Inmitten mehrerer Kaninchen sitzen Vanessa und Lea Wimmer im elterlichen Garten. Sorgsam befestigen die beiden Karotten und Salatblätter in zwei kleinen Holzgestellen. Der Auslauf der Kaninchen ist durch einen kleinen Zaun gesichert, der an einen hölzernen Rutschenturm angrenzt. Unten in dem Turm, der früher für Kurzweil im Garten sorgte, ist ein Stall eingebaut, in den sich die Tiere zurück ziehen können.

Schmusen gehört für Lea Wimmer zur Kaninchenzucht genau so dazu, wie der professionelle Umgang mit den Tieren. Deshalb wird "Meister Langohr" auch mal verwöhnt.
Schmusen gehört für Lea Wimmer zur Kaninchenzucht genau so dazu, wie der professionelle Umgang mit den Tieren. Deshalb wird "Meister Langohr" auch mal verwöhnt. | Bild: Cornelia Putschbach

Vanessa und Lea sind 13 beziehungsweise 16 Jahre alt. Mit den Kaninchen gehen sie sehr professionell um. Das kommt nicht von ungefähr. Vater Gerd Wimmer züchtet erfolgreich mehrere Rassen. Die Mädchen begeistern sich ebenfalls für die Kaninchenzucht und konnten bis auf Bundesebene schon Erfolge feiern. Als Zuchtgemeinschaft treten Vanessa und Lea bei Wettbewerben an. Im vergangenen Jahr stellten sie den badischen Landesmeister. Deutsche Widder wildfarben und Zwergwidder weiß Rotauge heißen die Rassen, die auf sie im Zuchtbuch geführt sind.

Angefangen hat alles mit Lotte und Mister Bean

An ihr erstes Kaninchen kann sich Lea gut erinnern. Sie nannte es Lotte. Das Tier war ein Deutscher Kleinwidder weiß Rotauge. "Wenn mein Vater die Ställe ausgemistet hat, habe ich Lotte in einem Wagen herumgeschoben", erzählt sie lachend. Ihr zweites Kaninchen war Mister Bean, "genau so durchgeknallt wie der aus dem Fernsehen", sagt Lea, "aber ein echter Sportler". Das Tier hatte Talent zum Kaninhopp, bei dem Kaninchen über kleine Hindernisse springen.

Gerne lässt Vanessa Wimmer ihre Kaninchen an die frische Luft. Die junge Züchterin aus Mönchweiler erklärt, dass die Tiere durch die Bewegung – ganz wie ein Mensch – eine bessere Körperhaltung bekommen. Bilder:  Cornelia Putschbach
Gerne lässt Vanessa Wimmer ihre Kaninchen an die frische Luft. Die junge Züchterin aus Mönchweiler erklärt, dass die Tiere durch die Bewegung – ganz wie ein Mensch – eine bessere Körperhaltung bekommen. Bilder: Cornelia Putschbach | Bild: Cornelia Putschbach

Gefragt, ob sie allen Kaninchen Namen gäben, lachen die Mädchen wieder. Nein, das ist nicht möglich, lautet die Antwort. Schließlich leben bei Familie Wimmer derzeit im großen Stall hinter der Garage rund 120 Tiere. Lediglich die Zuchtrammler haben bei ihnen einen Namen, erklären die beiden, im Moment zum Beispiel "Knutschi" oder "Champion".

Mittlerweile ein ernst zu nehmendes Hobby

Was sich bis dahin noch recht spielerisch anhört, ist bei Lea und Vanessa mittlerweile ein ernst zu nehmendes Hobby geworden. Inzwischen sind die beiden echte Profis was Kaninchenhaltung, Pflege und Futtermischung betrifft. Sorgsam achten sie darauf, dass die Tiere, die gerade eben noch vergnügt in der Wiese unterwegs waren, nun wieder in den Stall kommen. "Sie müssen sich erst an das Frühjahr und das frische Gras gewöhnen", erklärt Vanessa. "Wenn sie am Anfang zuviel Gras fressen, bläht das."

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Kaninchenzucht bedeutet, dass ein oder zwei Würfe Kaninchennachwuchs im Jahr gezüchtet werden. Hier kommen dann wieder die Zuchtrammler ins Spiel, die bereits bewiesen haben, dass sie für die erfolgreiche Zucht geeignet sind. Doch was passiert mit den Tieren, die keine Zuchterfolge versprechen? "Die geben wir ganz oft ab, an Leute, die bei uns Nachfragen, weil sie sie als Haustier haben möchten", berichtet Lea. Allerdings, und damit geht sie ganz sachlich um, müssen auch immer mal wieder Tiere getötet werden.

Die Kaninchenzucht ist für den Laien eine Wissenschaft für sich. Gut 200 dürfte es geben, schätzt Gerd Wimmer. Vom Deutschen Riesen mit bis zu mehr als zehn Kilogramm bis zum Zwergkaninchen mit gerade einmal einem Kilogramm reicht die Vielfalt der offiziellen Rassebeschreibungen. Für Zuchterfolge kommt es auf den Körperbau der Tiere, auf die Färbung des Fells und ganz viele weitere Faktoren an. Gefragt, was sie an Kaninchen denn so fasziniere, sind sich beide Mädchen schnell einig. Kaninchen seien sehr intelligente Tiere und wirklich lernfähig, berichten sie. Jedes Tier hat andere Bedürfnisse. Mit Kaninchen wird es eben nie langweilig.

Neues von den Züchtern in Mönchweiler

Der Abend des Gründonnerstags gehört in Mönchweiler den Kaninchenzüchtern. Alljährlich laden sie an diesem Tag zu ihrer Hauptversammlung. Sie stand diesmal unter besonderen, traurigen Vorzeichen. Musste doch der Verein den Tod des stellvertretenden Vorsitzenden Hans-Peter Feiß sowie drei weiterer Mitglieder verkraften. Bei den anstehenden Wahlen galt es nun die Lücke zumindest personell zu füllen. Zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden wurde Andreas Hirt gewählt. Neu im Amt ist auch Beisitzer Jonas Wohlgemuth. Jugendwartin Erika Wohlgemuth und Gerätewart Manuel Weißhaar wurden bestätigt.

Gerd Wimmer (von links), der Vorsitzende des Kaninchenzuchtvereins C1 Mönchweiler freut sich, dass ihm künftig Andreas Hirt und Jonas Wohlgemuth im Vorstand zur Seite stehen.
Gerd Wimmer (von links), der Vorsitzende des Kaninchenzuchtvereins C1 Mönchweiler freut sich, dass ihm künftig Andreas Hirt und Jonas Wohlgemuth im Vorstand zur Seite stehen. | Bild: Cornelia Putschbach

Einen der Höhepunkte 2018 bildete die Kreisjungtierschau in der Alemannenhalle. Der Kaninchenzuchtverein C1 gewann bei dieser Schau die Vereinswertung, die Wertung bei der Jungend und erzielte mit den Tieren von Gerd Wimmer und Arthur Mund den ersten und zweiten Platz. Besonders gelobt wurde auch die Vereinsjugend, welche die 100 ausgestellten Tiere perfekt versorgte. Insgesamt sind beim KZV C1 in Mönchweiler fünf Züchter aktiv, die am Jahresende knapp 160 Kaninchen in zehn Rassen und Farbenschlägen halten.

Kritische Worte richtete Wimmer an Bürgermeister Fluck hinsichtlich des Vereinsehrentages der Gemeinde. Er regte an, die Richtlinien für die Ehrungen zu überdenken, um eine Häufung an Ehrungen zu vermeiden. In seinem 20. Jahr wird der Verein vielfältig aktiv sein. Am Lichterfest und am Weihnachtsmarkt will man sich beteiligen. Auch die Teilnahme an Ausstellungen, ein Grillfest und ein Hüttenwochenende sind geplant.