Mal weg vom kommunalpolitischen Geschehen – wie bewahren Sie eigentlich Ihre von vielen immer wieder bewunderte drahtige Statur bei einem Job, der sich doch hauptsächlich hinterm Schreibtisch abspielt? Im ersten Interview kurz nach ihrem Amtsantritt sprachen Sie davon, wieder mehr Sport treiben zu wollen und zu joggen, wenn Ihr Haus steht und der erwartete Nachwuchs da ist?

Ein wenig Nordic Walking, ansonsten ist es leider bei den guten Vorsätzen geblieben. Mit unserem Hund gehe ich hin und wieder spazieren, aber der ist inzwischen auch 15 Jahre alt; scheint also eher Veranlagung zu sein.

Auch Ihre musikalische Ader ist unverkennbar und kommt hervorragend an, ob beim Vorspiel mit der Trompete bei Vereinsfesten oder beim Kirchenkonzert mit dem Jakobus Kirchenchor.

Es freut mich und ich habe einfach Spaß daran, dass ich mich hier im Ort immer wieder musikalisch einbringen darf. Die Musik ist aber auch ein wichtiger Ausgleich für mich. Wenn ich geschafft nach Hause komme und dann die Trompete spiele, fühle ich mich schnell wieder besser.

Ebenfalls bei Ihrem Amtsantritt hatten Sie erklärt, keine riesigen Gewerbeflächen ausweisen zu wollen, sondern wie bisher nach Bedarf entwickeln. Das nun neu geplante Gewerbegebiet „Zwischen den Wegen II“ stößt wegen seiner Dimensionen wohl nicht auf ungeteilte Zustimmung?

Ganz bewusst haben wir uns im Gemeinderat entschieden, in Zukunft langfristiger zu planen. Beim bisherigen Bestandsgewerbegebiet, dessen beeindruckende Entwicklung und heutige Größe gar nicht vorhersehbar war, wurde immer wieder angestückelt. Dies hatte den Nachteil, dass dann, im Nachhinein, etwa eine weitere Zufahrt improvisiert werden musste. Dies ist aufwändiger und letztendlich teurer, als wenn man von vornherein größer plant. Der Gemeinderat war sich 2015 hier einig, bei unserem neuen Gewerbegebiet wollen wir hieraus Lehren ziehen und lieber größer Planen und dann aber lediglich Stück für Stück umsetzen. Und was wir derzeit in „Zwischen den Wegen II“ ausweisen wollen sind 6,7 Hektar. Dabei geht es uns in erster Linie darum, den Bedarf unserer einheimischen Betriebe und Unternehmer zu bedienen. Wir betreiben auch keine aktive Ansiedlungspolitik wie andere Gemeinden; so schalten wir etwa keine Anzeigen. Insofern ist es wirklich maßvoll und am Bedarf orientiert, was wir planen. Ich möchte aber auch in Erinnerung rufen, dass unsere örtlichen Unternehmen, durch ihre Steuern und Abgaben einen ganz entscheidenden Beitrag zur Finanzierung der ständig steigenden Kosten unserer Gemeinde leisten, welcher ansonsten von den Bürgerinnen und Bürgern auch noch geschultert werden müsste.

Ein Thema, das seit über 30 Jahren die Gemüter bewegt, ist die Ortsumgehung. Nach einem neuen Anlauf hatten Sie im Frühjahr noch erklärt, dass der Bebauungsplan für eine Südumfahrung noch in diesem Jahr Rechtskraft erlangen könnte, wenn alles nach Plan verläuft. Bei lediglich 60.000 Euro, die im kommenden Haushaltsplan dafür eingestellt sind, kann sich da ja sicherlich nicht viel tun?

Zugegeben, eine ganz schwierige Situation. Immer mehr Gutachten werden gefordert, und darin die Anforderungen, was alles noch untersucht werden muss, in die Höhe geschraubt. Dazu das Verhalten des Verkehrsministeriums, das aufgrund der Gefährlichkeit der Dauchinger Straße einerseits, deren unmittelbare Sperrung für den Schwerlastverkehr androht. Und auf der anderen Seite werden wir, trotz zahlloser Gespräche und Ortstermine, von diesem Ministerium schlussendlich hängen gelassen, wenn wir nach einer verbindlichen Zusage für eine Bezuschussung des Straßenbauprojekts fragen. Inzwischen dürften sich die Kosten für die Südumfahrung bei schätzungsweise rund fünf Millionen Euro bewegen; von der Gemeinde Niedereschach alleine ist dies nicht zu stemmen. Wir entlassen hier nicht das Verkehrsministerium aus seiner Verantwortung. Vielmehr erwarten wir, nach einem direkten Gespräch mit Verkehrsminister Winfried Hermann im Herbst diesen Jahres, entsprechende Signale aus Stuttgart, wie sich das Land Baden-Württemberg die Zukunft seiner Dauchinger Straße vorstellt.

Aber es konnte im abgelaufenen Jahr doch auch Vieles erreicht und umgesetzt werden. Was freut sie da besonders?

Einmal, dass wir jetzt den Friedhof, unser großes Bürgerbeteiligungsprojekt, zum Abschluss gebracht haben mit allen von den Bürgerinnen und Bürgern gewünschten Bestattungsformen. Und dass neue Bestattungsformen auch auf unseren Ortsteilsfriedhöfen umgesetzt werden. Ganz besonders bewegt hat mich die Gründung unserer neuen Nachbarschaftshilfe Bürger für Bürger eG, ein Thema, auf das ich in den letzten Jahren von vielen Bürgern und Bürgerinnen immer wieder angesprochen wurde. Vor allem, dass das Projekt auf so viel Resonanz und freiwilliges Engagement gestoßen ist, wir Menschen mit viel Fachkompetenz und Einsatzbereitschaft dazu gewinnen konnten, und dass diese sich trauen, mitzumachen. Wir verfolgen hiermit das konkrete Ziel, dass unsere älteren Mitbürger länger in ihren vertrauten vier Wänden wohnen können und nicht bei ersten Gebrechen schon in einem Heim untergebracht werden müssen.

Erfreulich finde ich zudem, dass wir im Gemeinderat, nach der Umrüstung unserer 880 Straßenlaternen auf LED-Technik, weitere Klimaschutzprojekte umsetzen wollen, bei denen auch der Bürger erkennt, hier passiert wirklich etwas Sinnvolles sowohl für das Klima, als auch die Gemeindekasse. Ich denke hier beispielsweise an die im Jahr 2020 anstehende Erneuerung der alten Ölheizung in der Schlierbachhalle, welche mit dem Haus der Vereine in Schabenhausen verbunden wird.

Und natürlich die Auszeichnung der Gemeinde als Gründer- und Bio-Energiedorf, zusammengefasst eine einmalige Kombination, die es sonst nirgendwo in Deutschland gibt. Wir können heute stolz sein auf das große Nahwärmeprojekt der Bürger-Energie-Niedereschach eG, welche dieses mit einem großen finanziellen Risiko und einem unglaublichen, ehrenamtlichen Engagement in den Jahren 2013 bis 2016 professionell gestemmt hat. Und damals musste man den Einsatz für den Klimaschutz ja auch noch begründen, das ist heute anders.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte und Anstrengungen und für das kommende Jahr und auf was freuen Sie sich?

Auch im kommenden Jahr stehen unsere größten Investitionsprojekte, allen Voran, die weitere Sanierung und Anbau der Gemeinschaftsschule Eschach-Neckar sowie die anstehende Fertigstellung der Schloßberghalle in Kappel im Mittelpunkt. Und natürlich freue ich mich auf ein Wiedersehen mit unseren Freunden aus unserer spanischen Partnergemeinde in Arzúa, beim dortigen Besuch und dem gemeinsamen Abschluss nach der geplanten 100-Kilometer-Wanderung einer Delegation von Niedereschacher Bürgern auf dem berühmten Jakobsweg.

Fragen: Gerd Jerger

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