Die Tradition des Nikolauslaufens wird seit 1957 in Niedereschach unter Regie des Trachtenvereins Reckhölderle liebevoll gepflegt und findet großen Zuspruch seitens der Bürger.

  • Aufwendige Organisation: Beim Nikolauslaufen herrscht an zwei Tagen reges Treiben in den Räumen des Trachtenvereins. Alle Mitglieder, in dem Fall in erster Linie die männlichen Aktiven, werden gebraucht.
Vor dem Anlegen der Nikolaus-Ausstattung wird diese auch von Claus Stange nochmals inspiziert
Vor dem Anlegen der Nikolaus-Ausstattung wird diese auch von Claus Stange nochmals inspiziert | Bild: Gerd Jerger

Auch Tanzleiterin Anita Reich sitzt schon Wochen vorher allabendlich im Büro und nimmt die Anmeldungen zu den Nikolausbesuchen entgegen, sammelt die Wünsche der Kinder, notiert, was diese das Jahr über gut gemacht haben, oder aber, warum der Knecht Ruprecht ihnen die Rute zeigen soll. Schließlich erstellt sie den Einsatzplan für die Teams, die dann an zwei Tagen unterwegs sind.

  • In kurzer Zeit nicht mehr zu erkennen: Für den Nikolaus stehen den Helfern des Trachtenvereins vier Garnituren parat – von der Bischofsmütze und dem Stab bis zur Rute des Knecht Ruprechts. An Personal mangele es bisher nicht, so der Trachtenvereins-Vorsitzende Claus Stange, während er sich das Bischofsgewand überstülpt, den weißen Rauschebart anlegt und die Mitra aufsetzt. 18 Helfer stehen für die Einsätze in den Familien bereit, acht Besuche sind es im Schnitt pro Abend für jedes Team, dazu kommen die Vereinsbesuche, das Adventsdörfle und die Kindergärten.
Gespannt lauschen Enya und Enrico, was der Nikolaus an Lob und Tadel vorzutragen hat.
Gespannt lauschen Enya und Enrico, was der Nikolaus an Lob und Tadel vorzutragen hat. | Bild: Gerd Jerger
  • Ohne Rute geht es auch: Im Gegensatz zu vor 50 Jahren wird ein unartiges Kind nicht etwa von Knecht Ruprecht in den Sack gesteckt oder mit der Rute vertraut gemacht – pädagogisch wird gearbeitet. Es gebe dazu, so Claus Stange, pädagogische Merkblätter für jeden, der als Nikolaus Hausbesuche macht. „Wir sind alle Familienväter und wissen, was zeitgemäßer Umgang mit Kindern beinhaltet. Das Bonifatiuswerk bietet in Zusammenarbeit mit dem Europapark Rust ein Nikolausseminar an, das wir besucht haben.“
  • Der Nikolaus vor Ort: Enya und Enrico, die vier- und zehnjährigen Kinder von Frank und Evelyn Dörflinger öffnen erwartungsvoll die Haustür, als Andreas Veit als Nikolaus mit Dominik Jerger als Knecht Ruprecht klingeln und um Einlass bitten. Von festlicher Musik untermalt, haben die Eltern den Besuch vorbereitet und sitzen zusammen mit den Großeltern auf der Couch. Alle sind gespannt, was der Nikolaus berichten wird. Zuerst tragen die Kinder ein Lied vor: „Niklaus ist ein guter Mann“, spielt Enrico auf der Mundharmonika und Enya singt dazu.
„Hey, sing mal gefälligst mit“, fordert Mundharmonika-Solist Enrico seine Schwester auf.
„Hey, sing mal gefälligst mit“, fordert Mundharmonika-Solist Enrico seine Schwester auf. | Bild: Gerd Jerger

Dann ist es so weit: Der Nikolaus schlägt sein goldenes Buch auf. Dass Enrico neben Mundharmonika auch noch begeistert Schlagzeug und Flöte spielt, wird lobend erwähnt. Dass die beiden oft miteinander streiten, bekommen die beiden auch zu hören. Trotzdem überwiegen die positiven Einträge im Goldenen Buch, sodass die Kinder die Geschenke aus dem großen Sack des Knecht Ruprecht nehmen dürfen.

  • Fazit: Dem Trachtenverein ist es wichtig, dass die Bedeutung des heiligen Nikolaus den Kindern bewusst bleibt. Bei der Freude und den strahlenden Kinderaugen von Enrico und Enya wird deutlich, wie schön es ist, dass es diesen Brauch im Ort noch gibt.