Ein abwechslungsreiches erstes Halbjahr liegt hinter der Gemeinde. Es wurde auf der einen Seite gefeiert, auf der anderen Seite gab es aber auch Grund, sich zu ärgern. Im Sommerinterview spricht Bürgermeister Martin Ragg über die Höhen und Tiefen des bisherigen Jahres 2018.

  • Wohnraum: Das Thema Wohnungsnot ist auch in Niedereschach in der Diskussion. Im April konnte das Richtfest für den fünften Bauabschnitt des Betreuten Wohnens in der Wohnanlage Eschachpark gefeiert werden. "Es freut uns sehr, dass sehr viele von diesen 24 neuen Wohneinheiten als Mietwohnungen zur Verfügung gestellt werden, sodass auch Menschen, die sich keine Eigentumswohnung leisten können oder wollen, dennoch in das Betreute Wohnen kommen", sagt Bürgermeister Martin Ragg. "Wir spüren zudem eine erhöhte Nachfrage aus verschiedenen Altersgruppen, die dringend eine Wohnung suchen. Deshalb freuen wir uns, wenn sich Möglichkeiten auftun, mit denen mehr Wohnraum geschaffen werden kann."

Gleichzeitig zeige sich an dem jüngsten Beispiel vom Mehrfamilienhaus im Lindenweg, gegen das Anwohner eine Unterschriftenaktion gestartet haben, dass es zu Spannungen kommen könne. "Dann muss man, innerhalb der rechtlichen Vorgaben, entsprechende Lösungen finden. Das ist nicht immer einfach, denn die Beteiligten müssen aufeinander zugehen", ist Ragg überzeugt. Auch in Sachen Eigenheim tut sich einiges in Niedereschach. So entstehe als nächstes in Schabenhausen das Wohngebiet Badäcker II. Weitere Wohngebiete seien im Gespräch und in der Prüfung.

  • Gewerbe wächst: Ebenso im Wachstum ist die Gewerbefläche im Ort. So ist eine Erweiterung auf dem ehemaligen Gelände des Reitvereins geplant. "Das Reitgelände hat die Gemeinde infolge der Insolvenz des Reit- und Fahrvereins zurückerworben. Dieses etwa zwei Hektar große Gebiet gilt es nun planerisch zu entwickeln", sagt Bürgermeister Ragg. „Dort könnten dann zwei einheimische Unternehmen ansässig werden. Es hat sich bewährt, dass wir bei der Gewerbeflächenentwicklung vorausdenken. Es wäre fatal, einem Unternehmen im Wachstum keine Fläche anbieten zu können“, sagt Ragg, "weil dann die Gefahr besteht, dass wir das Unternehmen mit seinen Arbeitsplätzen schlichtweg verlieren."
  • Erfolg mit Existenzgründungsoffensive: Weit über die Region bekannt ist Niedereschach dank dem Projekt Egon, der Existenzgründungsoffensive Niedereschach. So wurde Martin Ragg im Januar vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg eingeladen, Egon im Rahmen des neuen Landeswettbewerbs "Gründungsfreundliche Kommune" in Stuttgart vorzustellen. Auch nach Ingolstadt, Magstadt und erneut nach Berlin, ins Bundeswirtschaftsministerium, wurde Bürgermeister Ragg kürzlich eingeladen, um die außergewöhnliche Gründungsinitiative und deren Entwicklung zu erläutern. "Das große, bundesweite Interesse an Egon und Niedereschach ehrt und hilft uns, auch bei anderen Belangen der Gemeinde, sehr", sagt Martin Ragg.

Dadurch, dass Egon seit Oktober 2017 gemeinsam mit Dauchingen sowie Deißlingen getragen und auch ein spezialisierter Wirtschaftsförderer eingestellt werden konnte, habe das Projekt zusätzliche Dynamik erhalten. "Es zeigt sich, dass in allen drei Gemeinden ein Gründer- und Unternehmergeist weht", freut sich Ragg. Gemeinsam plane man weitere Aktionen, um das Thema Existenzgründung und Unternehmensnachfolge weiter in das Bewusstsein der Menschen zu rücken. "Man spürt bereits nach so kurzer Zeit: Immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer aus allen drei Gemeinden sind froh, nun eine kompetente und sehr gut vernetzte Anlaufstelle zu haben. Das stärkt unsere drei Wirtschaftsstandorte ungemein und sichert die für uns so wichtigen Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen“.

  • Südumfahrung: Wieder Fahrt aufgenommen hat in den vergangenen Monaten das Thema Südumfahrung. „Die letzten Gutachten werden derzeit erstellt und sollen dann im Gemeinderat vorgestellt werden“, sagt Martin Ragg. Danach werde eine Einwohnerversammlung anberaumt, in der sodann alle Gutachten den Bürgerinnen und Bürgern präsentiert werden. "Wir kommen voran. Zudem hat uns das Land signalisiert, dass man die Südumfahrung im Rahmen der anstehenden Evaluierung der Landesstraßenprojekte nochmals genau prüfen wird." Die Hoffnung der Gemeinde sei, dass die Straße dann als Landesstraßenprojekt realisiert wird.
  • Endlich ein Fußgängerüberweg: Erfolg hatte die Hartnäckigkeit, mit der die Gemeinde für einen weiteren Fußgängerüberweg in der Villinger Straße gekämpft hat. "Das ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in der Villinger Straße", freut sich Bürgermeister Ragg. Rechtlich sei bereits alles geklärt, man müsse nun noch auf die Ausführung warten. Das zuständige Straßenbauamt versuche dabei sein Möglichstes, um das beauftragte Unternehmen zu einer zeitnahen Umsetzung zu bewegen. Auch in Kappel freut man sich, nach jahrzehntelangem Kampf, über einen Fußgängerüberweg Im Schlossberg, den die Experten der Verkehrsschau in Anwendung einer neuen Richtlinie nun angeordnet haben. "Wir haben hier einen Kindergarten- und Schulweg sowie Senioren, die diese Kreisstraße queren müssen", erklärt Bürgermeister Ragg. Beide Maßnahmen sollen zeitgleich umgesetzt werden.
  • Stockender Breitbandausbau: Einen Rückschlag gab es in Fischbach. Denn die Förderung des Landes für den Breitbandausbau hat sich durch ein neues Kriterium verkompliziert. Ernsthafte Sorgen macht das Bürgermeister Ragg aber nicht. "Es zeigt sich einmal mehr, dass wir im Schwarzwald-Baar-Kreis den richtigen Weg gegangen sind, als wir den Zweckverband Breitbandversorgung gegründet haben." Dieser habe die Kompetenz und die Ideen, auf solche Situationen adäquat zu reagieren. In Fischbach soll nun ein Messverfahren zum Einsatz kommen, das eigens mit der Hochschule Furtwangen entwickelt wurde. "Dafür sind wir auf Privathaushalte angewiesen, die bereit sind, eine kurze Zeit lang, ein kleines Kästchen installieren zu lassen", sagt Ragg. Damit werde die Geschwindigkeit des Internets gemessen. Er ist zuversichtlich, dass anschließend die entsprechenden Nachweise für das neue Kriterium dargelegt, die wichtige Landesförderung sodann bewilligt und schließlich der Ausbau fortgesetzt werden kann.
  • Schulsanierung läuft: Der erste Sanierungsabschnitt der Gemeinschaftsschule Eschach-Neckar steht kurz vor der Fertigstellung. "Dieser erste Bauabschnitt ist sehr gut gelungen", meint Bürgermeister Ragg. Nun will man den Blick auf die nächsten Abschnitte richten. Insgesamt sind etwa zehn solcher Abschnitte vorgesehen und "jeder einzelne Bauabschnitt ist für uns ein Riesenprojekt", sagt der Bürgermeister. Diese herausfordernde Investition für unsere Kinder sei aber ein deutliches Signal für die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde Niedereschach.