In der jüngsten Gemeinderatssitzung gab es eine kontroverse Diskussion um die Frage, ob die Gemeinde, so wie in einem Antrag der Grünen vom November 2019 gefordert, dem „Klimaschutzpakt Baden-Württemberg„ beitritt und am Zertifizierungsverfahren für kommunale Energieeffizienz und Klimaschutz, dem „European Energy Award“ teilnehmen soll. Eine Entscheidung ist nicht gefallen, das Gremium will eine Teilnahme nochmals überdenken. Dass die Gemeinde ja bereits mit der Umstellung der Straßenbeleuchtung, Umstellung gemeindeeigener Heizanlagen und vor allem der Ben-Fernwärmeversorgung schon etliche wertvolle Beiträge zum Klimaschutz geleistet hat, hatte Bürgermeister Martin Ragg schon im Vorfeld der Diskussion erläutert. Trotzdem sollte man ein Gesamtbild erhalten, wie die Gemeinde in Sachen Klimaschutz dasteht.

Dies sah der Klimaschutzexperte der Energieagentur Schwarzwald-Baar, Tobias Bacher, der die Ziele eines Klimaschutzkonzeptes erläuterte, nicht anders. Bacher erklärte dazu in seinem Vortrag, der speziell auf die Struktur Niedereschachs zugeschnitten war, Schritt für Schritt die Fragen, was sinnvolle Schritte wären und welche Förderungsmöglichkeiten es zur Realisierung eines Klimaschutzkonzeptes gibt.

Er zeigte deutlich auf, wie sich die Temperaturkurve und die CO² Emmissionen in Baden-Württemberg seit 1881 nach oben entwickelt habe. Es gebe also dringenden Handlungsbedarf, um den Anstieg dieser Kurven zu verlangsamen. Dies sei eine Aufgabe, die jedoch nur gemeinschaftlich gelöst werden könne, mit entsprechenden Zielsetzungen in Sachen Klimaschutz. Zum Beispiel mit einem kommunalen Energiemanagement, wie es in Niedereschach ja bereits vorhanden sei, mit dem Ziel einer lokalen Wertschöpfung, höherem Einsatz erneuerbarer Energien, Image-Gewinn und Bewusstseinsbildung, sowie Schaffung eines attraktiven und zukunftsfähigen Standorts für Familien und Unternehmen. Und am Ende stünde die Zertifizierung „European Energy Award“, wobei Tobias Bacher auch die vielen möglichen Wege einer Förderung und Bezuschussung aufzeigte.

In den Augen etlicher Gemeinderäte, allen voran Rüdiger Krachenfels und Michael Asal, sei dies nichts anderes als eine „Effekthascherei“, wie es sich in der dem Vortrag anschließenden Diskussion zeigte. „Denn die ganzen Klimaschutzmaßnahmen bringen nichts, wenn sich die Einstellung der einzelnen Bürger nicht ändert“, betonte Rüdiger Krachenfels. Dies auch mit Verweis auf die Landesregierung, die seiner Meinung nach die schlechteste CO²-Bilanz in der in der gesamten Bundesrepublik aufweise. Die Landesregierung solle erst einmal mit gutem Beispiel voran gehen. Deutliche Worte fand auch Siggi Reich. „Sind sie der Meinung, dass die E-Mobilität umweltschonender ist wie die Verbrennungsmotoren, sind sie der Meinung, dass der Strom aus der Steckdose kommt und die Batterien vom Himmel herunterwachsen?“. Man müsse alles betrachten, nicht nur einzelne Rosinen herauspicken. Das E-Mobil sei umweltfreundlich, dort wo es gerade fährt, aber Umweltbelastungen entstünden auch dort, wo sie produziert werden, und auch der Strom für den Betrieb müsse ja auch erzeugt werden. Dem Stichwort „Effekthascherei“ von Rüdiger Krachenfels konnte sich Oliver Bumann nicht anschließen: „Eine Co²-Bilanz dient ja gerade dazu, diese Effekthascherei aufzudecken oder gar nicht entstehen zu lassen.“ Es könne damit fundiert bewertet werde, wie am Beispiel der Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED, ob es etwas bringe oder nicht. „Das Problem ist, dass viele gute Dinge gemacht werden, aber sie entziehen sich eben der Kontrolle, weil man zum Beispiel keine CO²-Bilanzierung macht“, so Bumann.

Auf die Frage des Vorsitzenden ins Gremium, ob man nun am „European Energy Award“ teilnehmen solle oder nicht, meldete sich Michael Asal zu Wort und betonte, dass man keine „Schnellschüsse“ machen sollte und eventuell auf Folgekosten sitzen bleibt. Auf die weitere Frage, ob dies allgemeiner Konsens im Rat sei, folgte Bürgermeister Ragg dem Vorschlag Asals, sich die Geschichte nochmals zu überlegen und die Sache vorerst auf sich beruhen zu lassen.

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