Nach anfänglicher Begeisterung um die geplante Rottweiler Hängebrücke, die einmal die längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt werden sollte, gibt es nun ziemlichen Ärger zwischen Gemeinderat und Stadtspitze von Rottweil. Und zudem gibt es nun auf einmal zwei Investoren, von denen der erste, der Projektinitiator und Unternehmer Günter Eberhardt, erst aus den Medien von der Existenz eines Konkurrenten erfuhr. Obwohl das Vorhaben schon erfolgreich mehrere Hürden gemeistert hat, darunter einen Bürgerentscheid, gibt es nun Zweifel am Erfolg des Projekts.

Wie kam es soweit? Um den jetzigen Ärger zu verstehen, empfiehlt sich ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Vorhabens. Dessen Ausgangspunkt liegt schon fast zwei Jahre zurück. Initiator Günter Eberhardt hatte schon Anfang des vergangenen Jahres bekanntgegeben, dass er eine Hängebrücke zwischen Rottweils historischer Innenstadt und dem 246 Meter hohen Aufzugstestturm von Thyssenkrupp auf dem Berner Feld bauen wollte.

Denn bislang ist die Innenstadt von Rottweils neuer riesiger Attraktion, dem Testturm mit der bundesweit höchsten Aussichtsplattform für Besucher, zu Fuß nur mit einem etwas längeren Marsch zu erreichen: Zwischen Innenstadt und Berner Feld schlängelt sich das tief eingeschnittene Neckartal.

„Die Brücke dient der Anbindung des neuen Rottweiler Wahrzeichens an die Innenstadt mit ihren historischen Schätzen und Sehenswürdigkeiten und soll so dafür sorgen, dass die Besucher des Teststurms auf direktem Weg vom Turm zu den weiteren Attraktionen der ältesten Stadt Baden-Württembergs gelangen können“, erläuterte die Stadtverwaltung im Januar 2016 den Hintergrund des Projekts. Sechs Millionen wollte Eberhardt dafür in die Hand nehmen. Zudem sollte die Hängebrücke für Fußgänger selber zur Besucherattraktion werden – und mit 900 Metern Länge Weltrekordmaßstäbe erreichen.

Doch in Rottweil gab es bald auch Widerstand gegen dieses Vorhaben. Vor allem gegen den geplanten Einstieg am Bockshof, einem einstigen Friedhof am Rande der historischen Innenstadt hoch über dem Neckartal. Die Anwohner fürchteten Lärm, Müll, zu viele Touristen, andere eine Beeinträchtigung von Rottweils Stadtansicht.

Aber dann zeigte ein Bürgerentscheid im März 2017, dass Rottweil den Bau will: 71,6 Prozent stimmten dafür. Eberhardt wollte loslegen und schon im Sommer 2018 eröffnen. Auf seiner Homepage „NeckarLine“ findet man schon Details wie den Eintrittspreis von neun Euro.

Aber wieder hakte das Projekt, diesmal lag es an zwei Grundstücksbesitzern auf dem Berner Feld, die nicht verkaufen wollten. Also plante Eberhardt um, wollte den Brückenkopf etwas weiter weg vom Testturm ansetzen, aus 900 Metern sollte eine 606 Meter lange Brücke werden. Die restliche Strecke vom Brückenende zum Testturm wäre dann ein Fußweg voller Erlebnisse, versprach er. Und sagte: „Ich habe immer einen Plan B!“

Doch der gefiel offenbar manchem in der Stadtverwaltung nicht, man wollte die Rekordbrücke, scheint es. Das wurde bei einem Vorort-Termin im vergangenen Oktober erstmals deutlich: Der Bauausschuss des Gemeinderats versammelte sich vor Ort, auf dem Felsen, wo die Brücke landen soll. Mit dabei: Günter Eberhardt. Doch den beachtete kaum jemand. Eine offizielle Begrüßung gab es nicht. Eberhardt hatte ein Maßband dabei, wollte zeigen, wie lange der Fußweg von hier zum Turm ist, doch dazu kam es nicht.

In der anschließenden Gemeinderatssitzung gab OB Broß überraschend bekannt, dass man einen zweiten Investor habe, der mit den zwei Grundstücksbesitzern einig sei. Das verkündete er im nichtöffentlichen Teil der Sitzung, doch am nächsten Tag war die Sache Stadtgespräch. Und es hagelte Kritik, denn Günter Eberhardt hatte davon aus den Medien erfahren – die Stadtspitze hatte ihn nicht informiert.

Auch die Gemeinderäte fühlten sich komplett überfahren und auf die Zuschauerränge verbannt, denn auch sie bekamen ihre Informationen nur aus den Medien, nicht aus dem Rathaus. Doch die Kritik prallte an den historischen Mauern desselben erstmal ab, denn der OB weilte im Urlaub.

Und als er wieder da war, ruderte er kräftig zurück, versprach, sich mit beiden Investoren an einen Tisch zu setzen und betonte, man wolle Investor Eberhardt keineswegs verprellen. Der zweite Investor, Joachim Glatthaar, der in Waldmössingen eine Baufirma hat, ist jetzt allerdings im Vorteil, denn er hat die Zusagen der beiden Besitzer der strategisch wichtigen Grundstücke – allerdings noch keine Unterschriften unter den Verträgen.

Man darf also gespannt sein, was bei einem angekündigten Treffen von Stadtspitze und Investoren jetzt herauskommt. Und hoffen, dass die Stadt sich leichter tut mit ihrer Informationspolitik. Eine Rätin nannte das Vorgehen eine „Missachtung des politischen Gremiums“. Broß` Antwort: „Ich verstehe Sie, ich kann das nachvollziehen.”

Hängebrücke

Aktuell gibt Investor Günter Eberhardt auf der Projekthomepage als Planungsdaten eine Gesamtlänge von 606 Metern für die Fußgänger-Hängebrücke an. Sie soll 1,20 Meter breit werden und in maximal 43 Metern über Grund das Neckartal überbrücken. Um die Brücke in der Maximalhöhe von 43 Metern über Grund zu halten, soll sie von zwei Pfeilern mit je 45 Metern Höhe gestützt werden und von vier vollverschlossenen Tragseilen gehalten werden.