Anstelle eines offiziellen Empfangs durch die Gemeinde hat sich der frühere Bürgermeister Niedereschachs Otto Sieber anlässlich seines 75. Geburtstags lieber eine humorige Benefizveranstaltung mit seinem Sohn Christoph Sieber gewünscht, deren Erlös je zur Hälfte an den Sozialfonds der Gemeinde und den von der Caritas betriebenen „Fohrenhof“ in Unterkirnach zukommen sollte.

Christoph Sieber (links) hatte ein hochkarätiges Team von bundesweit bekannten Künstlern für diesen Kabarettabend in der Niedereschacher Eschachhalle mitgebracht. Auch Otto Sieber bekam bei dem von Lachsalven unterbrochenen Auftritt seines Sohnes ein wenig sein Fett weg.
Christoph Sieber (links) hatte ein hochkarätiges Team von bundesweit bekannten Künstlern für diesen Kabarettabend in der Niedereschacher Eschachhalle mitgebracht. Auch Otto Sieber bekam bei dem von Lachsalven unterbrochenen Auftritt seines Sohnes ein wenig sein Fett weg. | Bild: Gerd Jerger

Und der Kabarettabend in einer bisher wohl selten so vollen und mit rund 800 Gästen bis auf den letzten Platz ausverkauften Eschachhalle war am Samstagabend der absolute Kracher. Nicht nur, dass der Junior, der bundesweit bekannte Kabarettist Christoph Sieber ohnehin schon den Saal gefüllt hätte, hatte er auch noch eine komplette Bühne voll an mitreißenden Künstlern und Künstlerinnen mitgebracht, die alle zusammen einen faszinierenden Kabarettabend auf die Beine stellten.

Ein begeistertes Publikum beklatschte Christoph Sieber und den Initiator des Abends, Otto Sieber, der seinen 75. Geburtstag mit 800 Gästen feierte.
Ein begeistertes Publikum beklatschte Christoph Sieber und den Initiator des Abends, Otto Sieber, der seinen 75. Geburtstag mit 800 Gästen feierte. | Bild: Gerd Jerger

Beginnend mit Phil Shadow. Philipp Kießling, so sein richtiger Name, begeisterte gleich zu Anfang die Gäste mit seinen Schattenfiguren, die er mit seinen Händen und Fingern auf die Leinwand zauberte. Ein Hase, vom Jäger mit seinem Jagdhund verfolgt, ein Schwan, Merkel und Trump, irgendwie kannte man diese Schattenfiguren alle, aber so hat man sie noch nie gesehen. Seine Silhouetten mit pointiertem Witz und Charme, begleitet von einer stimmungsvollen Musik begeisterten das Publikum.

Evergreens wechselten mit aktuellen Hits, und spätestens wie bei Heinos „Blau blüht der Enzian“ klatschte der begeisterte Saal kräftig mit. Mit Johannes Flöck stellte Christoph Sieber einen guten Freund vor. „Wenn der da ist, dann wird die Party lustig. Wir richten inzwischen unsere Partys nach ihm aus und manche sterben nur, wenn der Zeit hat.“ Nicht zuviel versprochen, mit seinen philosophischen Betrachtungen über das schwindende Seh- aber auch Stehvermögen in zunehmendem Alter löste er wahre Lachorgien im Saal aus.

Christoph Sieber hielt dem Publikum wieder einen eindrucksvollen Spiegel vor und bot mit seinen Gästen in der Eschachhalle einen unvergesslichen Kabarettabend.
Christoph Sieber hielt dem Publikum wieder einen eindrucksvollen Spiegel vor und bot mit seinen Gästen in der Eschachhalle einen unvergesslichen Kabarettabend. | Bild: Gerd Jerger

Direkt aus Berlin nach Niedereschach importiert als lebender Beweis, dass auch von dort noch was vernünftiges kommt, präsentierte sich das Quartett „ Vocal Recall“ energiegeladen, einfallsreich und auf höchstem musikalischen Niveau. Virtuos verarbeiteten die vier Berliner Hits aller Stilrichtungen aus drei Jahrhunderten zu etwas ganz Neuem. Auch die Texte neu gefasst, mal skurril bis absurd, mal mit bissigen Seitenhieben auf modernes Leben, aber immer geistreich und wortgewandt. Natürlich hatte auch da der neuen Berliner Großflughafen seinen Platz: „Wir haben dazu eine Musik-CD vorbereitet, aber die ist leider nicht rechtzeitig fertig geworden.“

Recht provokativ, wie es sich für einen Christoph-Sieber-Kabarettabend gehört, präsentierte sich Michael Krebs, ein Künstler und Klavier-Virtuose aus Schwäbisch-Hall, der 1998 seinen ersten Preis bei einem Wettbewerb für seinen Song „Hausverbot bei Aldi„ erhielt. Als weit gereister Künstler, der zu Beispiel seine Eindrücke schilderte, wie er einst zu einem Auftritt nach Hamburg gefahren ist, schilderte er, wie da zuerst die Kräne zu sehen sind, dann der Hafen, der Michel, und so habe er sich bei seiner Anfahrt nach Niedereschach halt auch gefragt: ja kommt da noch was? Zum Schluss seiner mitreißenden Rock‘n-Roll Einlage wurden dann sogar die die vorderen Reihen noch zum Mittanzen aufgefordert

Klar, dass dann beim Auftritt des Hauptdarsteller Christoph Sieber im Saal kein Auge trocken blieb. Vor allem, als er den Initiator des Abends, seinen Vater Otto Sieber, vor dem Hintergrund der nun völlig veränderten politischen Richtung der SPD meinte, ob sein Vater nicht doch der „Che Guevara Niedereschachs„ gewesen sei, der „Fidel Castro des Schwarzwald Baar Kreises“, natürlich von schallendem Gelächter im Saal begleitet.

Wie er einst mit Rauschbart und im Trainingsanzug durch Niedereschach flaniert sei und den Sozialismus eingeführt habe. „Was war das doch für eine linke Zeit hier im Ort, und jetzt gilt plötzlich die SPD als links.“ Seitenhiebe bekamen auch die anderen Parteien ab.