Es ist der traurige Abschluss einer 19-jährigen Ungewissheit: Im April dieses Jahres wurde der Unterkiefer der Vermissten Filiz Fricker aus Niedereschach gefunden. Ein spielendes Kind hatte den Knochen am Ufer der Eschach gefunden. Gerichtsmedizinische Untersuchungen ergaben, dass es sich dabei um den Unterkiefer der Vermissten Filiz Fricker handelt. Das gaben die Staatsanwaltschaft Konstanz und das Polizeipräsidium Tuttlingen in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt.

Zahnstatus und DNA stimmen überein

Harri Frank vom Polizeipräsidium Tuttlingen spricht von einer „hundertprozentigen Sicherheit“. Bei dem gefundenen Unterkiefer waren die Zähne teilweise erhalten. Diese wurden mit dem Zahnstatus der Vermissten, der kurz vor ihrem Verschwinden dokumentiert worden war, abgeglichen und stimmten überein. Zur vollständigen Absicherung wurde laut Frank außerdem die DNA überprüft: „Beides passt zusammen.“

Spurloses Verschwinden

Die damals 27-Jährige verließ im Jahr 1999 an Heiligabend ihre Wohnung und galt seither als vermisst. Eine Suchaktion mit mehreren Einsatzkräften der Polizei am 25. Dezember 1999 war erfolglos. Das Jahrhundertsturmtief „Lothar“, das am 26. Dezember über den Schwarzwald zog, sorgte dafür, dass die Suche unterbrochen werden musste. Am 27. Dezember ging die Suche weiter. Mit Polizeihubschraubern, Hunden und Wärmebildkameras, erinnert sich Frank. Die Verhältnisse seien wegen des Sturms und des Hochwassers sehr schlecht gewesen. Nachdem das Hochwasser zurückgegangen war, wurde die Suche im Frühjahr 2000 fortgesetzt. Auch diese brachte keinen Erfolg.

Kind findet menschlichen Unterkiefer

19 Jahre später, im April, dann die Wende: Ein Kind findet den Unterkiefer der Vermissten. Daraufhin wurde das Gebiet zwischen dem Wohnort und der Fundstelle des Unterkiefers erneut mit Suchtrupps des Polizeipräsidiums durchforstet. Es konnten keine weiteren Überreste gefunden werden. Laut Frank sei der Verwesungsprozess nach 19 Jahren so weit fortgeschritten, dass lediglich Knochen gefunden werden könnten. „Jedes einzelne Knochenstück kann transportiert werden“, sagt Harri Frank. Durch die Eschach sei es sehr wahrscheinlich, dass Teile vom Wasser weggeschwemmt wurden.

Keine Fremdeinwirkung nachweisbar

Die Todesursache könne man, so Frank, anhand des Unterkiefers nicht bestimmen. „Es gibt keine Anhaltspunkte auf eine Fremdeinwirkung oder ein Tötungsdelikt“, sagt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen. Das ergaben bereits die Ermittlungen im Jahr 1999. Da an Heiligabend Schnee lag, konnten die Spuren der Vermissten Filiz Fricker damals gesichert werden. „Die Spuren waren nur von einer Person“, so Frank.

Die Angehörigen wurden mit dem Fund des Unterkiefers benachrichtigt. „Die Ungewissheit ist das Schlimmste“, sagt Frank. „Es ist ein trauriger Abschluss, aber die Angehörigen haben endlich Gewissheit“, sagt Harri Frank.