Im Prozess gegen den mutmaßlichen Dreifachmörder von Villingendorf hat der psychiatrische Gutachter die Tatversion des Angeklagten in einem zentralen Punkt als unglaubwürdig analysiert. Dass der 41-Jährige die Tat wie in Trance begangen habe, sei nicht in Betracht zu ziehen, sagte der Psychiater Charalabos Salabasidis am Montag am Landgericht Rottweil.

Dazu wisse der Angeklagte zu viele Details über den Tatablauf - zum Beispiel, dass er nach der Tat eine Zigarette rauchte und wo er sich auf seiner Flucht versteckte. Der Experte geht nicht davon aus, dass der Angeklagte die Tat in einem psychischen Ausnahmezustand begangen hat. Eine verminderte Schuldfähigkeit könne aus seiner Sicht nicht angenommen werden.

Der 41-Jährige ist wegen Mordes angeklagt. Er soll seinen Sohn am Tag von dessen Einschulung im Herbst 2017 erschossen haben. Auch auf den neuen Freund seiner Ex-Partnerin sowie dessen Cousine soll er tödliche Schüsse abgefeuert haben. Er legte Ende Mai ein Geständnis ab und sagte, er sei bei der Tat nicht er selbst gewesen, sondern habe „wie ein Roboter“ gehandelt.

Die meisten Schüsse auf das Kind abgegeben

Dem Gutachter zufolge hätte er die Tat abbrechen können, nachdem er den ihm verhassten neuen Partner seiner Ex-Freundin erschossen haben soll. Die meisten Schüsse - insgesamt drei - soll der Angeklagte jedoch auf sein eigenes Kind abgefeuert haben. „Es zeugt von Brutalität, Vehemenz und Entschlossenheit, sein Vorhaben so in die Tat umzusetzen, wie er sich das vorgestellt hat“, sagte Salabasidis. Das Kind soll der Angeklagte als letztes erschossen haben.

Psychische Probleme hatte der mutmaßliche Täter schon seit Jahren, wie mehrere stationäre Aufenthalte in Fachkliniken zeigen. Der Gutachter bescheinigte ihm eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit impulsiven, dissozialen und paranoiden Anteilen. Nach eigenen Angaben wollte der 41-Jährige am Tag der Tat eigentlich die Ex-Partnerin zur Rede stellen. Doch weil er durch die Anwesenheit des neuen Freundes überrascht worden sei, sei die Situation eskaliert.

Der Gutachter schloss jedoch aus, dass der Angeklagte im Affekt handelte. Dazu habe er die Tat zu gut geplant, zu ruhig durchgezogen und danach zu bedacht gehandelt. Er warf etwa das Handy der schwer verletzten Cousine ins Gebüsch, bevor er flüchtete und versteckte sich nach eigenen Angaben über Tage so gut im Wald, dass er von Polizeihubschraubern nicht entdeckt wurde. Der Prozess ist bis zum 26. Juni terminiert.