Was läuft aktuell richtig gut in der Gemeinde und was möchten Sie verbessern?

Richtig gut läuft aktuell unser größtes Projekt, die Sanierung der Gemeinschaftsschule Eschach-Neckar. Die Räumlichkeiten, die aus den 1960er Jahren stammen, werden in insgesamt zehn Bauabschnitten saniert, drei Fachräume sowie der erste große Sanierungsabschnitt sind bereits abgeschlossen, ein Anbau von drei zusätzlichen Klassenzimmern ist auf den Weg gebracht worden, und der zweite Sanierungsabschnitt befindet sich ebenfalls in der Planung.

Das hört sich nach größeren Ausgaben an?

In der Tat ist die Schulsanierung eine gewaltige Herausforderung für unsere Gemeinde. Deshalb sind wir über die zugesagten Zuschüsse von Bund und Land sehr dankbar, da sie unseren kommunalen Haushalt entlasten. Es handelt sich für Anbau und zweiten Sanierungsabschnitt um 630 000 Euro aus dem kommunalen Sanierungsfonds beziehungsweise dem Ausgleichsstock. Weitere Zuschüsse erhoffen wir uns aus der Schulhausbauförderung des Landes. Wir reden hier über zweieinhalb Millionen Euro Investitionskosten. Das ist auch für eine finanziell gesunde Gemeinde ein ganz besonders großes Projekt.

Wie ist die Situation auf dem Wohnungsmarkt? Es gibt diverse Objekte, die im Entstehen oder in der Planung sind.

Auch auf diesem Gebiet tut sich viel in unserer Gemeinde. Das Mehrfamilienhaus mit Mietwohnungen in der Rottweiler Straße wird im Herbst bezugsfertig sein, in der Villinger Straße, nahe der Tankstelle, wurde mit dem Bau von Eigentumswohnungen begonnen, und ein weiteres Objekt ist genehmigt. Zudem entstehen im Breiteweg, auf dem Gelände der ehemaligen Werbeagentur Südpol, derzeit weitere Eigentumswohnungen. Bei unserem Wohnbaugebiet Badäcker in Schabenhausen kommen wir zum nächsten Verfahrensschritt des laufenden Bebauungsplanverfahrens. Dieses Angebot an Bauplätzen ist angesichts der aktuell großen Nachfrage bei uns enorm wichtig.

Das Thema Infrastruktur ist in vielen Gemeinden ein beherrschendes. Wie zufrieden können hier die Niedereschacher Bürger sein?

Der Erhalt der besonders ausgeprägten Infrastruktur in Niedereschach ist von zentraler Bedeutung. Angefangen vom Lebensmittel-Einzelhandel mit Vollsortimenter, Discounter, Landmarkt, Bäcker sowie Metzger über das Angebot an medizinischer Betreuung durch gleich vier Hausärzte und zwei Zahnärztinnen inklusive unserer Apotheke, Optiker und Physiotherapiepraxen bis hin zur Tankstelle und vieler weiterer Dienstleister ist unsere Gemeinde hervorragend aufgestellt. Die große Herausforderung besteht darin, diese und weitere Angebote zu erhalten und zu pflegen. Die zahlreichen Arbeitnehmer, die in unseren Gewerbegebieten beschäftigt sind, helfen uns mit ihrem Einkauf in unserer Gemeinde dabei sehr.

Gewerbeansiedlung – danke für das Stichwort: Was tut sich da?

Augenfällig ist aktuell natürlich der angelaufene Erweiterungsbau der Touratech GmbH. Die neuen Eigentümer halten hiermit eindrucksvoll Wort, den Standort Niedereschach mit seinen 400 Arbeitsplätzen erhalten zu wollen. Besonders am Herzen liegen uns aber auch die kleinen Betriebe unserer Gemeinde. Im derzeit in Planung befindlichen Gewerbegebiet „Zwischen den Wegen II“ wollen wir bewusst auch einen Bereich für kleinere Handwerks- und Industriebetriebe schaffen. Dort wollen wir dann auch Grundstücke mit einer Größe unter 1000 Quadratmetern anbieten. Für das nach der Insolvenz zurückerworbene Reitgelände läuft derzeit ein Flächennutzungsplan-Änderungsverfahren. Es ist uns wichtig, unseren Unternehmen vor Ort Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten. Dabei freut uns zudem die enge und befruchtende Verzahnung zwischen zahlreichen Betrieben und Vereinen.

Leben Sie als Bürgermeister von Niedereschach völlig sorgenfrei?

Völlig sorgenfrei, schöne Vorstellung. Am meisten Schmerzen bereiten mir die immer neuen Vorgaben und Aufgaben, die per Gesetz aus den Hauptstädten von Bund und Land auf die Kommunen abgewälzt werden, ohne dass man uns die erforderlichen finanziellen Mittel ebenfalls und dauerhaft an die Hand gibt. Das schränkt unsere finanzielle Handlungsfähigkeit in mittlerweile besorgniserregender Weise ein, was dann letztendlich wieder den Bürger trifft. Gerade auch deshalb sind wir auf die Einnahmen, welche wir von unseren Unternehmen erzielen, angewiesen. Einen Einbruch bei der Gewerbesteuer würden wir schnell und schmerzhaft zu spüren bekommen.

Noch ein Wort zum gemeinsamen Wirtschaftsförderer der Gemeinden Niedereschach, Deißlingen und Dauchingen, Gunnar von der Grün?

Herr von der Grün ist für uns die Idealbesetzung. Neben der Pflege der Bestandsunternehmen sowie Existenzgründungen ist sein wichtiges Aufgabenfeld die Nachfolgeberatung. Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer in unserer Gemeinde ist ihre Nachfolge ein aktuelles, nicht selten auch ein drängendes, zu oft ungelöstes Problem. Auch für unsere Gemeinde ist es von großer Bedeutung, dass Geschäfte und Betriebe und deren Arbeitsplätze nicht wegsterben. Hier hat das Land Baden-Württemberg nun in den vergangenen Jahren hervorragende Unterstützungsmöglichkeiten finanzieller Art, aber auch Coaching- Programme geschaffen. Man muss aber schlichtweg wissen, wo man sich hinwenden muss. Über unsere Egon-Initiative haben wir mittlerweile ein riesiges und kompetentes Netzwerk aufgebaut, das wir gerne für unsere Unternehmen einsetzen. Herr von der Grün fungiert hier sozusagen als Schlüssel zu diesem Netzwerk und stellt die sehr oft entscheidenden Kontakte her.

Was macht Ihnen aktuell große Freude?

Da komme ich wieder zurück auf unsere Schule. Ich bin ein Fan der Gemeinschaftsschule und beglückwünsche Schulleitung, Lehrkräfte sowie die Mitarbeiterinnen in der Betreuung zur gelungenen Umsetzung der Konzeption für unsere Kinder. Sehr bewegend für mich war in diesem Sommer die Begegnung mit dem Abschlussjahrgang, welcher den ersten Realschulabschluss überhaupt in Niedereschach absolviert hat. So etwas funktioniert nur, wenn alle, Kinder, Schule, Eltern und eben unsere drei eng verbundenen Gemeinden Deißlingen, Dauchingen und Niedereschach, dahinterstehen. Die Gemeinschaftsschule Eschach-Neckar ist ein Paradebeispiel dafür, wie man gemeinsam mehr erreichen kann.

Fragen:Rüdiger Fein