Eine lange Tradition hatte im „Schlanz“ in Niedereschach, in der heutigen Rottweiler Straße, der Nachtvogel hoch oben auf dem Dach des Hauses Nummer 20. Entsprechend traurig waren viele Menschen, als der Vogel, der über Jahrzehnte Wind und Wetter getrotzt hatte, vom Sturmtief „Burglind“ zerstört wurde. Nun wurde zur Freude der Bewohner im „Schlanz“ ein neuer Nachtvogel montiert.

Kinder haben Heidenrespekt

Auch wenn es heutzutage etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint, hat Schmuck auf Häuserdächern eine lange Tradition. Das Gebäude in der Rottweiler Straße mit der Hausnummer 20 ist bereits über 100 Jahre alt. Es kann davon ausgegangen werden, dass mit dem Bau des Gebäudes vor über einem Jahrhundert der bisherige Adler aufs Dach kam. Er symbolisiert Schutz und Stärke. Über Generationen hinweg war der Adler den Niedereschachern bekannt. An der Durchgangsstraße gelegen, war er von Weitem erkennbar und insbesondere für die jugendlichen Bewohner im „Schlanz“ ein Begriff. Gerade die Kinder hatten früher einen Heidenrespekt vor dem Nachtvogel, der stets darauf achtete, dass man rechtzeitig vom Ausgang nach Hause heimkam. Heute vielleicht pädagogisch überholt, damals aus Elternsicht sicherlich ein willkommener Gehilfe zur Einhaltung der Sperrstunde.

15 Kilo schwerer Adler stürzt ab

Sturmtief „Burglind“ war dem zwischenzeitlich doch etwas in die Tage gekommenen Gesellen dann zu viel. Eine Böe riss den etwa 15 Kilo schweren Adler am 2. Januar 2018 vom Dach und er zerschellte am Boden. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden. An eine Reparatur war nicht zu denken. Anfängliche Überlegungen, im 3-D-Druckverfahren eine Replik anzufertigen, scheiterten. Letztendlich kam nur eine manuelle Nachbildung in Betracht.

Die schwierige Suche nach einem Fachbetrieb

Einen Fachbetrieb zu finden war schwierig. Das Original soweit zusammenzubauen und fehlende Stücke zu ersetzen, dass es als Vorlage dienen konnte, wurde durch Steinmetzmeister Lars Vogt (Steinmetzmeister) möglich. Für die Herstellung einer Nachbildung bedurfte es dann doch viel Geduld. Nach intensiver Recherche im Internet, vielen Telefonaten und einem fast gesprengten Brennofen in der Porzellanstadt Meißen wurde mit dem Kunsthaus Bodenmais im Bayrischen Wald ein Fachbetrieb gefunden, der in der Lage war, in alter Handwerkskunst nach Vorlage des Originals eine Replik herzustellen. Mit vereinten Kräften wurde der „Junior-Nachtvogel“ unter der Leitung von Zimmermeister Daniel Engesser mit Unterstützung von Schlossermeister Michael Konrad und Lars Vogt nun wieder montiert – verbunden mit der Hoffnung, dass er wie sein Vorgänger wieder 100 Jahre überdauert.

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