„Es war“, sagt Tobias Kammerer vom Leitungsteam des Kinderhauses in Mönchweiler, „ein regelrechter Ansturm auf die Notgruppe.“ 32 von 100 Kindern besuchen derzeit die Notbetreuung. Drei Mal so viele wie im ersten Lockdown.

Im Gegensatz zum März, wo nur Eltern in systemrelevanten Berufen ihre Kinder in die Notbetreuung bringen durften, sind die Regeln nun viel weiter gefasst. Kontrollieren kann sie keine Kita nur begrenzt. Das Schreiben der Arbeitgeber, das eigentlich verlangt wird, in dem der Arbeitnehmer als unabkömmlich eingestuft wird, ist im Zweifel schnell ausgestellt.

„Es sind keine klaren Regeln vom Land definiert“, sagt Kammerer. Den Kitas bleibt am Ende nur eines: das Vertrauen in die Eltern. Das klappt mal besser, mal schlechter. Kammerer und sein Team in Mönchweiler überlegen nun, ob sie eventuell eine Grenze festlegen, wie viele Kinder sie betreuen können. „Wir bekommen ständig noch mehr Anfragen.“ Er muss dann entscheiden, wer darf und wer nicht. Kammerer kann die Eltern verstehen. Die Kinder sind seit Dezember zu Hause, viele wollen, dass der Kindergarten sie ein wenig entlastet. Aber irgendwann wird so das Maß einer Notgruppe erreicht. Momentan eher schneller, als später. Aber nicht überall.

  • Unterkirnach: „Hier ist es sehr ruhig“, sagt Anna Scherzinger, Leiterin der Kita St. Elisabeth in Unterkirnach. Von insgesamt 117 Kindern besuchen rund 20 Prozent die Notbetreuung. „Es ist hier noch alles relativ locker.“ Das liegt vor allem an den Eltern. „Das Angebot wird nicht ausgenutzt“, sagt Scherzinger. „Wir haben hier tolle Eltern, die viel Verständnis zeigen.“
Anna Scherzinger ist die Leiterin des Kindergartens St. Elisabeth in Unterkirnach. Bild: Cornelia Putschbach
Anna Scherzinger ist die Leiterin des Kindergartens St. Elisabeth in Unterkirnach. Bild: Cornelia Putschbach

Nur wer auch wirklich auf eine Betreuung angewiesen ist, bringt die Kinder in die Kita. „Wir haben den Eltern viel Vertrauen geschenkt.“ Das bekommen sie jetzt zurück, ist Scherzinger überzeugt. Das ist nicht überall selbstverständlich. Das weiß auch Scherzinger. Was die Kinder betrifft, „die machen das ganz tapfer“, sagt Scherzinger. Wer kommen darf, ist froh. Auch wenn der ein oder andere Freund natürlich vermisst wird.

  • Brigachtal: „Wir haben tolle Eltern“, sagt Sandra Boy-Beikirch, Leitern der Kitas Gaisberg und Storchennest. Ausgenutzt werde das Angebot sicher nicht. Das belegen auch die Zahlen: In der Kita Gaisberg werden aktuell zwölf von 70 und im Storchennest acht von 39 Kindern betreut.
  • Kappel: Auch im Kindergarten in Kappel werden die Freunde vermisst. Oder auch die Geburtstage, die normalerweise in der Gruppe gefeiert werden. „Aber die Kinder nehmen das wirklich vorbildlich hin“, sagt Amalia Rebmann, die Leiterin der Einrichtung. Rund 40 Kinder betreuen sie in normalen Zeiten. Jetzt sind es gut 20. 50 Prozent Auslastung also.

Vor allem Kinder im Kleinkindalter werden gebracht. Dennoch ist Rebmann überzeugt, dass die Eltern verantwortungsbewusst sind. „Manche bringen die Kinder nur an drei Tagen, manche an vier, manche bringen sie kürzer.“ Es ist vielleicht der große Vorteil der kleinen Kitas auf dem Land: Man kennt sich. Die Erzieherinnen wissen in der Regel, welche Eltern arbeiten und welche nicht. So kann ein gewisser Teil schon vorher abgefangen werden.

  • Königsfeld: „Wir kennen unsere Eltern“, sagt Kathrin Knorm, Leiterin der Kita Arche in Königsfeld. „Die, die ihre Kinder jetzt bringen, sind die, die es dringend brauchen.“ Derzeit also ein Drittel der Eltern. Und auch hier vermehrt die ganz Kleinen. In der Krippe beträgt die Auslastung rund 50 Prozent. Im Kindergarten sind 15 von 50 Kindern da.

Es wird aber wahrscheinlich nicht dabei bleiben. Einige Eltern, sagt Knorm, hätten bereits angedeutet, dass sie ihre Kinder bringen wollen, wenn es noch länger dauert. Nach der Verlängerung des Lockdowns am Mittwoch rechnet Knorm also auch damit, dass es noch ein paar Kinder mehr werden könnten. Sie sind jedenfalls inzwischen gut organisiert. „Wir arbeiten im Kohorten-Prinzip.“ Also in zwei festen Gruppen.

Inzwischen tragen alle Erzieherinnen den ganzen Tag eine FFP2-Maske. Anfangs haben sie die Masken noch zwischendurch abgenommen, um auch die nonverbale Kommunikation mit den Kindern aufrecht zu erhalten. Die Lage habe sich inzwischen aber verschärft: „Wir haben auch Sorge um unsere Gesundheit“, sagt Knorm. Sie essen jetzt auch nicht mehr gemeinsam mit den Kindern.

Dazu müssten sie die Masken ja abnehmen. Jetzt isst jede Erzieherin zu unterschiedlichen Zeiten allein in einem Raum. „Für uns ist es anstrengend“, sagt Knorm. Und meint das Maskentragen. Die Kinder jedoch hätten damit keine Probleme. „Ich war selbst erstaunt, aber für sie war es nicht ungewohnt.“

Und überhaupt. Die Kinder sind auch in Krisenzeiten immer für eine Überraschung gut. Ein Beispiel: Die Eltern dürfen laut Dienstanweisung die Einrichtung nicht betreten, müssen die Kinder also an der Tür abgeben und können nicht mehr bei Aus- oder Anziehen helfen.

Was sich nach mehr Chaos anhört, hat am Ende sogar für mehr Ordnung gesorgt. „Die Kinder haben das so schnell selbstständig angenommen“, sagt Knorm. „Es geht fast schon besser, als vorher.“ Und noch etwas ist wichtig in diesen Zeiten: kein Kind zu vergessen.

Darum haben sie sich in der Arche etwas überlegt: Alle Kinder, die derzeit nicht in der Einrichtung sind, erhalten in nächste Zeit ein kleines Paket mit einem Brief, etwas zum Basteln und ein paar Anleitungen für Aufgaben. Wer Geburtstag hat, bekommt eine kleine Spieltüte vorbeigebracht. „Es geht darum, dass die Kinder wissen, wir denken an sie.“

Für Kathrin Knorm hat die Pandemie vor allem eines bedeutet: Organisieren, umorganisieren und wieder organisieren. Sie hat inzwischen bereits das siebte Konzept für ihre Kita erarbeitet und immer wieder neue Regeln an ihr Team rausgegeben. Für die Arbeit mit den Kindern bleibt da keine Zeit mehr. Knorm, die Erzieherin, sagt: „Ich bin zur Krisenmanagerin geworden.“

Eine schöne Überraschung gab es jetzt für das Kinderhaus Mönchweiler. Dessen Leiter Tobias Kammerer konnte von Margitta Euler einen Umschlag mit einer Spende von 510 Euro entgegennehmen. Gemeinsam mit anderen Frauen aus Mönchweiler hatte Margitta Euler Mund-Nasen-Schutzmasken genäht, die in der Gemeindeverwaltung gegen eine Spende an Bürger abgegeben wurden. Der Erlös kommt dem Kinderhaus zugute, das den Geldbetrag für die Beschaffung von Spielmaterialien verwenden wird. Die Einkaufsliste hierfür ist durchaus vorhanden, denn in Folge der Corona Pandemie müssen im Kinderhaus Gruppen und Spielzeug vorerst aufgeteilt werden. Mit Tobias Kammerer freuen sich die Kindergartenkinder Nele (von links), Mia, Eva, Mira und Lieselotte über den Zuschuss. Bild: Cornelia Putschbach