Rottweil (mka) Die Ohrfeigen zweier Polizistinnen für einen 28 Jahre alten Afghanen waren jetzt Anlass für Ärger im Prozess gegen 28-Jährigen vor dem Landgericht Rottweil. Dieser muss sich verantworten, weil er im Juli 2017 einen Mitbewohner in einer Spaichinger Asylunterkunft im Streit um das Verhalten der jeweiligen Kinder mit einer Grillgabel schwer verletzt haben soll.

Am Mittwoch wurden mehrere Zeugen gehört. Darunter war eine Hundeführerin, die in der Tatnacht von Kollegen dazugerufen worden war. Sie erzählte, in diesen Unterkünften sei das Mitnehmen von Hunden oft nötig, um sich Respekt zu verschaffen. Bei der Ankunft sei es aber relativ ruhig gewesen sei, daher hätten sie und ihre Kollegin die Tiere im Auto gelassen.

Dann hätten die Kollegen vor Ort sie gebeten, den jetzt Angeklagten aus dem Gebäude zu bringen, damit sie sich in Ruhe mit dessen Frau unterhalten könnten. Sie hätten ihn mit Handschellen gefesselt und auf das Trittbrett des Autos gesetzt – eine Rückbank gab es im Fahrzeug nicht, dafür Hundeboxen. Erst sei der 28-Jährige recht ruhig gewesen, dann aber mutiger geworden, habe den anderen Hausbewohnern in seiner Heimatsprache zugerufen und schließlich die Hunde in ihren Boxen gereizt, die dann zu bellen anfingen.

Er habe trotz Aufforderungen nicht damit aufgehört, und sie und ihre Kollegin hätten befürchtet, dass die Situation nun doch eskaliere. Daher habe ihm erst die Kollegin und dann sie selbst eine Ohrfeige verpasst. Dann sei er ruhig gewesen. Sie sagte, "man muss gucken, dass man gesund aus so einer Situation rauskommt!"

Die Ohrfeigen kamen aber erst durch den Angeklagten selbst auf den Tisch, im Einsatzprotokoll war davon nichts vermerkt. Das gefiel dem Gerichtsvorsitzenden Karlheinz Münzer nicht. Die Beamtin musste sich mehrfach dafür entschuldigen. "Diese Männer hören nicht auf Frauen, auch nicht auf Beamtinnen!", verteidigte sich die Zeugin.

Deutlich wurde am Mittwoch durch mehrere Zeugenaussagen, dass der Angeklagte und sein 52 Jahre altes Opfer tatsächlich beste Freunde gewesen waren, "wie Brüder", so ein ehemaliger Mitbewohner. Allerdings hätten sich ihre Frauen weniger gut verstanden, und vor allem unter den Kindern sei es immer wieder zu Streit gekommen.

Wie berichtet eskalierte das Ganze am 7. Juli 2017, als offenbar ein Streit wegen des Verhaltens der Kinder der beiden Männer ausbrach. Am Abend hatten sich die Väter darüber unterhalten. Der 52-Jährige erzählte vor Gericht, man habe sich erst geeinigt. Doch dann habe ihm der Jüngere vorgeworfen, seine Frau angegriffen zu haben, und habe losgeprügelt. Ein anderer Mitbewohner sei dazwischengegangen, die Security kam. Doch der 28-Jährige habe dem Älteren eine Grillgabel zweimal in den Kopf gestoßen, woran der Ältere fast verblutet wäre, so die Anklage. Der Prozess wird am 15. Februar fortgesetzt.