Einige ältere Einwohner Niedereschachs werden sich vielleicht an einen alten Brauch erinnern, der in der dunklen Jahreszeit, also in der Adventszeit und rund um die Weihnachtszeit, im Ort gepflegt wurde: „Z‘Licht gange“ oder „z‘Stube gau“.

  • Geschichte: Lange war der Brauch Alltag bei den Menschen im ländlichen Raum, bis in die 50er Jahre hinein. Von den historischen Hintergründen dazu weiß die Niedereschacher Buchautorin Doris Benz im Detail zu berichten. Demnach trafen sich Nachbarsfamilien während der dunklen Jahreszeit abwechselnd in ihren Bauernstuben. Denn elektrisches Licht sei noch eine Seltenheit und Strom kostspielig gewesen. Vielmehr seien Öl- und Tranlampen, Fackeln und Kerzen die einzigen Lichtquellen auf dem Land gewesen, zumal Kerzen ebenfalls teuer gewesen seien. Daher habe man sich bei Einbruch der Dunkelheit auf den Weg zum Nachbarn gemacht, sei aus dem Bedürfnis nach Licht und Wärme enger zusammengerückt. Man habe die Zeit für Handarbeiten, für den Austausch von Neuigkeiten sowie auch gerne fürs gemeinsame Singen, Musizieren und Geschichten erzählen genutzt – und „für so manches Paar war der Gang zum Licht der Grundstein für die darauffolgende Hochzeit“, so die Autorin.
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  • Brauchtumspflege: Dieser Brauch ist noch nicht in Vergessenheit geraten, auch die heutige Generation erfreut sich daran – wenn nicht gerade Corona-Pandemie herrscht. So auch Birgit Brommer-Grießinger. Bei ihr ist es Tradition, dass sie um die Advents- und Weihnachtszeit Freunde und Bekannte zu sich einlädt. Oder man trifft sich im Wechsel bei den Beteiligten, um Geschichten zu erzählen, ein Tässchen Tee zu trinken, dazu Gebäck zu knabbern oder auch zu musizieren.

Wenngleich es nicht mehr der Kienspan ist, der das Licht zum gemeinsamen Erleben spendet, so erfreut man sich in dieser Tradition doch, wie in althergebrachten Zeiten, am Zusammensein und an der Gemütlichkeit in einer wärmenden Stube. An die Tradition des „Z‘ Licht goh“ erinnert es auch, wenn sich die Frauen in der Adventszeit zum Jahresabschluss in Anlehnung an die alten Sitten und Gebräuche, ebenfalls bei Kerzenlicht, Musik, Erzählungen und Geschichten, zum gemeinsamen Austausch treffen.

Ein Zeitzeuge des alten Brauchtums mit einem großen Schatz an alten Bräuchen und Geschichten ist mit seinen 85 Jahren der Kappeler ...
Ein Zeitzeuge des alten Brauchtums mit einem großen Schatz an alten Bräuchen und Geschichten ist mit seinen 85 Jahren der Kappeler Hermann Braun. | Bild: Gerd Jerger
  • Zeitzeuge erzählt: Einer, der mit seinen 85 Jahren noch einen schier unerschöpflichen Schatz an alten Bräuchen und Geschichten vom ehemaligen „Z‘Licht goh“ zu erzählen weiß, ist Hermann Braun, der Vater des Kappeler Ortsvorstehers. Was heute schnelllebig durch die Medien fegt und morgen schon wieder vergessen ist, ist im Gegensatz dazu in seinem Gedächtnis festgebrannt, und es ist wahrlich faszinierend, ihm zuzuhören, was er da alles an Geschichten von diesen Brauchtumsabenden zu erzählen weiß. Vom „Raubzieg fange“, zum Beispiel Marder, und wie der „Schmied-Franz“ oben in einer benachbarten Scheune fürchterlich geschrien habe: „Rosi, i hang“, nachdem er sich unberechtigt der beiden Eier bemächtigen wollte, die zum Fangen des Marders gedacht waren, und er mit beiden Händen in den Fangeisen steckte. Oder was seine Großmutter noch erzählte, wie in Niedereschach beim Anwesen Melanie Rieble, damals sei dort ein Brunnen gewesen, eine Magd beim „Z‘Licht goh“ zum Wasserholen hinausgeschickt wurde und man nach ihren fürchterlichen Hilfeschreien hinausstürzte und ein beherzter Teilnehmer einen „Heuliecher“ geschnappt und den dem Wolf, der sich bereits in das Mädchen verbissen hatte, „in den Ranzen gejagt hat“. Der Wolf sei drei Tage später auf Zimmerner Gemarkung verendet gefunden worden, und seither habe der Brunne den Namen „Wolfsbrunnen“ getragen.