Die Tradition eines alten Wirtshauses in Mönchweiler wollen Roland Kuntz und Sabine Glück im „Löwencafé“ wieder aufleben lassen. Zum Monatsanfang nahm das Café in dem alt-ehrwürdigen Gasthof „Löwen“ den Betrieb offiziell wieder auf.

Die erste Erwähnung des „Löwen“

Seit über 200 Jahren steht der Gasthof „Löwen“ an der Hindenburgstraße, der Ortsdurchfahrt in Mönchweiler. Das genaue Baudatum und wann hier erstmals eine Gaststätte eröffnete, ist nicht bekannt. Dieter-Eberhard Maier stellt in seiner Ortschronik fest, dass man lediglich mit Sicherheit wisse, dass der „Löwen“ ab 1852 im Besitz eines Johann Gottlieb Müller war.

Roland Kuntz und Sabine Glück bewirten künftig die Gäste im „Löwen“ in Mönchweiler. Mit dem Konzept eines Dorfcafés für jedermann, in dem keine Massenware serviert wird, soll die traditionelle Gaststätte weiterleben.
Roland Kuntz und Sabine Glück bewirten künftig die Gäste im „Löwen“ in Mönchweiler. Mit dem Konzept eines Dorfcafés für jedermann, in dem keine Massenware serviert wird, soll die traditionelle Gaststätte weiterleben. | Bild: Cornelia Putschbach

1894 ging das Gebäude in das Eigentum von Karl Obergfell über. Er heiratete im gleichen Jahr Elisabeth geborene Kieninger vom Gasthof „Krone“ in Mönchweiler. 1901 brannte der „Löwen“ und die dort betriebene Landwirtschaft durch Blitzschlag völlig nieder. Bereits ab dem Folgejahr wurde der Gasthof wieder aufgebaut. 1904 sei Karl Obergfell an einer Lungenentzündung verstorben, die er sich während des Aufbaus zugezogen hatte, weiß Dieter-Eberhard Maier in seiner Chronik weiter. Elisabeth Obergfell führte den „Löwen“ auch nach einer zweiten, ebenfalls kinderlosen Ehe weiter. Sie sei eine geschätzte und beliebte Wirtin gewesen, ist überliefert.

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Schon früh eine beliebte Gaststätte

1935 übergab Elisabeth Obergfell das Gasthaus „Löwen“ an den jüngsten Sohn ihres Bruders. Karl Kieninger war Metzgermeister und baute an die Wirtschaft eine Metzgerei an, die er bis 1970 führte. Dann übergab er den Gasthof an seinen ältesten Sohn Egon. Die Metzgerei wurde geschlossen. Egon Kieninger betrieb den „Löwen“ viele weitere Jahre als geschätzte Gaststätte für Einheimische und Fremde.

Bis 1997 wurde im „Löwen“ mit kurzen Unterbrechungen eine Gaststätte betrieben. Egon Kieninger hatte den „Löwen“ zu diesem Zeitpunkt aber längst verkauft. Die meiste Zeit konnten die Gäste dort deutsche Küche und kurz auch italienische Küche genießen. Nach seiner Schließung diente der Gasthof kurze Zeit als Sitzungsraum für den Gemeinderat und als Gottesdienstraum für die Evangelisch Freikirchliche Gemeinde. Die Wohnräume wurden in dieser Zeit als Unterkunft für Asylbewerber genutzt.

Löwenmarkt und Keramiktreff

1997 wurde aus dem Gebäude ein Geschäftshaus mit dem Löwenmarkt, dem Getränkemarkt von Roland Kuntz, und dem Keramik-Treff von Anita Etzkorn. Sie war es auch, die in den Räumen der früheren Gaststätte vor rund zehn Jahren ein Café eröffnete und dieses bis ins vergangene Jahr erfolgreich betrieb. Nach ihrer Entscheidung, ihr Café zu veräußern, erwarb dieses Roland Kuntz.

Seither wurde in den Räumen renoviert und Inhaber Roland Kuntz arbeitete an einem neuen Konzept. Zudem gestaltete sich die Suche nach einem passenden Betreiber des Cafés zeitaufwändiger als ursprünglich erhofft. Nachdem dann feststand, dass Sabine Glück diese Funktion übernehmen würde, wurde in einer Übergangszeit weiter am Konzept gefeilt. Zum 1. Juni schließlich öffnete der Löwen nun wieder offiziell.

Im Löwen in Mönchweiler werden Kuchen und Torten serviert, die ohne chemische Hilfsmittel gebacken werden.
Im Löwen in Mönchweiler werden Kuchen und Torten serviert, die ohne chemische Hilfsmittel gebacken werden. | Bild: Cornelia Putschbach

„Wir wollen eine Dorfgaststätte, ein Dorfcafé für jedermann sein“, sagen die beiden über das neue „Löwencafé“. Hier soll für die Gäste ein gemütliches Wohnzimmerflair herrschen. Im Außenbereich kann der Gast im Sommer verweilen. Der Kuchen aus der Küche von Sabine Glück soll ganz bewusst schmecken wie zuhause, nicht wie aus der Großbäckerei. Deshalb verwendet sie weder Massenware noch irgendwelche chemischen Hilfsmittel. Anstelle von Margarine kommt beispielsweise ausschließlich Butter in die Kuchenteige. Milch und Sahne sind Bioprodukte. Qualitativ hochwertige Zutaten sowie Regionalität und Nachhaltigkeit sind für Roland Kuntz und Sabine Glück wichtig.

Nachhaltigkeit ist wichtig

Die angestrebte Nachhaltigkeit setzt Sabine Glück auch bei den Angeboten ihres Cafés um. So ist es ihr auch wichtig, dass möglichst wenig Lebensmittel weggeworfen werden. Den Wurstsalat beispielsweise serviert sie in einem großen Weckglas. Ist dem Gast die Portion zu groß, darf er das Weckglas gegen Zahlung eines kleinen Pfandbetrages mit nach Hause nehmen und seinen Rest später verspeisen.

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Das Konzept der Dorfgaststätte für jedermann setzen Roland Kuntz und Sabine Glück mit verschiedenen Angeboten und Aktionen um. So gibt es jeden ersten Sonntag im Monat morgens ein großes Frühstück. Jeden Freitagabend gibt es Feierabendbier mit ausgefallenen Biersorten. Geöffnet ist das „Löwencafé“ außerdem sonntags bis donnerstags ab 14 Uhr. Auf Anfrage und bei Bedarf wird es weitere Öffnungszeiten geben.