Große Freude herrschte am Sonntag bei der jüdischen Gemeinde Rottweil/Villingen-Schwenningen. Denn nachdem man im vergangenen Sommer den Spatenstich für die neue Synagoge feiern konnte, gab es jetzt den Grundstein. Der kommt direkt aus Israel, genauer gesagt aus Jerusalem, vom Tempelberg. Er sei bei archäologischen Grabungen zu Tage gekommen, genau an der Stelle, an der einst der Tempel stand. Und nun ziert er die Wand der Synagoge, die im Rohbau schon beinahe fertig ist und Ende des Jahres eingeweiht werden soll.

Oberrats-Vorsitzender Rami Suliman hatte das organisiert, er versprach allen anderen Synagogen in Baden einen solchen Stein. „Das ist ein Freudentag“, betonte er vor zahlreichen Gästen, darunter neben vielen Gemeindemitgliedern auch Vertreter der Rottweiler Kirchen und des Gemeinderats. Besonders freute er sich darüber, dass der Bau so schnell vorangegangen ist, „das erfüllt mich und alle jüdischen Menschen mit Stolz und Dankbarkeit.“ Rottweil sei inzwischen zur Heimat der Gemeinde geworden, und „wer ein Haus baut, der will auch bleiben!“ Man strecke allen die Hand zum Zeichen der Freundschaft entgegen.

Der Grundstein, der so eingebaut wurde, dass er von jedem berührt werden kann, stelle die Verbindung zu Israel her. Denn diese sei sehr wichtig, damit habe man in Zeiten der Not eine Zuflucht. „Hätte es das vor 80 Jahren gegeben, hätte es die Shoa nicht gegeben!“ Oberbürgermeister Ralf Broß zeigte sich „froh und glücklich“ darüber, dass diese Zeremonie abgehalten werden könne. „Wir haben in Rottweil immer an die jüdische Kultur erinnert“, an das Unrecht, die Vertreibung, die Vernichtung der jüdischen Mitbürger. Mit dem Bau der Synagoge mitten in der Stadt, mitten in der Gegenwart, knüpfe man sichtbar an die Vergangenheit an. „Wir freuen uns mit Ihnen über diese Grundsteinlegung.“

Der Obere Neckar sei jahrhundertelang Heimat jüdischer Menschen gewesen, betonte Landrat Wolf-Rüdiger Michel, und lange Jahre nach der Shoa habe niemand daran gedacht, dass eines Tages wieder jüdisches Leben in Rottweil entstehe, doch dann seien vor 20 Jahren die Ersten aus der ehemaligen Sowjetunion gekommen, und nun dürfe man sich über den Neubau freuen. „Ich bin sicher, dass das hier ein Bau des Friedens sein wird.“ Das betonte auch Landesrabbiner Moshe Flomenman. Klein sei die Rottweiler Gemeinde, doch auch ein kleiner Stein könne große Bedeutung haben, nicht immer komme es auf die Quantität an. Die neue Synagoge solle ein Ort des Friedens, des Dialogs zwischen den Religionen werden, versprach er mit einem hebräischen Segensspruch.

Pfarrerin Gabriele Waldbaur hatte gleich einen dicken Umschlag mitgebracht. Als vor zwei Wochen die Maria von der Augenwende vom Münster in die evangelische Predigerkirche, ihren ursprünglichen Standort, umgezogen war, habe man dieses ökumenische Ereignis genutzt und Geld gesammelt. Ökumene bedeute nämlich nicht nur Dialog zwischen den christlichen Kirchen, sondern das Gespräch der Religionen miteinander. Tausend Euro hatte sie mitgebracht, die dankend angenommen wurden, immerhin muss die hiesige Gemeinde mit dem Neubau einiges schultern. Ganz überwältigt war Tatjana Malafy, langjährige Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde, von der großen Gästeschar, die dann den Stein gemeinsam mit Rami Suliman an der Wand anbrachte. Unter den Gästen waren auch Barbara Traub, Mitglied im Präsidium des Zentralrats der Juden und Mark Dainow, dessen Vizepräsident.

Grund zum Feiern, und daher gab's dafür nicht nur Beifall, sondern gleich noch Gesang: Masel Tov – Viel Glück.