Immer dringlicher wird nicht nur in Niedereschach, sondern auch in den Ortsteilen der Ruf nach Verkehrsberuhigung und einem flächendeckendem Tempo 30. Auch die Frage nach rechtlichen Konsequenzen gegen Raser wird laut. Seit neuestem fallen in Niedereschach sogenannte Auto-Poser auf, die in gekonntem Spiel mit dem Gaspedal zwischen Vollgas und Leerlauf ihre Fahrzeuge den Bürgern und der Umwelt präsentieren.

„Die Schilder sind da, aber keinen interessiert es“

So wollte in der jüngsten Sitzung der Ortschaftsrat Wilfried Greinus von Bürgermeister Martin Ragg wissen, ob sich in Sachen Kohlerberg, der bekanntlich nur für Anlieger freigegeben ist, endlich etwas getan habe. Genau vor einem Jahr habe er bei der Abstimmung über flächendeckend Tempo 30 bereits seine Beschwerden vorgetragen und darauf verwiesen, dass der Beschluss Tempo 30 flächendeckend keinen Sinn mache, wenn nicht kontrolliert werde. Am Beispiel der Beschilderung am Kohlerberg in Schabenhausen, wo nur Anlieger fahren dürfen, machte er dies deutlich: „Die Schilder sind halt da, aber keinen interessiert es.“ Genauso seien die Zustände beim Klosterhof in Richtung Fischbach: Die 50-er Schilder seien dort ebenfalls angebracht, trotzdem werde dort gerast.

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Autofahrer zu schnell unterwegs

Das selbe Thema hatte die Woche zuvor bereits den Ortschaftsrat in Kappel beschäftigt. Dort hatten sich zwei Anwohner vom Ammelbach darüber beklagt, dass dort viele Autofahrer viel zu schnell unterwegs seien. Erst vor Kurzem sei dort eine Katze überfahren worden, ohne dass der Fahrer davon Kenntnis genommen habe, beklagten die Anwohner. Und das können ja auch mal ein Kind sein, wurde vorgetragen. 60 oder 70 Kilometer die Stunde seien da schon mal an der Tagesordnung, weshalb dringlich darum gebeten wurde, nach einer Lösung zu suchen, damit dort langsamer gefahren werde, bevor dort etwas passiert.

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Parken auf Gehwegen gefährlich für Fußgänger

Ortsvorsteher Thomas Braun, selbst Anwohner am Ammelbach ergänzte dazu, dass dort auch etliche Anwohner ihre Autos auf den Gehwegen parken, was er in Anbetracht der schmalen Straße sogar nachvollziehen könne. Was jedoch wiederum bedeute, dass Kinder, Fußgänger, Frauen mit Kinderwagen oder Menschen mit Rolator oder Rollstuhl auf die Straße ausweichen und sich dadurch erheblichen Gefahren aussetzen müssten. Doch damit nicht genug: Auch auf den Kreisstraßen seien die Verkehrsverhältnisse so langsam untragbar, wurde weiter vorgetragen. So seien am Schlossberg in Richtung Obereschach oder entgegengesetzt in Richtung Niedereschach, sogenannte Auto-Poser mit dröhnenden Karossen unterwegs. Es seien immer dieselben im Ort, zwei oder drei, aber die seien bis nach Obereschach zu hören, auch da müsste dringend mal was unternommen werden. Und auch das Auto, das trotz Sperrmarkierung am Schloßberg immer direkt vor der Ein- und Ausfahrt zur Schulstraße geparkt steht, kam nicht ungeschoren davon. Dies stelle eine große Gefahr für Kinder und Mütter dar, wenn ihnen, von der Schule oder vom Kindergarten kommend, dadurch die Sicht auf den Verkehr behindert werde, so schilderte die Kindergartenleiterin Amalie Rebmann die Lage.

Tempo 30 im Ort wird umgesetzt

Alles verständlich und auch nachvollziehbar, äußerte sich Bürgermeister Martin Ragg zu den Einwänden und Beschwerden. Es sei ein Problem, das in Niedereschach und inzwischen auch in allen Ortsteilen vermehrt auftrete. Er könne nur darauf verweisen, dass es im Frühsommer nach vielen Anläufen gelungen sei, im Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss zu fassen, in der gesamten Gemeinde Niedereschach Tempo 30 einzuführen. Momentan sei man dabei, diesen Beschluss umzusetzen. Der Bereich Ammelbach werde auch unter diese Regelung fallen. Auch in Sachen Fußgängerüberwege habe sich nach den letzten Verkehrsschauen einiges getan. Zudem sei der Landkreis inzwischen verstärkt mit mobilen Geschwindigkeitskontrollen vor Ort.

Auto-Poser

Nach einer Definition des Bußgeldkatalogs werden als Auto-Poser Menschen bezeichnet, die mit ihren Fahrzeugen Aufsehen erregen wollen. Die Autos fallen meist durch leistungsstarke Motoren auf. Die Fahrer drehen in Innenstädten ihre Runden und verursachen dabei absichtlich eine erhebliche Lärmbelästigung. Insbesondere der erzeugte Lärm ist der Polizei mittlerweile ein Dorn im Auge. Aus diesem Grund haben sich in verschiedenen Städten mittlerweile Sonderkommissionen gebildet, die gezielt gegen Auto-Poser vorgehen. Neben Sanktionen gemäß des Bußgeldkatalogs müssen Auto-Poser bei unerlaubtem Tuning, also der individuellen Veränderung am Fahrzeug, um die Fahreigenschaften zu verbessern, damit rechnen, dass ihr Fahrzeug aus dem Verkehr gezogen wird.