Ob dem Kind nun die Bezeichnung Neujahrsempfang gegeben wird, wie jüngst von einigen Vereinsvorständen gefordert, oder Brotspende, oder auch, wie in diesem Jahr zum ersten Mal, um allen Wünschen gerecht zu werden "Neujahrsempfang mit Brotspende" – als eine der gesellschaftlich-kulturellen Glanzlichter der Gemeinde Niedereschach hat die Veranstaltung nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt, wie es sich auch am Sonntag wieder in der vollbesetzten Eschachhalle zeigte. Dass es jedoch auch weiterhin die Brotspende sein dürfte, die schon von ihrer Tradition her auch weiterhin den tieferen Sinn dieser Veranstaltung vorgibt, das war sowohl aus den Begrüßungsworten von Bürgermeister Martin Ragg wie auch den Segensworten von Pfarrer Peter Krech deutlich herauszuhören.

Gereicht wurde die gestrige, inzwischen bereits 33. Brotspende, bei der kostenlos für alle anwesenden Bürger Schmalz-, Butterbrote und Most gereicht wurden, von der Feuerwehr Niedereschach. Und Gesamtkommandant Jürgen Seeman war es denn auch ein ernstes Anliegen, in seinen Begrüßungsworten auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Feuerwehren hinzuweisen, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass sich im Selbstverständnis der Städte und Gemeinden, aber auch der Bevölkerung einiges ändern müsse, sollten die Pflichtaufgaben der Feuerwehren auf Dauer und für die nächsten Jahre Bestand haben. Bis 2035 werden bei den ehrenamtlichen Einsatzkräften über die Hälfte der heutigen Mitglieder die gesetzlich vorgegebene Altersgrenze von 65 Jahren erreicht haben und damit altersbedingt ausscheiden. "Entweder in hauptamtliches Personal investieren, oder aber von der von den Bürgern geforderten Qualität der Gefahrenabwehr Abstriche machen", dies waren nur einige der wesentlichen Punkte seines dringlichen Appells an die Niedereschacher Bürger.

Weniger ernst präsentierten sich im Anschluss die exzellent dargebrachten musikalischen Darbietungen des Niedereschacher Klaviervirtuosen Sandro Dalfovo. Mal eher konventionell mit einer atemberauschender Fingerakrobatik, klopfte und trommelte er dann urplötzlich auf die Seitenteile seines Piano, fuhr mit seinen Fingern über dessen Innereien, also die Seitenstränge, und so manch einer meinte sicherlich schon, da müsse doch was kaputt gegangen sei. Keineswegs, das gehörte zu seiner Art auch, auch mal unkonventionell solch einem Traditionsinstrument höchst interessante Klangaspekte abzugewinnen – Kompliment!

Mit faszinierenden akrobatisch Darstellung brillierten die Mädchen des Zirkus Confetti aus Villingen und bekamen immer wieder lautstarken Szenenapplaus. Es war einfach herrlich anzusehen, wie sie mit ihren Ringen, Tüchern und auch nur ihren Körpern die tollsten Kunststücke vollbrachten.

Dass die Brotspende wohl auch in Zukunft nicht einem so neutralen Begriff wie Neujahrsempfang weichen dürfte, dies bezeugten auch die Segensworte von Pfarrer Peter Krech, der den Begriff der Brotspende als einen wunderschönen Namen bezeichnete und der den tieferen Sinn dieser Veranstaltung auch im Brot als ein unentbehrliches, menschliches Grundbedürfnis sah.

Mit Spannung erwartet wurde der Rechenschaftsbericht von Bürgermeister Martin Ragg. Besonders stolz zeigte sich Ragg, dass Niedereschach wohl das einzige Bioenergie- und Gründerdorf sei: "Auf der ganzen Welt dürfte es keine weitere Gemeinde mit einem solch einzigartigen Doppelprofil geben!" Mit den Nachbargemeinden Dauchingen und Deißlingen, mit denen seit einem Jahr die Existenzgründungsoffensive EGON gemeinsam praktiziert werde, konnte man nicht nur neben Wettbewerbern wie etwa den Städten Freiburg, Karlsruhe oder Ulm bestehen, sondern habe sogar die Auszeichnung "Gründungsfreundliche Kommune" erhalten.

Ferner berichtete Ragg über die Entwicklung der Gemeinschaftsschule Eschach-Neckar, welche ebenfalls von den Gemeinden Deißlingen, Dauchingen und Niedereschach getragen wird, die abschnittsweise Sanierung der Gemeinschaftsschule Eschach-Neckar, die sehr gut angelaufene Sanierung der Schloßberghalle in Kappel und die geplante Sanierung des in die Jahre gekommenen Niedereschacher Friedhofs. Weiter sprach er über die Wünsche der Bevölkerung in Sachen Pflege- und Unterstützungsangebote, die zur eigenen Lebenssituation der Bürger passen und sich in das vertraute Lebensumfeld einfügen sollten.

Dass die Menschen heutzutage ein Höchstmaß an Häuslichkeit, Normalität und Privatheit wünschten, und dass man dabei sei, gemeinsam mit der Sozialen Drehscheibe, weiteren Gruppen sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern eine neue, eine professionelle Nachbarschaftshilfe als Ergänzung zu den bestehenden Sozialdiensten aufzubauen, betonte er. Einen wesentlichen Part der Brotspende nahmen die Ehrungen verdienter Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, der Blutspender und Sportler sowie natürlich die Verleihung Landesehrennadel an die Vorsitzende des Forum Niedereschach, Annette Rienhöfer-Schweer ein.