Die Evangelisch Freikirchliche Gemeinde Mönchweiler besteht seit 25 Jahren und feiert damit ein echtes Jubiläum. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER erläutert Gemeindepastor Harry Blank, was die Gemeinde ausmacht, wie sie sich von anderen Kirchengemeinden unterscheidet und welche Gemeinsamkeiten es gibt.

Wie hat sich die Kirchengemeinde entwickelt?

Mittlerweile zählt die Evangelisch Freikirchliche Gemeinde in Mönchweiler nach eigenen Angaben knapp 100 erwachsene Mitglieder. In den vergangenen Jahren stagniere diese Zahl nahezu, berichtet Harry Blank.

Die Freikirchliche Gemeinde geht davon aus, dass der Grund dafür in der räumlichen Enge ihres Gemeindezentrums liege. Bereits seit dem Jahr 2011 sei man aktiv auf der Suche nach einer Alternative. Optionen in Mönchweiler hätten sich allerdings aus den verschiedensten Gründen zerschlagen, bedauert der Gemeindepastor. Man sehe Mönchweiler als Heimat der Kirchengemeinde und möchte, wenn möglich, auch hier bleiben. Rund die Hälfte der Gemeindemitglieder leben in Mönchweiler.

Ein Bild aus frühen Tagen: Die Mitglieder der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Mönchweiler präsentieren sich kurz nach deren Gründung im April 1995 vor dem ersten Zuhause der Gemeinde, dem früheren Gasthof Löwen.
Ein Bild aus frühen Tagen: Die Mitglieder der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Mönchweiler präsentieren sich kurz nach deren Gründung im April 1995 vor dem ersten Zuhause der Gemeinde, dem früheren Gasthof Löwen. | Bild: Evangelisch Freikirchliche Gemeinde

Wie wird man Gemeindemitglied?

Anders als bei der römisch-katholischen Kirche oder der evangelischen Landeskirche wird man nicht üblicherweise bereits im Säuglingsalter in die Gemeinde aufgenommen. Im religionsmündigen Alter, also in der Regel zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr, treffen junge Menschen bewusst die Entscheidung für den Glauben und damit dafür, der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde angehören zu wollen und sich taufen zu lassen.

Warum gibt es keine Säuglingstaufe?

Man sei der Überzeugung, dass Menschen aufgrund ihres persönlichen Glaubens getauft werden sollen. Die Taufe bezeuge, dass innerlich mit dem jungen Menschen etwas geschehen sei und er sich bewusst für eine aktive Mitgliedschaft in der Gemeinde entscheide, erklärt Harry Blank. Es komme letztlich auf das Verständnis des Glaubens an.

Wie läuft die Jugendarbeit?

Die Evangelisch Freikirchliche Gemeinde hat dank vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter eine ganz ausgeprägte Jugendarbeit. In mehreren Jugendgruppen treffen sich je nach Alter Kinder und Jugendliche. So kommen bei der Jungschar, der Gruppe der Neun- bis Zwölfjährigen, beispielsweise wöchentlich rund 25 Kinder zusammen. In den parallel zu den Hauptgottesdiensten stattfindenden Treffen der Kinder, der Möwe-Kids, sind regelmäßig 30 bis 40 Kinder dabei.

Gemeindepastor Harry Blank von der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Mönchweiler.
Gemeindepastor Harry Blank von der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Mönchweiler. | Bild: Cornelia Putschbach

Warum engagieren sich die Mitglieder für die Freikirche?

Für Gemeindepastor Harry Blank ist hier entscheidend, dass sich die Mitglieder der Kirchengemeinde bewusst für die Mitgliedschaft entschieden haben und neben der finanziellen Verantwortung auch um ihre zwischenmenschlich geistliche Verantwortung wissen.

Wie sind die Freikirchen organisiert?

Die Evangelisch Freikirchliche Gemeinde Mönchweiler ist gemeinsam mit rund 800 anderen freikirchlichen Gemeinden Mitglied im Bund der evangelisch freikirchlichen Gemeinden Deutschlands. International sind die Gemeinden auch unter dem Begriff Baptisten bekannt. Jede der Gemeinden arbeitet komplett eigenverantwortlich. Innerhalb der Gemeinde ist die Gemeindeversammlung das entscheidende Gremium. Ein Leitungsteam hat die geistliche Kompetenz. Juristisch gesehen ist die Gemeinde eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Wie ist das Verhältnis zur evangelischen Landeskirche?

Mit der evangelischen Landeskirche teilt die evangelisch freikirchliche Gemeinde das Erbe der Reformation. Alle Gläubigen sollen uneingeschränkt auf das Wort Gottes vertrauen, wie es nach Überzeugung der Kirchengemeinde in der Bibel überliefert ist. Sichtbar wird dies beispielsweise auch darin, dass die Kinder der meisten Gemeindemitglieder in der Schule den evangelischen Religionsunterricht besuchen.

Wie finanziert sich die Gemeinde?

Wie alle anderen freikirchlichen Gemeinden auch nimmt die Gemeinde in Mönchweiler nicht an der Kirchensteuer teil. In Anlehnung an eine Vorgabe aus der Bibel führen die Mitglieder einen Zehnten ihres Einkommens – so lautet die Empfehlung – freiwillig an die Kirchengemeinde ab. Welches Mitglied tatsächlich wie viel bezahle, wisse ausschließlich der Kassierer der Gemeinde, so Harry Blank. Zu Beginn jedes Jahres beschließt die Gemeindeversammlung einen Budgetplan, der sich an den voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben der Kirchengemeinde orientiert.

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So hat sich die Evangelisch Freikirchliche Gemeinde entwickelt

  • Gründung: Im Herbst 1993 entstanden aus einem Bibelgesprächskreis um das Ehepaar Gottfried und Eva Liebenau erste Gedanken, sonntags in Mönchweiler Gottesdienst zu halten und eine eigenständige freikirchliche Gemeinde ins Leben zu rufen. Bei ihrer Gründung im Januar 1994 zählte die Gemeinde rund 30 Mitglieder. Für Gottesdienste und Treffen stellte die Gemeinde Mönchweiler den früheren Gasthof „Löwen“ zur Verfügung. Gemeindeleiter war Gottfried Liebenau. Im August kam Norbert Monschau als Pastor im Vikariat nach Mönchweiler.
  • Jahre der Wanderschaft: Die politische Gemeinde verkaufte 1995 den Gasthof „Löwen“. Es galt deshalb neue Räume zu finden. Gegen Zahlung einer Nutzungsentschädigung von monatlich 600 Mark erhielt die Freikirche die Erlaubnis, künftig die Schulaula sowie zwei weitere Schulräume für ihre Gottesdienste zu benutzen.
  • Tod des Gründers: 2001 verstarb Gemeindegründer Pastor Gottfried Liebenau. Ein Jahr später musste die Gemeinde wieder einen neuen Ort für sich suchen, weil die Schule saniert wurde. Als Zwischenstation diente für knapp zwei Jahre die Bühne der Alemannenhalle.
  • Kauf des Gasthofs „Ochsen“: 2003 kaufte die Freikirchliche Gemeinde ihr heutiges Domizil, den früheren Gasthof „Ochsen“, und baute ihn zum Gemeindehaus um. Pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der Gemeinde konnte 2004 Einweihung gefeiert werden. Im gleichen Jahr wechselte Norbert Monschau nach Balingen und Harry Blank kam als Gemeindepastor nach Mönchweiler.
  • Ausbau des Gemeindezentrums: In den Folgejahren wurde das Gemeindezentrum immer weiter den Bedürfnissen angepasst. So wurde die alte Gasthausküche zum Mehrzweckraum umgebaut – und schließlich das gesamte Obergeschoss. Mittlerweile ist das Gemeindezentrum im früheren „Ochsen“ viel zu klein geworden. Insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit ist stark gewachsen. Man sucht in Mönchweiler nach neuen Räumen oder einem Bauplatz. (put)