Viele Themen wurden beim Landwirtegespräch von Bürgermeister Martin Ragg und dem Vorsitzenden des Ortsverbandes des Badisch Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV), Walter Obergfell, besprochen. Dabei wurde deutlich: Landwirtschaft ist und bleibt komplex und ist einem ständigen Wandel unterzogen. Außerdem kritisierten die Landwirte, dass sie die Wertschätzung für ihre Arbeit vermissen und es satt haben, als „Sündenböcke“ zu gelten.

Bernhard Bolkhart (rechts) und Bürgermeister Martin Ragg suchen das Gespräch mit den Landwirten aus der Gesamtgemeinde. Bild: Albert Bantle
Bernhard Bolkhart (rechts) und Bürgermeister Martin Ragg suchen das Gespräch mit den Landwirten aus der Gesamtgemeinde. | Bild: Albert Bantle
  • Ehrliche Diskussionen gewünscht: Als ein Beispiel wurde mit Blick auf die Düngeverordnung die Nitratbelastung genannt, bei welcher der Schwarzwald-Baar-Kreis ohnehin nicht im „Roten Bereich“ liege. Die Landwirte wünschen sich, dass eine „ehrliche Diskussion“ geführt und genauer hinterfragt wird, woher die Probleme kommen und dabei auch darauf hingewiesen wird, welche Rolle bei der Nitratbelastung beispielsweise Kläranlagen und Regenrückhaltebecken spielen. Wenn klar sei, woher die Belastung komme, seien die Landwirte bereit, Verantwortung zu übernehmen und Lösungen zu finden.
  • Volksbegehren falsch umgesetzt: „Wir Bauern stehen für Bienen-Insekten-Artenschutz und für gesundes Trinkwasser und wir machen viel für den Naturschutz“, meinte Bernhard Bolkart, Vizepräsident des BLHV und Vorsitzender des BLVH Kreisverbandes Villingen. Der Ansatz des Volksbegehrens sei richtig gewesen, nur die Umsetzung falsch, betonte Bolkhart und zeigte sich erleichtert darüber, dass nun ein Gesetzentwurf des Landesregierung gegen das Arten- und Höfesterben von den Initiatoren des Volksbegehens als Alternative akzeptiert wurde und man sich nun gemeinsam für das neue Leitbild einer zukunftsfähigen Landwirtschaft einsetze.
  • Bessere Kommunikation: Mehrfach machte Bolkhart deutlich, dass die Bauern ihre Arbeit und Leistung besser kommunizieren müssen, dass sie neue Verbündete brauchen, um sich die gewünschte Achtung und Anerkennung der Gesellschaft zu erhalten.
  • Mehr regionale Produkte: Ein weiteres Thema war die Regionalität, für die unter anderem der Chef des Floraparadies „Weißer“ in Schabenhausen, Uli Weißer, warb. Er würde in seinem Betrieb in Schabenhausen gerne mehr regionale landwirtschaftiche Produkte vermarkten und warb bei den Landwirten dafür, sich entsprechende Gedanken zu machen.
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  • Flurneuordnung: Von den drei in früheren Jahren angedachten Flurneuordnungsverfahren in der Gemeinde, die nach dem Regierungswechsel zu rot/grün vor Jahren auf Eis gelegt wurden, weil daran zu viele Vorschriften geknüpft wurden, sind im Grunde zwei „gestorben“. Nachdem sich nun doch wieder die Möglichkeit abzeichnet wenigstens im Bereich „Schliet“ zwischen Niedereschach und dem Gewann „Auf den Höfen“ in Schabenhausen, das damals angedachte Flurneuordnungsverfahren, verbunden mit einem Wegbauprojekt, umsetzen zu können, werde man diesbezüglich in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Fachmann des Landratsamtes für die Flurneuordnung, Michael Riede, einen zweiten Anlauf nehmen.
  • Verpachtung: Was die zum 30. September 2021 anstehende Neuverpachtung gemeindeeigener landwirtschaftlicher Flächen anbetrifft, plädierten die Landwirte dafür, den Verpachtungsmodus so zu belassen wie bisher. Das heißt, die Landwirte sollen die von ihnen gepachteten Flächen auch weiterhin bewirtschaften können. Dieses Thema, so Ragg, werde zu gegebener Zeit im Gemeinderat beraten und dann entschieden.

In diesem Zusammenhang sagte Walter Obergfell, dass er es nicht gut finde, wenn die Gemeinde für Gewerbe- und Baugebiete landwirtschaftliche Flächen erwirbt und dabei als „Ausgleich“ das übliche 1:2 Verhältnis anwende und dafür dann nicht beteiligten Landwirten deren Pachtflächen wegnehmne. Er fände es fairer, wenn die verkaufenden Landwirte Flurstücke beanspruchen, die sie bereits bewirtschaften. Zudem hätten die verkaufenden Landwirte die Möglichkeit, vom Verkaufserlös anderweitig Flächen zu erwerben. Dies, so Ragg, sei gar nicht so einfach, sondern letztlich Verhandlungssache und liege damit beim betroffenen Landwirt. Die Formel 1:2, die er nicht unbedingt begrüße, stamme nicht von ihm, sondern sei in Niedereschach seit langen so üblich.

  • Lösung für das Schlachthaus: Was den Betrieb des defizitären und von der Gemeinde betriebenen Schlachthauses in Fischbach anbetrifft, bat der Bürgermeister die Landwirte, sich Gedanken zu machen, ob man hierfür eine andere Lösung finden könne. Wenn die Steuereinnahmen der Gemeinde zurückgehen, stünden zunächst die Freiwilligkeitsleistungen auf dem Prüfstand. Zu diesen gehöre auch der Betrieb des Schlachthauses. Seitens der Gemeinde habe man unter Einschaltung des Landtagsabgeordneten Karl Rombach zwar versucht, mit Blick auf die immer wieder gewünschte Regionalität und weniger Tiertransporte, Zuschüsse oder Fördermittel zum Ausgleich des jährlichen Defizites von rund 15 000 Euro zu erhalten, doch für den laufenden Betrieb sei diesbezüglich nichts zu machen. Ragg könnte sich eine Genossenschaftslösung vorstellen, um den Betrieb des Schlachthauses auch künftig zu gewährleisten.

Seitens der Landwirte wurde darauf hingewiesen, dass das Schlachthaus nicht nur den Landwirten, sondern auch von den Vereinen genutzt werde und dass die dort noch vorhandene Beseitigung von Tierkörpern (Katzen, Hunde, Wildtiere) auch außerlandwirtschaftlichen Nutzern zu Gute kommen. Insofern sollte man durchaus eine Gesamtbetrachtung vornehmen. Kritisiert wurde, dass, was den Strom- und Gasverbrauch im Schlachthaus angeht, keine Möglichkeit besteht, diesen konkret zu erfassen und deshalb Pauschalbeträge verrechnet werden. Man sollte vor diesem Hintergrund die Nutzung der früheren Lagerräume durch die Vereine nicht unterschätzen.