Die vielen Milchmarktkrisen und die von der Politik in Aussicht gestellten Dürrehilfen beschäftigen den Landwirt Andreas Schleicher aus Dauchingen sehr. Schleicher ist stellvertretender Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehalter (BDM) und auch dessen Kreis-Team-Leiter. Die Trockenheit in der Region habe sich laut ihm nicht zugespitzt.

Auf der Gemarkung Niedereschach und Dauchingen seien die Landwirte trotz lang anhaltender Trockenheit noch mit einem "Blauen Auge" davon gekommen, sagt Andreas Schleicher. Die gelegentlichen Gewitter und Schauer hätten geholfen, Schlimmeres zu verhüten. Angesichts der Wettersituation sei er mit dem Ertrag beim Weizen und dem Grünland noch recht zufrieden gewesen, bei der Wintergerste sei die Ernte jedoch sehr unterdurchschnittlich gewesen. Er wisse von Landwirten in anderen Regionen, beispielsweise aus dem Kinzigtal, die es deutlich härter erwischt habe. Dort sei die Lage teilweise katastrophal. Hinzu komme, dass es für die betroffenen Veredelungsbetriebe und tierhaltende Landwirte sehr schwer werde, genau nachzuweisen, wie groß die Verluste und Ernteausfälle tatsächlich sind.

"Mit dem von Bundesagrarministerin Julia Klöckner initiierten Beschluss des Bundeskabinetts, dass Bund und Länder eine Dürrehilfe in Höhe von 340 Millionen Euro bereitstellen wollen, wurde ein deutliches Signal gesendet", sagt Andreas Schleicher. Bund und Länder seien sich der durch die Dürre entstandenen Notlagen bewusst. Der BDM begrüße vor allem, dass die Hilfen zielgerichtet und nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden sollen. "Dabei sind vor allem die tierhaltenden Betriebe, die mit einem enormen Grundfuttermangel und steigenden Futterkosten konfrontiert sind, zu berücksichtigen", wiederholt Andreas Schleicher eine Position, die er bereits im Vorfeld des nun erfolgten Beschlusses des Bundeskabinetts geäußert hatte.

"Wenn wir neben der staatlichen Hilfe auch die Marktpartner der Milchviehhalter in die Pflicht nehmen, bedeutet das nicht, dass wir Almosen oder PR-Solidaritätsaktionen wollen. Die Milchanlieferungen gehen deutlich zurück", sagt der BDM-Vertreter. Manche Molkereien vermuten sogar schon eine in wenigen Wochen eintretende Mangelsituation. Dennoch verharren die Milcherzeugerpreise annähernd auf gleichem Niveau, so Schleicher. "Wir wollen in erster Linie, dass die Molkereien endlich diese Marktsignale rückgängiger Milchmengen nutzen, um bei der Ernährungsindustrie und beim Lebensmitteleinzelhandel auch noch laufende Kontrakte nachzuverhandeln und höhere Preise zu fordern. Die Belastungen dieser wetterbedingten Ausnahmesituation müssen gleichmäßig entlang der Wertschöpfungskette verteilt werden, statt immer die ganze Last bei den Milchviehhaltern zu belassen", fordert er.

Für Andreas Schleicher ist klar, dass die Milcherzeugerpreise um mindestens 10 Cent angehoben werden müssen. In Kombination mit dem staatlichen Hilfsprogramm könne so die Notsituation vieler milchviehhaltender Betriebe überbrückt werden. Die notwendige Steigerung der Milcherzeugerpreise leite sich auch von der Kostensituation in der Milchviehhaltung ab. Basierend auf den Daten des Informationsnetzwerkes landwirtschaftlicher Buchführungen der EU-Kommission wurden im Januar 2018 Kosten der Milcherzeugung von 41,81 Cent pro Kilogramm errechnet. Angesichts steigender Futterkosten dürften diese nun für die kommenden Monate noch einmal höher liegen.

"Ein Unding ist beispielsweise auch, dass die Schlachtkonzerne die Notsituation der tierhaltenden Betriebe regelrecht ausnutzen und die Schlachtviehpreise sehr stark senken. Die jetzt eingelagerten Fleischmengen werden dann nach einer Beruhigung dieser Situation und einer Erholung der Preise gewinnbringend verkauft", kritisiert Andreas Schleicher.