Eine Arztpraxis wird zum Rathaus – es ist eben alles anders in Zeiten, in denen ein Virus das öffentliche Leben auf den Kopf stellt. Auch in Mönchweiler. Bisher wurde die Gemeinde verschont: Kein Corona-Fall ist aktuell bekannt. Trotzdem ist die Gemeinde gewappnet und die Mönchweiler nehmen die Corona-Krise ernst. Wie ernst – das zeigt sich bei einem Besuch in der Albert-Schweitzer-Straße 20.

Bürgermeister Rudolf Fluck (links) und Hauptamtsleiter Sebastian Duffner (rechts) vor dem Stützpunkt der Generationenhilfe – dem zweiten Rathaus sozusagen.
Bürgermeister Rudolf Fluck (links) und Hauptamtsleiter Sebastian Duffner (rechts) vor dem Stützpunkt der Generationenhilfe – dem zweiten Rathaus sozusagen. | Bild: Hanna Mayer

Die ehemalige Arztpraxis wurde kurzerhand umfunktioniert und ist jetzt Stützpunkt der Generationenhilfe. Gleich am Eingang wird von jedem Besucher Fieber gemessen. Temperatur, Name und Ankunftszeit werden notiert. Ist die Temperatur im normalen Bereich, darf man weitergehen.

Elena Migonova notiert von jedem Besucher die Temperatur, den Namen und die Uhrzeit der Messung.
Elena Migonova notiert von jedem Besucher die Temperatur, den Namen und die Uhrzeit der Messung. | Bild: Hanna Mayer

In einem der Zimmer hat sich Bürgermeister Rudolf Fluck eingerichtet. Die ehemalige Arztpraxis ist jetzt also zum „Rathaus zwei“ geworden, sagt Fluck. Die Verwaltung hat sich aufgeteilt – eine weitere Vorsichtsmaßnahme. Im Rathaus zwei sind neben dem Bürgermeister zwei Verwaltungsmitarbeiter, das Team der Generationenhilfe, die Integrationsbeauftragte und das Kummertelefon untergebracht. All das wurde innerhalb von zwei Wochen organisiert, umgesetzt und dabei strikte Regeln eingehalten. „Sind es erst zwei Wochen? Mir kommt es schon viel länger vor“, sagt Fluck.

Der Besuch auf dem Spielplatz ist verboten.
Der Besuch auf dem Spielplatz ist verboten. | Bild: Hanna Mayer

Generationenhilfe ein Glücksfall

Die Gemeinde ist gut vorbereitet. Seit Oktober wird in der Gemeinde das Projekt der Generationenhilfe umgesetzt. Das Ziel: Hilfsbedürftige und ältere Menschen sollen unterstützt und entlastet werden. Damals konnte keiner ahnen, dass sich genau dieses Projekt nur wenige Zeit später als echter Glücksfall erweisen würde. Nämlich genau jetzt. Zwischen 40 und 60 Ehrenamtliche stehen bereit, um Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, im Ort zu unterstützen. Einkäufe erledigen, Besorgungen machen und auch ein Kummertelefon gehören zu dem Angebot der Generationenhilfe.

Viele Bilder schmücken den Zaun vor dem Kinderhaus. So bleibt die Welt bunt – auch in schwierigen Zeiten.
Viele Bilder schmücken den Zaun vor dem Kinderhaus. So bleibt die Welt bunt – auch in schwierigen Zeiten. | Bild: Hanna Mayer

„Wir merken langsam, dass es ankommt“, sagt Fluck. Vor allem die Einkaufsfahrten würden in Anspruch genommen. Dabei gelten strikte Regeln: Der Einkauf wird bis an die Wohnungstür geliefert, der Helfer wartet in sicherem Abstand, bis die Person den Einkauf entgegengenommen hat. Das Geld wird dann in einem Briefumschlag in den leeren Einkaufskorb gelegt. So soll eine mögliche Ansteckung vermieden werden.

Der Sportplatz bleibt geschlossen.
Der Sportplatz bleibt geschlossen. | Bild: Hanna Mayer

Hygiene enorm wichtig

Das Einhalten der Regeln ist Bürgermeister Fluck besonders wichtig. „Es braucht Professionalität bei der Hilfe“, sagt er. Hygienevorschriften müssten unbedingt eingehalten werden. So würden nicht nur die Hilfsbedürftigen, sondern auch die Helfer geschützt.

„Der Mensch steht bei uns im Vordergrund. Die Menschen sollen sich gut aufgehoben fühlen“, sagt Fluck. Dazu gehören auch Kontrollfahrten der Ordnungspolizei im Ort, um zu überprüfen, ob die Regeln eingehalten werden. „Egal zu welcher Uhrzeit, die Ordnungspolizei achtet darauf“, sagt Hauptamtsleiter Sebastian Duffner. Es gebe fast keine Verstöße mehr. „Das Bewusstsein in der Bevölkerung ist da“, sagt Fluck.

Der siebenjährige Janosch und die fünfjährige Ronja besuchen die Notfallgruppe im Kinderhaus.
Der siebenjährige Janosch und die fünfjährige Ronja besuchen die Notfallgruppe im Kinderhaus. | Bild: Hanna Mayer

Notbetreuung wird angenommen

Im Kinderhaus gibt es eine Notbetreuung für Kinder und Schüler, deren Eltern weiterhin zur Arbeit gehen müssen. „Diese Woche kamen mehr Kinder“, sagt Anna Kaltenbach vom Leitungsteam des Kinderhauses. Sechs bis acht Kinder seien täglich da. Von acht bis 16 Uhr wird die Notfallbetreuung angeboten. Das jüngste Kind ist zwei, das älteste zehn Jahre alt, erzählt Kaltenbach.

Damit Verwaltungsmitarbeiter, Lehrkräfte, Kinder und alle Helfer bei Kräften bleiben, gibt es jeden Mittag frisch gekochtes Essen in der Schulmensa. „25 bis 30 Essen sind es jeden Tag“, sagt Köchin Ulrike Kille. Auch hier wird der Sicherheitsabstand gewahrt, Markierungen sind auf dem Boden angebracht.

Natascha Brugger (links) und Ulrike Kille (rechts) sorgen dafür, dass es auch in Corona-Zeiten in der Mensa frisch gekochtes Essen gibt.
Natascha Brugger (links) und Ulrike Kille (rechts) sorgen dafür, dass es auch in Corona-Zeiten in der Mensa frisch gekochtes Essen gibt. | Bild: Hanna Mayer

Rudolf Fluck ist dankbar für jeden, der mithilft: „Das zeigt, was für eine starke Gemeinde wir haben.“

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.