Mönchweiler – 16 Jahre Amtszeit von Bürgermeister Friedrich Scheerer gehen am kommenden Dienstag, 31. Mai, zu Ende. Ab Mittwoch, 1. Juni, ist Rudolf Fluck der neue Bürgermeister der Gemeinde Mönchweiler.

  • Bürgermeisterwahlen: Im Jahr 2000 wurde Friedrich Scheerer erstmals zum Bürgermeister von Mönchweiler gewählt. Damals erhielt er 52,23 Prozent der Stimmen und setzte sich gegen Andreas Staiger (46,64 Prozent) und Rainer Hoffmann im ersten Wahlgang durch. Am 4. Mai 2000 wurde er vereidigt. Acht Jahre später, am 9. März 2008, wurde er durch die Bürger Mönchweilers neuerlich zum Bürgermeister gewählt. Einen Gegenkandidaten gab es bei der Wahl nicht. Dennoch erhielt er nur 74,4 Prozent der abgegebenen Stimmen. Insgesamt 53 weitere Namen vermerkten die Wähler an diesem Sonntag auf den Stimmzetteln. Lange ließ es Friedrich Scheerer dann offen, ob er ein drittes Mal als Bürgermeister der Gemeinde Mönchweiler kandidieren wolle. Ende Oktober des vergangenen Jahres erklärte er dann, verpackt in einem Nebensatz in einer Sitzung des Gemeinderates, dass er auf eine neuerliche Kandidatur verzichten werde.
  • Weitere politische Ambitionen: Doch auch schon in den ersten Jahren seiner zweiten Amtszeit war es ungewiss, ob er der Gemeinde als Bürgermeister erhalten bleiben sollte. Im September 2009 kandidierte der Bürgermeister, der mit vollem Namen Friedrich August Georg Scheerer heißt, für den Bundestag. Mit großer Mehrheit wurde er damals durch die SPD des Wahlkreises als Kandidat nominiert.
    Letztlich blieb allerdings er sowohl beim Entscheid um das Direktmandat als auch beim Einzug über einen Listenplatz chancenlos. Danach blieb es nur recht kurz ruhig um Friedrich Scheerer. Bereits im September 2010 erklärte er seine Kandidatur um das Amt des Bürgermeisters der Stadt Walldorf. Doch auch hier blieb er weit von seinem Ziel entfernt und verzichtete mit nur 8,97 Prozent der Stimmen auf ein Antreten im zweiten Wahlgang.
  • Parteimitgliedschaft: Sowohl bei seinen Wahlen in Mönchweiler als auch bei den beiden anderen Kandidaturen wurde das Parteimitglied Scheerer durch die SPD unterstützt. Für sie saß er auch zehn Jahre, von 2004 bis 2014, im Kreistag. Dann allerdings kam es zum Bruch mit der Partei. Bei der Nominierung der Kandidaten für die Kreistagswahl erhielt Friedrich Scheerer nicht den angestrebten Listenplatz und erklärte daraufhin seinen Austritt aus der Partei.
  • Höhepunkte der Amtszeiten: Rückblickend auf seine Amtszeit sieht Friedrich Scheerer den Erhalt der Schule als den Höhepunkt. Auch die finanzielle Situation der Gemeinde ist für ihn ein Grund stolz zu sein. Er sagt: "Im Haushalt des Jahres 2000 waren noch Schulden in Höhe von 5,8 Millionen Mark und Rücklagen von nur rund 470.000 Mark enthalten. Im Jahr 2016 stehen im Haushalt Rücklagen von 5 Millionen Euro und keinerlei Schulden."
  • Projekte: Darüber hinaus wurden während seiner Amtszeit mehrere Großprojekte fertig gestellt oder begonnen. Die Alemannenhalle wurde saniert, der Wasserhochbehälter erweitert, das Gewerbegebiet Egert erhielt seine Südanbindung an die Bundesstraße 33, die Schule wurde umgebaut sowie zweimal erweitert, der Bau des Kinderhauses steht kurz vor der Fertigstellung und nach vielen Jahren der Planung wurde auch der Bau eines betreuten Wohnens sowie des Glasfasernetzes im Gewerbegebiet Egert begonnen. Ebenfalls in die Amtszeit von Friedrich Scheerer fielen beispielsweise die mit einem großen Fest gefeierte 750-Jahr-Feier der Gemeinde Mönchweiler und die Eröffnung des Netto-Marktes. Damals wie auch bei etlichen anderen Gelegenheiten wurde deutlich, wie dem Bürgermeister die Pflege der Städtepartnerschaft mit der französischen Gemeinde Chabeuil am Herzen liegt. Besonders in den ersten Jahren seiner Amtszeit legte Friedrich Scheerer außerdem ein Augenmerk auf Mönchweiler als Mediendorf.
  • Probleme: Allerdings herrschte während seiner Amtszeit nicht nur Sonnenschein. Heftige Diskussionen verursachte der geplante Bau einer Feststoffkonditionierungsanlage durch die Firma Hezel. Wie die Angelegenheit ausgeht ist noch offen. Aktuell läuft ein Normenkontrollverfahren beim Verwaltungsgericht.
  • Zukunft: Wenn Friedrich Scheerer nun ab Mittwoch nach offizieller Definition altershalber noch nicht im Ruhestand, aber quasi Privatier ist, möchte er, so kündigt er an, auf jeden Fall in Mönchweiler wohnen bleiben. Ein Engagement in Politik oder auch Wirtschaft soll es nicht mehr geben. Seine Zeit möchte er der Familie und seinen Hobbys widmen.

Momente aus den Amtszeiten von Friedrich Scheerer:

1.Spatenstiche gerne mit schwerem Gerät

Die Zahl der Spatenstiche, die Bürgermeister Friedrich Scheerer während seiner Amtszeit vornehmen durfte ist durchaus beachtlich. So durfte er zum Beispiel bei Projekten wie dem Bau des Glasfasernetzes im Gewerbegebiet Egert, dem Bau des Betreuten Wohnens oder auch dem Wohngebiet Kälberwaid zum Spaten greifen. Ein besonderer Höhepunkt waren diese Spatenstiche für ihn aber immer dann, wenn nicht gewöhnliches Handwerkszeug sondern schwere Maschinen für einen solchen symbolischen Akt zur Verfügung standen. Zweimal, nämlich bei der Südanbindung des Gewerbegebiets Egert und beim Bau des Kinderhauses war es ihm vergönnt in einen Schaufellader oder einen Bagger zu steigen. (put)

2. Kleine Döschen als ständige Begleiter

Nur wirklich ganz wenige Gelegenheiten im Jahreslauf gibt es, bei denen Friedrich Scheerer auf das Zücken der kleinen Döschen mit Schnupftabak verzichtet. Egal, ob während einer Sitzung des Gemeinderates, bei Konzerten, bei Festen, bei Versammlungen oder jedweden anderen Gelegenheiten, unzählige Prisen Schnupftabak wandern in des Bürgermeisters Nase und nur wenig später in ein offensichtlich immer zur Verfügung stehendes Papiertaschentuch. Diese Leidenschaft blieb auch seinen Amtskollegen nicht verborgen und so erhielt er jüngst zum Ausstand sogar den Titel des "ungekrönten König der Schnupfer im Kreis der Bürgermeister" durch seinen Kollegen Jörg Frey verliehen.

3. Sein Herz schlägt für die Feuerwehr

Die Feuerwehr liegt Friedrich Scheerer ganz besonders am Herzen. Das betont er immer wieder und fungiert auch als Vorsitzender des Fördervereins der Feuerwehr. Etliche Jahre kämpfte er dafür, als Bürgermeister nicht nur ein Anwesenheits- und Mitspracherecht bei Sitzungen des Feuerwehrausschusses sondern auch ein Stimmrecht zu bekommen. Kurz vor Ende seiner Amtszeit wurde die Feuerwehrsatzung nun endlich entsprechend geändert. Ab sofort darf der Bürgermeister ebenfalls abstimmen. Mut bewies der Bürgermeister als er die Gelegenheit bekam, in einem Brandcontainer selber einmal Feuerwehrmann zu sein. In entsprechender Ausrüstung begab er sich in die Hitze des Containers. (put)

4. Als Herrchen auf den Hund gekommen

„Ich bin auf den Hund gekommen“, dieser Satz fällt bei Friedrich Scheerer recht häufig. Gemeint sind mit dieser Aussage seine beiden Hunde Balou und Charly. Gerne und ausgiebig geht er mit den beiden Vierbeinern spazieren. Sogar beim einen oder anderen offiziellen Termin, sind die Hunde an Herrchens Seite mit von der Partie. Besonders luxuriös wird es, wenn Friedrich Scheerer zumindest einen seiner Hunde im Beiwagen seines Motorrades mitfahren lässt. Kunden des Geschäftes seiner Frau Ute kennen die Vierbeiner außerdem quasi als Posthunde. Bei einem Zunftball machte er die zwei Lieblinge sogar zum Thema seiner Büttenrede. Sie sind groß, zwischenzeitlich recht gut erzogen und des Bürgermeisters ganzer Stolz. (put)

5. Immer zu haben für Schabernack

Friedrich Scheerer versteht Spaß und spielt auch gerne mal einen Streich. Diese Eigenschaft kam mehrmals bei Aprilstreichen zum Tragen. So verkündete er einmal, die Gemeinde würde nun einen eigenen Bagger für Tief- und Hochbauarbeiten anschaffen. Ein anderes Mal erklärte er, Mönchweiler kaufe Villingen-Schwenningen 150 Hektar ab oder auch, dass die Gemeinde zur Kosteneinsparung von den Bürgern gebrauchten Streusplitt zurück kaufe. Beim Rathaussturm der Narrenzunft war er sich für kein Kostüm zu schade. Er ließ sich fesseln, in Lumpen hüllen und auch als Cowboy und im Blaumann wurde er mehrfach gesichtet. Während der Renovierung des Bürgersaals war er gar als Bauarbeiter im Rathaus zu finden. (put)