Im Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen des Mönchweiler Küchenbauers Zeyko gibt es mittlerweile mehrere Anfragen interessierter Firmen für die Übernahme. Das berichtete am Donnerstag Hubert Ampferl im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Dem in vielen Insolvenzverfahren erfahrenen Rechtsanwalt und Betriebswirt wurde durch das Gericht das Amt des vorläufigen Insolvenzverwalters übertragen.

  • Interessenten: Diese Interessenten seien aus der Brache und würden den schwierigen Markt der Markenküchen sehr gut kennen, sagte er weiter. Sie bekommen jetzt die Zahlen und weitere Informationen zum Unternehmen. Dann werde man sehen, ob weiterhin Interesse bestünde. Nur, wenn tatsächlich ein Übernehmer gefunden wird, kann die Küchenproduktion in Mönchweiler eine Zukunft haben.
  • Produktionsgebäude: Allerdings, so erklärte Hubert Ampferl weiter, gebe es bei Zeyko einige Besonderheiten. So sei die Zeyko Möbelwerk GmbH & Co. KG, die Schuldnerin des Verfahrens, nicht alleiniger Eigentümer des Werkes am Fohrenwald in Mönchweiler. Das große Gebäude, in dem aktuell die noch verbliebene Produktion erfolgt, sei zum Beispiel als Ergebnis des Vergleichsverfahrens mit Anschlusskonkurs im Jahr 1999 im Eigentum einer örtlichen Bank. Zeyko selber habe das Gebäude nur angemietet. Nur, wenn das Kreditinstitut der weiteren Vermietung an den möglichen Übernehmer der Produktion zustimmt, werden am Fohrenwald weiter Küchen gebaut werden können.
  • Küchengalerie: Anders sieht es mit dem Gebäude der Küchengalerie aus. In dem Ausstellungsraum an der Bundesstraße in Mönchweiler können Händler und Endverbraucher die aktuelle Kollektion anschauen und Küchen planen lassen. Vor zwei Jahren wurde es in seinem Inneren energetisch und optisch auf den neuesten Stand gebracht. Dieses Gebäude steht im Eigentum der Zeyko Möbelwerk GmbH & Co. KG und stellt damit tatsächlich einen Vermögenswert des Unternehmens dar.
  • Markenname: Der vermeintlich größte Vermögenswert des Verfahrens, der renommierte Name Zeyko, wird zum Bedauern des Verwalters rein gar nichts zum Erlös des Verfahrens beitragen können. Dieser Markenname steht ebenfalls als Ergebnis des Vergleichsverfahrens nicht im Eigentum der Insolvenzschuldnerin Zeyko Möbelwerk GmbH & Co. KG. Ein Übernehmer wird also, wenn er mit dem Namen Zeyko Küchen werben möchte, für die Nutzung des Namens bezahlen müssen.
  • Antragszeitpunkt: Für die etwa 100 Arbeitnehmer des Unternehmens war der Zeitpunkt der Stellung des Insolvenzantrages am Freitag entscheidend. Sie haben für den gesamten Monat Februar, wie Hubert Ampferl bestätigt, keine Löhne und Gehälter ausbezahlt bekommen. Weil der Antrag noch im Februar gestellt wurde, werden die Rückstände nun durch das dreimonatige Insolvenzausfallgeld als staatliche Lohnersatzleistung abgedeckt. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass Ende April das Insolvenzausfallgeld ausläuft.
    Sollte bis dahin kein Übernehmer oder eine andere Lösung für die Fortführung oder Sanierung des Unternehmens gefunden worden sein, muss der (vorläufige) Insolvenzverwalter die Löhne und Gehälter entweder aus der Insolvenzmasse begleichen können oder die Arbeitsverhältnisse beenden.
  • Entwicklung: Gleichwohl kam die Stellung des Insolvenzantrages für viele Arbeitnehmer nicht wirklich überraschend. Man habe in den vergangenen Jahren verstärkt den Eindruck gehabt, es sei nichts mehr investiert worden, sagen Mitarbeiter, die namentlich nicht genannt werden möchten. Moderne Maschinen gebe es wo anders, nicht aber bei Zeyko. Die Produktivität hätte deshalb besser sein können. Auch gebe es kaum junge, innovative Mitarbeiter. Zwar habe man seitens der Unternehmensleitung versucht, Küchen mit hochwertiger Technik, besonderen Materialien sowie speziellen Oberflächen zu bauen, gleichzeitig bedeute das aber auch relativ hohe Verkaufspreise der Küchen. Ein breiter Markt könne damit nicht bedient werden. Die Nische der hochwertigen Küchen sei nicht groß genug, um damit genügend Geld zu verdienen. Ein Rückgang des internationalen zahlungskräftigen Marktes trage seinen Teil dazu bei.
  • Gemeinde: Zeyko gehört im Gegensatz zu früher nicht mehr zu den großen Unternehmen und Arbeitgebern Mönchweilers. Die Firma bewegt sich nach stetigem Rückgang nur noch im Mittelfeld. Bürgermeister Rudolf Fluck bedauert dennoch, dass ein solch renommiertes Unternehmen neuerlich in Schwierigkeiten geriet. Bislang habe er noch keinen Kontakt zum vorläufigen Insolvenzverwalter gehabt, sagt der Bürgermeister. Er sei aber jederzeit offen für ein Gespräch, wenn die Gemeinde Unterstützung leisten könne.