Das Reisefieber hat Ute und Klaus Ummenhofer aus Mönchweiler schon länger gepackt. Bereits in der Vergangenheit machten sie sich mit ihrem Wohnmobil namens Brummi auf eine ganz besondere Tour durch Skandinavien oder auch entlang der Seidenstraße. Doch was die beiden jetzt mit Brummi unter die Räder nehmen, mutet sogar eingefleischten Reisefans als etwas ganz Besonderes an. In loser Reihe wird der SÜDKURIER die beiden auf ihrer Tour auf dem Landweg nach Australien begleiten.

Ende August war es für die beiden Reisenden soweit. In Mönchweiler legten sie ab, um zunächst auf Asphalt in Richtung Ostsee zu schippern. Mit der Fähre von Travemünde ging es dann an den Startort Riga in Lettland. Die russische Grenze konnten sie ganz entgegen bisheriger Erfahrungen in Rekordzeit in etwa 3,5 Stunden überqueren, berichten sie.

Oft sind es die wenig bekannten Orte, die auf der Reise von Ute und Klaus Ummenhofer schöne Fotomotive bilden. So lädt zum Beispiel die orthodoxe Kirche im russischen Zimarowo zu einem Foto-Stopp ein.
Oft sind es die wenig bekannten Orte, die auf der Reise von Ute und Klaus Ummenhofer schöne Fotomotive bilden. So lädt zum Beispiel die orthodoxe Kirche im russischen Zimarowo zu einem Foto-Stopp ein.

"Leider erwartet uns die russische Föderation nicht mit Kaiserwetter, es ist regnerisch und kühl und leider hält das Wetter an und so verbringen wir nach zwei Tagen Fahrt durch unendliche Birkenwälder unsere Zeit in Moskau bei schlechtem Wetter", sagt Klaus Ummenhofer über die erste Etappe der Reise. Drei Tage später geht es nach Stadtrundfahrt und diversen Besichtigungen weiter in Richtung Süden, nach Astrachan an der Wolgamündung. "Wie es sich gehört bei schönstem Wetter", stellt das Ehepaar Ummenhofer trocken fest.

In der Nähe von Tula kaufen sie an der Straße Riesenlebkuchen, die für diese Gegend typisch sind. In Gedanken sind die beiden Schwarzwälder dabei schon bei Weihnachten im fernen Deutschland. "Nach ewiger Fahrt und Übernachtungen in der Walachei sowie in einem Kosakendorf, mit einem Kosakenauftritt und starkem Wodka mit 60 Prozent, schlagen wir in Wolgograd, dem ehemaligen Stalingrad, auf. Wolgograd haut uns als Stadt nicht vom Hocker, da die Stadt nach dem großen vaterländischen Krieg wieder neu errichtet wurde und daher das Stadtbild eher trostlos erscheint. Als sehr sehenswert kann man die Monumentalstatue Mutter Heimat auf dem Mamajew-Hügel bezeichnen. Die Dimensionen von Europas größter Statue mit fast 85 Metern sind einfach riesig. Wolgograd wirkt auf uns eher martialisch, da sich alles um den Krieg dreht. Erschütternd war unser Besuch auf dem Soldatenfriedhof außerhalb der Stadt. Hier wird einem bewusst, wie privilegiert wir sind, diese Stadt als Touristen in friedlicher Absicht besuchen zu können."

Nahe Tula gibt es für die Reisenden aus Deutschland einen Vorgeschmack auf das hiesige Weihnachtsfest. Dort sind große Lebkuchen das ganze Jahr über eine traditionelle Leckerei.
Nahe Tula gibt es für die Reisenden aus Deutschland einen Vorgeschmack auf das hiesige Weihnachtsfest. Dort sind große Lebkuchen das ganze Jahr über eine traditionelle Leckerei.

Als letztes Ziel in Russland steuern Ute und Klaus Ummenhofer dann schließlich Astrachan am Kaspischen Meer an. Entgegen der Eindrücke aus Wolgograd empfinden sie Astrachan als sehr sehenswert. Auf zum Teil sehr schlechten Straßen erreichten die beiden die Grenze von Kasachstan, die sie "nach stundenlangem Grenzprozedere" überfahren durften. Die Hoffnung auf bessere Straßen wich der bitteren Erkenntnis, dass in Kasachstan wohl nur in der Hauptstadt Astana investiert werde. Ironisch führen die beiden weiter aus: "Unsere Fahrt durch die Kasachensteppe wimmelt nur so vor Abwechslung! Es gibt nie etwas außer flacher Steppe zu sehen. Abwechslung sind allerdings vereinzelt die Kamelherden mit Trampeltieren und Dromedaren, auch manch' anderes Vieh ist zu sehen."

Erfahrungen, über deren gute oder schlechte Seite man sicherlich diskutieren kann, macht das Paar auf der weiteren Reise: "Waren wir der Meinung, dass der Grenzübertritt nach Kasachstan lange gedauert hat, werden wir bei der Einreise nach Usbekistan eines Besseren belehrt. Nach fast einem ganzen Tag haben wir es geschafft. Wir sind im Land. Dass es noch schlechtere Straßen als in Kasachstan gibt, hätten wir vorher nicht geglaubt, aber es gibt sie, hier in Usbekistan. Für 20 Kilometer benötigen wir über zwei Stunden!" Nach rund 6500 Kilometern "sehen wir jetzt zum ersten Mal nach dem Harz in Niedersachsen wieder Berge", stellen sie fest. Mitte des Monats September stehen Ute und Klaus Ummenhofer dann auf ihnen schon bekanntem Terrain in Chiva. Diese Stadt ist der Beginn des Märchens aus 1000 und einer Nacht und war bereits auf ihrer Fahrt entlang der Seidenstraße Bestandteil der Route.

Für den ersten großen Teil der Reise zieht das Ehepaar Ummenhofer grundsätzlich ein positives Resümee: "Bisher lief alles glatt, wir sind okay. Unser Wohnmobil Brummi läuft und läuft. Was will man mehr?" Urlaub allerdings sei das bisher noch nicht wirklich gewesen. Wegen der sehr langen Tagesetappen sei man in der Regel gegen 5 Uhr in der Früh aufgestanden. "Ab nun allerdings werden die Tagesetappen deutlich kürzer", kündigen die beiden an und werden die SÜDKURIER-Leser durch Bilder und Berichte weiter mit auf ihre Tour ins ferne australische Outback nehmen.

Die Reise

Die Reise des Ehepaars Ummenhofer aus Mönchweiler erfüllt im wahrsten Sinne des Wortes die Floskel "Der Weg ist das Ziel". Die kürzeste Entfernung von Mönchweiler nach Darwin in Australien beträgt Luftlinie exakt 13 422 Kilometer. Mit dem Flugzeug kann man diese Strecke in rund 22 Stunden absolvieren. Die Reise von Ute und Klaus Ummenhofer wird allerdings deutlich länger und für den Leser spannend zu verfolgen sein. Schließlich liegen auf ihrer Reise nicht nur immense Ebenen, die es zu durchfahren gilt, sondern auch sehr hohe Gebirgszüge. Es gilt fremde Kulturen zu entdecken und die Schönheit der Landschaften zu genießen. Außerdem soll der Weg mit Fähren über das Meer, wie der Titel der Reise verspricht, möglichst kurz gehalten werden.