Danach wird entschieden, ob das Kind in die erhoffte neue Hochbegabtenklasse aufgenommen wird, des nach sechsjähriger Pause nun wieder geben soll.
  • Infoabende: In der Region sind jetzt drei Infoabende zum Thema Hochbegabung vorgesehen. Einer davon findet am 1. Februar um 19.30 Uhr in der Südstadtschule in Villingen statt. Ein weiterer Abend ist am 19. Februar in Rottweil am Leibniz-Gymnasium geplant, ferner gibt es einen am 20. Februar an der Grundschule Oberndorf-Hochmössingen. Weitere Informationen gibt es direkt am Leibniz-Gymnasium Rottweil, Heerstraße 140; Telefon: 0741/15116; Fax: 0741/2007 E-Mail: poststelle@lg.rw.schule.bwl.de.