Regelrecht geschockt und entsetzt war der Fischbacher Ludwig Mini, als er auf seiner im Landschaftsschutzgebiet am Teufenbach liegenden Wiese unter anderem auch nach seinen dort stehenden Obstbäumen schauen wollte. Dort haben ganz offensichtlich Biber einen seiner wohl über 100 Jahre alten, wunderschönen Obstbäume derart malträtiert, dass das noch voll mit Äpfeln hängende und noch mit grünen Blättern versehene Prachtexemplar wohl mit Sicherheit absterben wird.

Ludwig Mini ist geschockt darüber, dass dieser Obstbaum nun wohl sterben muss.
Ludwig Mini ist geschockt darüber, dass dieser Obstbaum nun wohl sterben muss.

Dass sich im Bereich seines landwirtschaftlich genutzten Grundstücks wohl eine ganze Biberfamilie aufhalten muss, zeigten die verräterischen Spuren in Richtung des angrenzenden Teufenbachs. Dort haben die Biber bereits einen prächtigen Staudamm gebaut, der das Herz jedes Biberfreundes erfreuen wird und vor dem sich das Wasser schon kräftig staut. Ganz offensichtlich fühlen sich die Biber im Bach und auf dem Grundstück von Mini pudelwohl und genießen die dortige Idylle, um den Bach und die Umgebung nach ihren Vorstellungen umzugestalten.

Kaum zu glauben, was ein fleißiger Biber zu leisten im Stande ist. Bilder: Albert Bantle
Kaum zu glauben, was ein fleißiger Biber zu leisten im Stande ist. Bilder: Albert Bantle

Dass Naturfreunde sich über die Biberansiedlung im Teufental freuen werden, steht für Mini fest. Er hat im Grunde auch nichts dagegen und weiß, dass der Biber unter Schutz steht. Dennoch blutet ihm beim Anblick des alten, kaum ersetzbaren und nun zum Sterben verurteilten Ostbaumes das Herz und er fürchtet nun auch um seine anderen Obstbäume, die er bereits vorsorglich mit Drahthosen gegen den eventuell drohenden Verbiss zu schützen versuchte. Mini will nun mit der Biberbeauftragten des Regierungspräsidiums Freiburg, Bettina Sättele, Kontakt aufnehmen, um mit ihr über die Schadenssituation auf seinem Grundstück und mögliche Schutzmaßnahmen für die noch nicht entrindeten Bäume zu sprechen. Er hofft dabei auf fachliche Unterstützung der ausgewiesenen und sehr engagierten Biberbeauftragten, die darauf hinweist, dass der Biber für die Natur auch sehr wertvoll ist.

Diesen Staudamm haben die Biber am Teufenbach angelegt.
Diesen Staudamm haben die Biber am Teufenbach angelegt.

Warum bauen Biber Staudämme?

Um sich vor Feinden zu schützen, die bei sinkendem Wasserstand in ihren Bau eindringen könnten, und um im Winter von ihren unter Wasser versteckten Holzvorräten zehren zu können, legen Biber nach Möglichkeit Stauseen an. Dazu fällen sie Stämme von bis zu 20 Zentimetern Durchmesser, wobei sie aber die Fallrichtung nicht bewusst beeinflussen, wie immer behauptet wird. Vielmehr stürzen die Bäume meist ins Wasser, weil sie auf dieser Seite, wegen der stärkeren Entwicklung der Äste, schwerer sind. Um das Wasser zu stauen, stecken sie Stämme, Äste und Zweige in den Grund eines Bachlaufs und befestigen dieses Gerüst mit Steinen, Schlamm, Schilf und Ähnlichem. Für einen zehn Meter langen Staudamm benötigt eine Biberfamilie etwa eine Woche.

Ein zweiter Staudamm befindet sich bereits im Bau.
Ein zweiter Staudamm befindet sich bereits im Bau.

Diese Gebilde, die über Generationen immer wieder repariert und ausgebaut werden, können drei Meter hoch und mehrere hundert Meter lang werden und damit die Landschaft entscheidend prägen. Während man früher vor allem Schäden sah, die durch die Überflutung von Straßen und Eisenbahnstrecken oder Land- und Forstwirtschaftsflächen entstanden, hat man inzwischen – nicht zuletzt durch die gehäuften Flutkatastrophen – begriffen, dass die Biberarchitektur durch Verringerung der Strömungsgeschwindigkeit und eine Vielzahl an Staubecken das Wasser reinigt, die Erosion reduziert, Hochwasser bindet und die Artenvielfalt fördert. Dass der Biber auf dem Vormarsch ist und sich auch im Fischbacher Teufental angesiedelt hat, ist bekannt. Auch rund um den Teufensee war er schon in Aktion.