Als Andreas Braun und Rudolf Fluck vergangene Woche in der Bürgermeisterdienstbesprechung sitzen, gibt es einen Moment, in dem beide in etwa denken: So geht das aber nicht. Da müssen wir was machen!

Was nicht geht, ihrer Meinung nach, ist, die über 80-Jährigen, die nun als erste Gruppe die Corona-Schutzimpfung bekommen sollen, alleine zu lassen bei der Terminvergabe, die kommende Woche startet. Und auch dabei, irgendwie ins Impfzentrum nach Schwenningen zu kommen und wieder zurück. Wer keine Familie im Hintergrund hat, um das alles zu organisieren, der hat es da nämlich nicht leicht, sind die beiden sicher.

Die Vergabe der Impfplätze ist nicht die Aufgabe des Landkreises, sagt Rudolf Fluck, Bürgermeister von Mönchweiler. Aber die Situation der 80-plus-Generation wurde seiner Meinung nach falsch eingeschätzt. Wer über 80 kennt sich wirklich gut mit dem Internet aus? Oder hat Lust, sich in ewige Warteschleifen der Hotline zu hängen?

„Ich kann nicht den Kopf in den Sand stecken“, sagt Rudolf Fluck, Bürgermeister von Mönchweiler.
„Ich kann nicht den Kopf in den Sand stecken“, sagt Rudolf Fluck, Bürgermeister von Mönchweiler.

Die Lösung der Bürgermeister: Die Gemeinde muss helfen. „Ich kann den Kopf nicht in den Sand stecken und sagen, das interessiert mich nicht“, sagt Fluck. „Ich habe Verantwortung für meine Bürger.“ Rund 150 Personen sind in Mönchweiler in der Altersgruppe der über 80-Jährigen, die davon betroffen sind. Die also alleine und nicht in Altenheimen leben, oder die ambulant gepflegt werden. „Für die ist es nicht zu schaffen, alleine einen Termin im Internet zu vereinbaren“, so Fluck. „Und viele sind nicht mehr mobil.“

Mönchweiler: Konkret sieht die Unterstützung dann in Mönchweiler aus wie folgt: Wer über 80 ist und alleine keinen Termin im Impfzentrum vereinbaren kann, kann sich im Bürgeramt melden (07721/9480-11). Dort wird Beatrix Bayer die Anrufe entgegennehmen. Anhand einer Liste wird überprüft werden, ob die Person wirklich das 80. Lebensjahr vollendet hat. Dann wird beim Impfzentrum ein Termin angefragt und reserviert. Der wird wiederum an die betroffene Person weitergegeben.

„Der Termin ist dann verpflichtend“, sagt Fluck. Auf etwaige andere Termine könne man dann keine Rücksicht mehr nehmen. Die Impfung müsse Priorität haben. Ebenfalls organisiert wird bei Bedarf die Hin- und Rückfahrt zum Impfzentrum nach Schwenningen. „Mit dem Bürgerbus sind wir da gut aufgestellt“, sagt Fluck. Mehr als zwei oder drei Personen auf einmal werde man nicht transportieren können aufgrund der Hygieneregeln. Und wenn es sein muss, sagt Fluck, dann fahren wir auch jeden Einzeln dahin.

Vielleicht 30 Prozent, vielleicht 50. Wer wisse das schon genau, sagt Fluck, wie viele Leute sich am Ende auf das Angebot melden werden. Hauptsache es gibt überhaupt eines. „Wir haben auch viele Weiler und Außenbereiche. Die Menschen müssen auch bedient werden.“

Das Angebot ist zunächst beschränkt auf die über 80-Jährigen. Allein schon, weil nur diese derzeit auch zur Impfung zugelassen sind. Sollten die nächste Gruppe an der Reihe sein, könne man überlegen, in bestimmten Härtefällen das Angebot auch dann noch weiterzuführen, sagt Fluck.

„Ob Taxi, Krankenfahrt oder DRK, der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt“, sagt Andreas Braun, Bürgermeister von Unterkirnach.
„Ob Taxi, Krankenfahrt oder DRK, der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt“, sagt Andreas Braun, Bürgermeister von Unterkirnach.

Unterkirnach: Andreas Braun, Bürgermeister von Unterkirnach, sieht es wie sein Amtskollege Fluck. Über 200 Personen sind bereits über 80 Jahre alt, einige werden es noch in den kommenden Monaten. All diese erhalten dieser Tage ein Schreiben von der Gemeinde. Dort steht, wo sie sich melden können, um einen Impftermin auszumachen.

„Und die, die Unterstützung brauchen, können sich bei uns melden“, sagt Braun. Und weil Braun keine halben Sachen macht, sagt er gleich noch dazu: „Wir werden, wenn es nötig ist, auch den Transport organisieren.“ Ob Taxi, Krankenfahrt oder DRK, der Fantasie, sagt Braun, seien da keine Grenzen gesetzt.

„Das ist für mich Verpflichtung und Selbstverständlichkeit gegenüber der älteren Generation“, sagt Martin Ragg, Bürgermeister von Niedereschach.
„Das ist für mich Verpflichtung und Selbstverständlichkeit gegenüber der älteren Generation“, sagt Martin Ragg, Bürgermeister von Niedereschach. | Bild: Sprich, Roland

Niedereschach: Auch Martin Ragg, Bürgermeister von Niedereschach, will sich um seine 409 Bürger kümmern, die in der Gesamtgemeinde über 80 Jahre alt sind. „Das ist für mich Verpflichtung und Selbstverständlichkeit gegenüber der älteren Generation“, sagt er.

Gespräche mit den Sozialeinrichtungen laufen bereits und auch ein Schreiben an die betroffenen Personen ist in Vorbereitung. „Das Ziel ist Hilfe bei der Vereinbarung von Impfterminen und beim Transport zum Impfzentrum.“ Beginnen will er mit der Aktion aber erst, wenn im Kreisimpfzentrum auch genügend Impfstoff verfügbar ist.

„Wir schauen uns die Sache an, und entscheiden dann, wie man das sinnvoll unterstützen kann“, sagt Michael Schmitt, Bürgermeister in Brigachtal.
„Wir schauen uns die Sache an, und entscheiden dann, wie man das sinnvoll unterstützen kann“, sagt Michael Schmitt, Bürgermeister in Brigachtal. | Bild: Marcel Jud

In Brigachtal und Königsfeld geht man die Sache ebenfalls etwas ruhiger an. Hier überwiegt noch die Skepsis, ob es überhaupt genügend Impfstoff geben wird. „Wir schauen uns die Sache an, und entscheiden dann, wie man das sinnvoll unterstützen kann“, sagt Michael Schmitt. Die konkreten Gespräche über Hilfsangebote haben sie erstmal vertagt um ein oder zwei Wochen.

Schmitt will abwarten, wie die Situation mit dem Impfstoff dann aussieht. Etwa 360 Menschen sind in Brigachtal über 80 Jahre alt. „Es macht nicht viel Sinn, wenn wir versprechen, wir unterstützen euch und dann kann nicht geimpft werden.“ Die Initiative der beiden anderen Bürgermeister finde er jedoch trotzdem gut.

„Normal gehen wir davon aus, dass das innerhalb der Familie oder Nachbarschaft erledigt wird. Aber für andere stehen wir gerne mit Hilfe bei der Seite, sagt Fritz Link, Bürgermeister in Königsfeld.
„Normal gehen wir davon aus, dass das innerhalb der Familie oder Nachbarschaft erledigt wird. Aber für andere stehen wir gerne mit Hilfe bei der Seite, sagt Fritz Link, Bürgermeister in Königsfeld. | Bild: Hanna Mayer

In Königsfeld sind es 400 Personen (insgesamt leben 716 Personen über 80 in der Gemeinde und den Ortsteilen, 316 davon jedoch im Altenheim), die betroffen wären. Und auch hier ist Bürgermeister Fritz Link noch ein wenig skeptisch, ob es genug Impfstoff geben wird. „Es ist noch ein bisschen früh um konkrete Hilfsangebote zu formulieren“, sagt er.

Dennoch laufen bereits Gespräche, im Rahmen der Plattform Bürger aktiv, wo sich seit längerem Ehrenamtliche in der Nachbarschaftshilfe engagieren, auch Hilfe für Ältere in Sachen Impftermin oder Fahrgelegenheiten anzubieten. „Normal gehen wir davon aus“, sagt Link, „dass das innerhalb der Familie oder Nachbarschaft erledigt wird. Aber für andere stehen wir gerne mit Hilfe zur Seite.“