Das geplante neue Großgefängnis bei Rottweil wird voraussichtlich deutlich teurer werden als das Land bislang veranschlagt hat. Im laufenden Planungswettbewerb für die Justizvollzugsanstalt mit 500 Haftplätzen hatte das Land den Planern und Architekten eine Kostenobergrenze von 118 Millionen Euro angegeben – aber inzwischen hat das Finanzministerium dem Landesrechnungshof für das Projekt bereits einen voraussichtlichen Gesamtkostenrahmen von bis zu 200 Millionen Euro gemeldet. Das bestätigte das Ministerium dem SÜDKURIER auf Anfrage.

Bei den 118 Millionen Euro in der Ausschreibung des Planungswettbewerbs habe es sich um eine frühe, „grobe Kostenschätzung“ gehandelt, sagte ein Ministeriumssprecher, die auf Vergleichsdaten von anderen Bauprojekten basierte. Doch inzwischen seien die Ansprüche an Bauten gewachsen, schon allein durch verschärfte Bauvorschriften etwa beim Energiebedarf.

Hohe Anforderungen am Hang

Zudem stelle die Lage der Baufläche an einem Hang zusätzliche Anforderungen, auch der Baugrund sei nicht einfach. Obendrein ist das Gelände nördlich von Rottweil bislang kaum erschlossen.

Das alles komme zwar nicht überraschend für das Land, so der Sprecher, die Details des Bauplatzes seien ja bekannt. Aber was das für die Kostenseite des Projekts nun konkret bedeute, habe ohne exakte Planung des Neubaus nur sehr grob geschätzt werden können. Nun gehe es ja gerade im laufenden Planungswettbewerb darum, anhand der Anforderungen des Justizministeriums belastbare Zahlen zu erarbeiten.

Als Zwischenstand ist das Ministerium inzwischen bei einer Zahl von 180 Millionen Euro gelandet, die noch um einen finanziellen Sicherheitspuffer von rund 20 Millionen ergänzt wurde, denn das Baukostenniveau steigt derzeit immer weiter an. Und bis das Projekt im Landeshaushalt mit Geld hinterlegt wird und damit umgesetzt werden kann, dürfte es noch eine Weile dauern. „Wenn es schnell geht“, so der Sprecher, sei damit frühestens für den Doppelhaushalt 2020/21 zu rechnen.

Dieser Kostenrahmen von 200 Millionen Euro wurde vorsorglich dem Landesrechnungshof gemeldet, der sich zwecks begleitender Prüfung in das Bauprojekt eingeschaltet hat. So eine Vorgehensweise sei zwar ein Ausnahmefall, biete sich bei großen Bauvorhaben aber an, so ein Sprecher.

Projektstand

Der Gefängnisneubau ist ein jahrzehntealtes Projekt, um insbesondere die alten Haftanstalten in Villingen, Rottweil und Hechingen zu ersetzen. Nachdem das Projekt in Tuningen in einem Bürgerentscheid abgelehnt wurde und das Land einen Standort bei VS-Weigheim wegen Problemen mit dem Baugrund und dem Grundstückzuschnitt verwarf, gab es in Rottweil bei einem Bürgerentscheid schließlich grünes Licht für den nun vorgesehenen Standort Esch. Im Rahmen eines Architekturwettbewerbs wurden aus mehr als 50 Arbeiten von Bewerbergemeinschaften aus Architekten und Freianlagenplanern 21 grundsätzliche Lösungsmöglichkeiten ausgewählt. Diese Konzepte werde nun vertieft, bevor das Preisgericht im Juni 2018 erneut tagt. (jdr)